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Ich weiß nicht, was ich noch poetisiren soll:
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Es schmeckt das schlechte zeug noch immer manchem wohl,
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Und ieder tag will fast ein reimgen von mir haben;
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Ich aber dencke stets mein dichten zu begraben.
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Zu zeiten kömmt mich zwar ein kleiner kützel an:
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Allein wie butter nicht beym feuer dauren kan;
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So muß der schnelle trieb sich auch gar bald verlieren.
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So bald die feder nur will ein paar zeilen schmieren,
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Die zwar zu anfangs gold, am ende steingen seyn,
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Und prägt ich Jupitern und auch die Venus drein;
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So muß ich doch alsbald des albern zeuges lachen,
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So bald nur der verstand bey solchen schönen sachen,
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Selbst seine blöse zeigt. Denn schmeiß ich alles hin,
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Und schwere tausendmal, daß ich kein dichter bin:
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Die feder wird zerstampt: die dinte wird vergossen,
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Aus der doch auch vorhin zuweilen was geflossen,
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Das toll in ohren klang. Bald fang ich wieder an
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Und suche mit verdruß, ob ich noch dichten kan,
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Besonders wenn ich seh’, wie andre geld verdienen,
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Bey denen witz und kunst, gleich klee im winter, grünen,
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Da mischt sich denn der geitz in alle zeilen ein:
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Der will vors henckers danck: ich soll ein dichter seyn:
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Ich soll mit Laps und Taps um ziel und wette kriegen:
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Ich soll, dem Neuburg gleich, bey großen Herren lügen:
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Ich soll das, was noch nie in unser welt geschehn,
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Und was nicht werden wird, auch in dem dunckeln sehn:
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Ich soll der Fürsten witz, der diener redligkeiten:
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Ich soll die frömmigkeit, die doch bey unsern zeiten
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Ein rares wildpret ist; ich soll die kluge kunst,
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Die bey den meisten nichts, als aufgeblasner dunst,
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An allen priestern sehn: Ich soll die keuschheit preisen,
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Mit der die jungfern noch bis zu den sternen reisen,
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Wo der Lucretien ihr altes bildniß steht:
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Ich soll der frauen treu, die doch so bald vergeht,
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So bald das licht verlöscht, bis an den himmel heben:
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Ich soll des Hercules und Herculiskens leben
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An unserm Sterops schaun: Ja was? ich soll noch mehr:
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Ich soll den ochsen-fuß, und trät’ er noch so sehr,
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Vor eine engel-hand ums geld paßiren lassen:
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Ich soll die kindergen in lauter gold einfassen,
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Die doch wol gestern noch die windeln voll gethan:
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Ich soll mit angst und müh den ungeschickten Pan,
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Der doch das dümmste vieh auf unsrer deutschen erden,
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Den ein erzörnter schluß zunächst hieß Doctor werden,
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Vor den Cujacius und Duaren ansehn:
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Ja endlich soll ich auch wol auf die wahrheit schmähn,
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Und das, was laster heist, vor reine tugend schelten:
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Der geitz spricht fein dabey: er woll’ es wohl vergelten:
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Ich solle vor die müh schon wohl vergnüget seyn:
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Dis bringe zehnmal mehr, als die critiqven, ein.
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Ich fang auch denn wol an, ich will den Sterops preisen,
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Und sagen, wie er sich auf den bemühten reisen,
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Die nur sein ofen weiß, vortrefflich wohl versucht:
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Ich sage: daß er stets die faule lust verflucht,
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Und daß der müde schweiß ihn hoch empor gehoben.
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Ich müh’ mich, Dumpifern wie einen gott zu loben,
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Ich singe, wie er stets der wahren tugend hold,
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Den lastern feind gewest: wie er das schönste gold
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Als gifft und pest gehaßt: wie er nie durch geschencke,
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Und auch noch weniger durch tief-gesuchte räncke
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Das kluge recht verdreht, und bilde mir dabey
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Nun gantz gewißlich ein, daß ich ein dichter sey;
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Allein so bald ich nur das blat zum drucker schicke,
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So überzeugt mich schon mein grimmig ungelücke,
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Daß ich das handwerck doch noch lauge nicht gelernt,
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Durch das man sich anitzt vom pöbel weg entfernt,
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Denn wenn der bogen kaum bis zu der helffte kommen,
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So wird er wider wunsch schon wieder weggenommen,
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Es kommet ein verbot, der druck wird confiscirt,
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Weil ich die feder noch, wie vor, zu scharff geführt:
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„es heist: Der kerle will doch alles reformiren,
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„er mißbraucht seinen kopff: Er solte fein studiren,
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„wie man bey dieser welt zu ehren kommen will,
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„denn hätte seine müh’ ein viel beliebter ziel.
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Was fang ich denn nun an? Ich will fein stille sitzen,
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Und mir den schwachen kopff mit keinem reim erhitzen.
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Man sieht doch, daß er das noch lange nicht versteht,
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Wodurch die poesie itzt zu den sternen geht.
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Wohlan! ich will es denn auch kühnlich lassen bleiben,
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Und meinetwegen mag der hencker verse schreiben!