Als der welt-berühmte Herr George Wolffgang Wedel, Theoret. P. P. zu Jena d. 12 Novembr. 1708 seinen geburts-tag begienge, Jm namen seiner tisch-compagnie. G. S

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Als der welt-berühmte Herr George Wolffgang Wedel, Theoret. P. P. zu Jena d. 12 Novembr. 1708 seinen geburts-tag begienge, Jm namen seiner tisch-compagnie. G. S (1710)

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Wenn alles sich erfreut, was Wedels namen nennt,
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Wenn ieder sich vergnügt, der den geburts-stern kennt,
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Der itzt so herrlich strahlt; wie solten wir denn schweigen?
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Wie solten diese nicht auch ihr vergnügen zeigen,
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Die täglich neben dir an einem tische seyn,
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Und sich, Hoch-Edler Herr! an deinem witz erfreun?
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Wohlan! wir wollen nicht die schöne zeit versäumen;
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Wir wollen deinen ruhm zu deinem glücke reimen.
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Dis fordert dein verdienst, dis heischet unsre pflicht:
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Wir wissen allzuwohl, daß offt ein bloses licht,
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Nach manches dichters wahn der sonnen gleiche schimmert.
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Allein ein falscher ruhm, den schmeicheley gezimmert,
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Verschwindet wie ein dampff. Dein namen aber steht,
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Weil ihn der wahrheit mund, der tugend hand erhöht.
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Gesetzt, daß mancher sich aus stoltzer thorheit brüstet,
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Und schreyt: daß Padua vorlängst nach ihm gelüstet:
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Daß vieler Fürsten hof, daß Holl- und Engelland,
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Und Byzanz selber schon sein rares lob erkannt;
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So hat das freche maul den pöbel nur belogen.
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Den aber hat gewiß sein glaube nicht betrogen,
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Der dir die ehre giebt, so jener nicht verdient.
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Daß in Salinen noch Hygeens lorbeer grünt,
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Ist, Ungemeiner Mann! dir grösten theils zu dancken.
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Dein schreiben führt dich nicht nur außer Deutschlands schran-
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cken;
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Dein lehren thut es auch. Dis ziehet vieler sinn
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Aus weit-entfernter lufft zu deinen füßen hin.
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Zwar mancher hat ja wol gelehrt und auch geschrieben;
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Doch ist sein gantzer ruhm darinnen stehn geblieben:
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Dein ruhm geht weiter fort. Das lehren crönt die that.
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Was die erfahrung erst durch dich bewähret hat,
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Das lehrst und schreibest du. Wir kennen deine gaben,
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Die große Fürsten offt an dir gepriesen haben;
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Die Deutschland, wenn dich einst des hohen himmels schluß
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Nicht mehr der erde gönnt, mit dir, betrauren muß.
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Drum bist du allem sturm der neider überlegen:
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Drum wünscht das gantze land dir tausendfachen segen:
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Drum läst der Höchste dich vollkommen glücklich seyn,
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Und in dem alter noch mit einem sohn erfreun.
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Er hat uns zwar durch dich schon einen auferzogen,
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Der dir mit seltnem fleiß in ehren nachgeflogen;
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Der uns erkennen läst, daß auch ein großer Mann,
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Der GOtt und klugheit liebt, was großes zeugen kan.
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Wie aber? Wollen wir die andern zwey vergessen?
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Nein! denn man darff ihr lob nicht nach den jahren messen,
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Sie folgen rühmlich nach: So liebt der himmel dich:
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So mehrt durch seine gunst dein ruhm und segen sich.
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Doch weil vier söhne ja noch mehr, als drey, vergnügen,
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So muß der viert’ itzund in deinen armen liegen.
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Wie soll die freude nun nicht unvergleichlich seyn?
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Wie soll sich unsre pflicht nicht neben dir erfreun?
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Indessen sehen wir dich doch noch höher steigen,
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Wenn auch der jüngste sohn wird seine tugend zeigen.
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Nun wissen wir zwar nicht, ob du die freud’ erlebst;
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Doch wie du nach dem wohl des krancken nächsten strebst,
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Und viele, die sonst längst im grabe liegen müssen,
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Durch deinen witz und fleiß dem nahen tod entrissen.
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So wünschen nicht nur wir, es wünscht die gantze stadt,
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Und die gelehrte welt, so dich zum Pharus hat,
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Wenn sie Morbonens klipp’ und strudel lehrt vermeiden:
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Es möge Wedels geist nicht eh’ von hinnen scheiden,
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Bis er den glückes-punct, den ihm die hoffnung zeigt,
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Frisch und gesund erlangt. Der himmel ist geneigt.
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Der dir so viel gelück und jahr’ und ruhm gegeben,
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Läst dich auch unsern wunsch, wie diesen tag, erleben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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