U bersetzungen Aus des Thomæ a Kempis buche Von der nachfolge Christi. Des ersten buches Erstes capitel

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: U bersetzungen Aus des Thomæ a Kempis buche Von der nachfolge Christi. Des ersten buches Erstes capitel (1710)

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Wohl diesem, der mir folgt, und mein goführtes leben
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Vor eine regel hält, nach der man wandeln muß:
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Wer licht und himmel sucht, der fasse den entschluß,
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Sich auf die dunckle bahn des creutzes zu begeben.
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So sprach des Vaters Wort, das Wort, das weder fleiß,
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Noch englischer verstand recht auszudrücken weiß.

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Was sind der heiligen geheimniß-volle lehren,
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Als tropffen aus der see, die JEsus von sich geußt?
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Er ist der reine brunn, aus dem das leben fleußt.
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Wer lautre wahrheit sucht, der darff nur JEsum hören,
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Und auf die wege sehn, die er gegangen ist,
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So hat er ihm gewiß das rechte licht erkiest.

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Doch must du seinen Geist dich stets regieren lassen;
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Sonst wird das himmel-brodt vor dir verborgen seyn.
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Denn mancher läst das wort zu beyden ohren ein,
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Und weiß doch seine krafft nicht von sich selbst zu fassen.
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Drum wer die wahrheit liebt und nach erleuchtung strebt,
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Der lebe, wie der HErr, das Leben selbst, gelebt.

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Was hilfft es, wenn wir gleich beständig disputiren,
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Ob, warum, und wie GOtt dreyeinig ist und heist?
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Wenn unser hertze sich der demuth nicht befleißt,
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Ohn welche wir umsonst den Christen-namen führen.
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Denn Christus lehret uns: daß zanck und stoltz, der welt,
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Und dem Drey-Einigen nur demuth wohl gefällt.

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Der ausdruck hoher wort und spitziger gedancken
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Macht keinen Heiligen und keinen Christen nicht.
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Gott sieht mehr, was man thut, als was die lippe spricht.
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Wer mit der sünde kämpfft, und in den tugend-schrancken
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Den fieges-preiß gewinnt, und GOtt die ehre giebt,
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Der ist allein der mann, den JEsus ehrt und liebt.

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Weiß ich die buße gleich nicht künstlich zu beschreiben;
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Genug: daß buß und reu mein hertze kräfftig rührt.
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Hast du die bibel schon bis auf den band studirt,
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Und alle wissenschafft, die ketzer einzutreiben;
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So ist es gleichwol nichts, so viel du auch gefaßt,
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Wo du nicht GOttes gnad, und lieb, und glauben hast.

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Die höchste weisheit ist GOtt lieben und ihm dienen,
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Und vor das himmelreich das reich der welt verschmähn.
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Denn die auf eitle schätz und ehr’ und wohllust sehn,
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Erwehlen sand und koth vor perlen und rubinen.
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Der ist ein großer thor, und hat sehr weit gefehlt,
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Der vor die ewigkeit, was zeitlich ist, erwehlt.

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O tolle raserey! man sucht ein langes leben,
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Und giebt der heiligkeit des lebens gute nacht;
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So wird der lebens-brunn, des HErren wort, verlacht,
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Indem die sterblichen an todter erde kleben.
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Man eilt den freunden nach, die wie der schnee zergehn;
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Und die beständig sind, die läst man gerne stehn.

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Doch laß die thoren sich in dieser welt vergaffen.
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Du weißt, was Salomon aus der erfahrung hat:
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Das aug’ (und ohre) sieht (und hört) sich nimmer satt.
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Dis überlege wohl, und wende dich rechtschaffen
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Von dem, was sichtbar ist, zu dem, was niemand sieht,
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Damit der himmel dir nicht alle gnad entzieht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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