Antwort der Sylvia an den Flo- rindo, der ihr in einem schreiben seine liebe entdecket

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Antwort der Sylvia an den Flo- rindo, der ihr in einem schreiben seine liebe entdecket (1710)

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Florindo schertzet nur: Ich sehe zwar sein schreiben;
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Allein sein hertze liegt noch nicht in meiner hand,
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Und wär es auch schon da, wie lange würd’ es bleiben?
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Ich weiß gewiß, es liebt den süßen unbestand.
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Denn die veränderung bringt allezeit ergetzen.
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Es schleicht bey einer kost sich bald der eckel ein,
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Und was man anfangs pflag dem golde gleich zu schätzen.
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Das muß nach kurtzer zeit wie altes eisen seyn.
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Die fessel, so mein blick Florinden angeleget,
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Sind dem papiere nur, nicht dir und mir bewust.
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Ja weil mein auge nichts von herrschsucht in sich heget,
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So nenn’ ich deine band’ ein spielwerck deiner lust.
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Ein so galanter kopff kan leichtlich was ersinnen,
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Das dichten steht ohndem den besten dichtern frey.
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Trüg’ ich den lorbeer-crantz, ich wolt’ es auch beginnen,
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Ich schriebe, daß mein hertz wie deines, brünstig sey.
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So aber, weil mich noch Apollo nicht gecrönet,
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So setz’ ich weiter nichts, als was die wahrheit ist.
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Ich weiß es ohnedem, daß mich Florindo höhnet,
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Weil man in meiner nacht gantz keinen glantz erkiest.
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Wie kan des himmels krafft in meinen augen stecken?
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Legt eine göttin sich auch kranck, wie ich, dahin?
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Mein glaube weiß sich nicht so weit hinaus zu strecken,
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So leichtlich als ich sonst des glaubens fähig bin.
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Ein geist, wie deiner ist, der alles kan verachten,
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Der aus den perlen sand, und gold zu kothe macht,
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Wird wol ein weibes-bild nicht zu vergöttern trachten,
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Der selbst der Schöpffer nur das dienen zugedacht.
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Drum sage mir nicht vor: daß ich dir was befohlen;
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Das bitten kommt uns zwar, doch kein befehlen zu.
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Dein liebes-feuer ist ein feuer kalter kohlen,
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Und deine leidenschafft läst dich in guter ruh.
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Indessen kan ich es vor keine kühnheit schelten,
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Daß mir Florindens hand so nette verse schickt;
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Ja kan mein bitten was bey deiner Muse gelten,
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So werd’ ich künfftig mehr durch ihren schertz erqvickt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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