Auf einen, der zu Wittenberg Magister wurde

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Auf einen, der zu Wittenberg Magister wurde (1710)

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Wjr wallen, Edler Freund! in gar betrübten zeiten.
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Was haben wir nicht schon vor üppigkeit erlebt?
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Dort will ein sonderling des Höchsten wort bestreiten,
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Dieweil es seinem stoltz und frevel widerstrebt:

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Hier will ein flatter-geist bis in den himmel fliegen,
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Und sieht nicht, daß er sich grad’ in die hölle stürtzt.
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Insonderheit will itzt der schwarm der spötter siegen,
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Der, was er redt und schreibt, mit gifft und galle würtzt.

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Die klugheit, so ihn führt, durchstöret alle häuser.
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Die tempel bleiben nicht von seiner wut verschont.
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Hier gilt kein ansehn mehr, er macht sich selbst an Käyser,
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Und endlich gar an den, der in dem himmel wohnt.

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Deswegen darff es uns mit nichten wunder nehmen,
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Wenn diese schlangen-zucht auch in dem Pindus wühlt:
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Wenn diese spötter sich nicht vor den Musen schämen,
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Und ihr entbrannter grimm sich an den lorbeern kühlt.

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Du weist, Gelehrter Freund! wie man den crantz verhönet,
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Womit der weisheit hand den klugen fleiß bedenckt.
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Womit itzt Leucoris die werthen söhne erönet,
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So ihre beste zeit der wissenschafft geschenckt.

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Doch wie der sonnen licht wol ohne flecken bleibet,
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Wenn ihr gleich jener thor mit tausend pfeilen dräut:
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Ein wohlgepflantztes reis auch gar erwünscht bekleibet,
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Wenn schon die spinn’ ihr gifft an seine blätter speyt;

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So wird der lorbeer-crantz wol unverwelcklich grünen,
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Und vor der spötter blitz und donner sicher stehn,
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Die weisheit pfleget ihn auf ihren ehren-bühnen,
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Wenn Mom und Zoilus mit schimpff zu grunde gehn.

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Gesetzt, daß manchmal auch das volck der idioten
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Ein glied von ihrer zunfft auf den Parnassus bringt;
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Hat man doch kindern offt gar Cronen angeboten,
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Zu welchen sich nur sonst ein kluges alter schwingt.

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Und dennoch bleibt der glantz der Maiestät in ehren.
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Was kan in dieser welt ohn alle fehler seyn?
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Die spötter, die das gras im felde wachsen hören,
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Wird die vollkommenheit wol schwehrlich ie erfreun.

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Genung, daß Deutschland noch sehr viel Magister kennet,
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Die ihren lorbeer-crantz durch ihren witz verdient.
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Genung, daß Leucoris viel solche männer nennet,
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Die keiner mit vernunfft zu tadeln sich erkühnt.

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Genung, daß wir an dir ein solches muster finden,
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Gelehrt- und kluger Rühr! das ieder loben muß.
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Wer seinen ehren-bau so fest, als du, kan gründen,
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Trägt den magister-hut den spöttern zum verdruß.

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Dein Vater hatte dich vernünfftig auferzogen,
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Und dir den ersten weg zur weisheit kund gethan.
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Du bist dem Vater auch bald rühmlich nachgeflogen,
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An dem sich Dreßden itzt nach wunsch erbauen kan.

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Drum nahm dich Philuree nach hingelegten schulen,
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Als einen muntern Sohn mit beyden armen auf.
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Verschlendert mancher thor allda die zeit mit buhlen.
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So führte dich dein witz gantz einen andern lauf.

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Doch als die Musen hier aus furcht des krieges wichen,
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So muste Jena dir ein sichrer hafen seyn.
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Wenn andre durch die stadt nach einem dorffe strichen,
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So wuste sich dein geist mit lesen zu erfreun.

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Du hast, was Förtsch gelehrt, Buddeus ausgeleget,
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Und Lungershausens fleiß subtiles vorgebracht,
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Bedächtig untersucht, wie ein gemüthe pfleget,
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Das seine jahre nicht dem Schlendrian verpacht.

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Wie die begierde nun, was gründliches zu wissen,
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Sich nicht so binden läst, und offt noch weiter geht;
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So eiltest du dahin, wo Elb und Elster fließen,
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Und Luthers eifer noch auf der catheder steht.

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Hier hast du deinen sleiß noch ferner spüren lassen:
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Hier hat die wissenschafft ihr rechtes ziel erlangt.
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Wir mühen uns umsonst dein lob hier abzufassen,
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Nachdem dein haupt bereits mit frischen lorbeern prangt.

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Aus lorbeern, welche dir die weisheit aufgesetzet,
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Die weisheit, die den mund der spötter stopffen kan.
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Drum zeigen wir allein, wie uns die ehr ergetzet,
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Die dein verdienst belohnt, in diesen zeilen an.

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Doch wünschen wir zugleich, daß trotz den schlimmen zeiten,
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Dich GOttes segens-hand noch fernerweit erfreu,
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Und daß der lorbeer-crantz, den Musen zubereiten,
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Den spöttern zum verdruß noch stets in ehren sey!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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