Als Herr L. E. F. K. Doctor wurde. J. F. St

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Als Herr L. E. F. K. Doctor wurde. J. F. St (1710)

1
Geliebtes Qvedlinburg! umgürte dich mit freuden,
2
Dieweil dein Kettner itzt den Doctor-hut empfängt:
3
Dein Kettner, der dich pflegt mit himmels-kost zu weiden,
4
Und kein gefährlich gifft in seine lehren mengt.
5
Dergleichen priester sind vor andern hoch zu halten,
6
Jemehr das unkraut sich in Zions gärten dringt.
7
Der andacht feuer will bey manchem gar erkalten,
8
Der mit dem munde doch GOtt täglich opffer bringt.
9
So ist dein Kettner nicht; von so verkehrten lehrern
10
Ist, Werthes Qvedlinburg! dein heiligthum befreyt.
11
Wo so ein Haupt regiert, da fehlt es an verehrern
12
Des reinen glaubens nicht, da herrscht die heiligkeit.
13
Wer unsern Kettner kennt, der wird ihn loben müssen,
14
Und den ertheilten ruhm ihm gerne zugestehn.
15
In diesem Lehrer paart sich wissen und gewissen,
16
Die itzt bey vielen nicht in einem paare gehn.
17
Wer weiß nicht, wie itzund der schwarm der ignoranten
18
Ohn’ alle wissenschafft des Geistes amt begehrt;
19
Wie manche lieber gar die frömmigkeit verbannten,
20
Weil wohllust, geitz und stoltz ihr glaubens-öl verzehrt.
21
In einem priester muß die frömmigkeit nicht fehlen,
22
Doch ohne wissenschafft kan sie nicht richtig seyn.
23
Wer demnach eine nur von beyden will erwehlen,
24
Der stellt sich in das chor bethörter lehrer ein.
25
In unserm Kettner sieht man beyde sich umfassen:
26
Er scheut den aberwitz, der rotten geister nicht,
27
Wie die, so die vernunfft als wie den Satan hassen,
28
Weil sie durch alle macht der falschen schlüsse bricht.
29
Er kan des Höchsten wort in seinen sprachen lesen,
30
Er kennet auch zugleich die grentzen der vernunfft,
31
Spinoza ist vor ihn nicht zu subtil gewesen,
32
Er weiß die falsche kunst, der atheisten zunfft.
33
Socinens rotte muß vor seiner feder zittern,
34
Die wahre lehre bleibt auf festem grunde stehn.
35
Es kan kein falscher wahn den glaubens-grund erschüttern,
36
Er muß, als wie der schnee bey heisser glut, zergehn.
37
Zu diesem wissen kommt auch endlich das gewissen,
38
Das Kettners klugen geist zur gottesfurcht geführt.
39
Wer weiß nicht, wie er sich der schnöden welt entrissen,
40
Und wie sein wandel stets sein hohes amt geziert?
41
Sein predigen weiß nichts von eitlen künsteleyen,
42
Doch ist es voller krafft, weil es sein thun bewährt.
43
Es muß der sünder sich vor seiner strafe scheuen,
44
Weil sem exempel selbst ihm durch die sinne fährt.
45
Dis heißt ein priester seyn! Drum crönt ihn GOtt mit segen,
46
Und hat ihn als ein licht in Zion aufgestellt:
47
Drum ist er allem haß der neider überlegen,
48
Der sonst der tugend selbst die beste kost vergällt.
49
Drum hat ihn Qvedlinburg der ehre werth geschätzet,
50
Daß er der lehrer Haupt und Hoherpriester sey:
51
Drum hat die klugheit ihn zum Kirchen-Rath gesetzet,
52
Drum wird sein ehren-ruhm noch alle tage neu.
53
Wie ruhmlich er bisher der kirchen vorgestanden,
54
Weiß ieder, der ihn kennt, und von ihm reden hört.
55
Dahero schallet auch sein nam’ in andern landen,
56
Denn wahre tugend wird doch überall geehrt.
57
Drum hat das Saal-Athen, allwo die reine lehre
58
Des wahren Christenthums in vollem flore steht,
59
Ehrwürdigster Patron! zu einer neuen ehre,
60
Zur Doctor-würde dich, itzt nach verdienst erhöht.
61
So steigt und blühet der, so GOttes ehre liebet,
62
Der löblich lehrt und thut, und einem baume gleicht,
63
Der kühlen schatten bringt und schöne blätter giebet,
64
Doch aber auch dabey die besten früchte reicht.
65
Du wirst auch ferner blühn, denn GOttes milde gnade
66
Verläst die Lehrer nicht, so er gesendet hat.
67
Steh wie ein lorbeer-stamm, daß dir kein donner schade,
68
So nützet Qvedlinburg dein lehren, thun und rath.
69
Das werthe Qvedlinburg, das dich, als ein exempel
70
Rechtschaffner priester, liebt, gräbt diesen schluß in stein,
71
Ja selber in das hertz: Der, so in meinem tempel,
72
Als Hoherpriester lehrt, muß so, wie Kettner seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.