Der Chloris antwort an den Adon, der ihr seine liebe angetragen, und gegen-liebe verlanget

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Der Chloris antwort an den Adon, der ihr seine liebe angetragen, und gegen-liebe verlanget (1710)

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Es ist zu viel, Adon! sich also gleich verlieben:
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Es ist zu viel, Adon! alsbald halbtodt zu seyn;
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Doch was die feder gleich auf das papier geschrieben,
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Das trifft deswegen nicht auch mit dem hertzen ein.
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Ein wort ist doch kein pfeil. Es kostet wenig dinte,
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So stirbt man hundert mal auf allen blättern hin.
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Drum halt’ ich deinen brief vor eine blose finte,
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Darauf ich, viel zu bau’n, noch nicht versehen bin.
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Du hast nur blosen schertz in bleichen ernst gekleidet,
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Ich weiß wohl, daß Adon nicht so geschwinde liebt;
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Dieweil sein kluger geist die übereilung meidet,
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So ihren dienern nichts, als reu zu lohne giebt.
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Verzeih’ denn, Werther Freund! daß ich der marter lache,
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Die deine poesie der höllen gleiche macht:
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Gereimte klagen sind gar eine leichte sache;
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Wie bald ist, was nicht ist, in einen vers gebracht?
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Du sprichst zwar: Wo ich dir kein pflaster übersende,
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So werdest du ein raub des blassen todes seyn;
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Allein es geht mit dir noch lange nicht zum ende.
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Und welch Galenus giebt gesunden artzney ein?
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Wer auf dem tode liegt, wird keine verse dichten.
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(schau, wie dein eigen brief mir dein gemüth entdeckt).
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Die seuffzer lassen sich nach keiner regel richten,
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Wenn schmertz und todes-angst in marck und adern steckt.
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Unmöglich ist es nicht, daß dich ein aug’ entzündet,
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Doch meines klagest du mit höchstem unrecht an,
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Nachdem es keinen strahl in seinem sterne findet,
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Der ein so edles hertz in flammen setzen kan.
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Und könnt’ ich mich auch das schon überreden lassen;
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So würd’ ich dennoch nicht von allem zweiffel los.
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Denn hertzen, die so bald und hefftig funcken fassen,
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Verfallen insgemein in mehr als eine schoos.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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