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Verzeihe, Seelige! daß ich bey deinem grabe,
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Dein bildniß noch einmal darff aus dem sarge ziehn,
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Der vorsatz, den hierbey ich in dem hertzen habe,
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Ist, daß dein hoher ruhm soll nach dem tode blühn.
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Die asche soll von dir in blumen sich verkehren,
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Von denen meine faust dir einen crantz verspricht,
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Den keiner raute gifft, kein schimmel kan verzehren:
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Denn wahre tugend stirbt auch nach dem tode nicht.
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Ich weiß zwar, daß ein thor hat in die welt geschrieben:
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Die tugend wäre nur der männer eigenthum;
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Es könte dieses bild kein frauen-hertze lieben,
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Denn großmuth zeuge bloß den wahren ehren-ruhm;
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Allein welch kluger geist wird solchen wahnwitz hegen,
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Als ziere dieses gold nicht auch der frauen haupt?
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Gewiß, man solte den bey schlang und ottern legen,
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Der dis geschlechte schimpfft, und dessen ehre raubt.
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Ist gleich das erste weib aus Adams ribbe kommen,
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So war sie doch, wie er, des Höchsten ebenbild,
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Der fleisch zu ihrem bau, zu jenem leim genommen,
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Und beyd’ auf einen schlag mit seiner krafft erfüllt.
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Die schrifften lassen uns viel solcher weiber schauen,
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Die es an tugenden den männern vorgethan;
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Es darff sie kein Bernin in festen marmel hauen,
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Wer ihre tempel sucht, der sehe bücher an.
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Des Höchsten finger selbst hat ihren ruhm beschrieben.
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Jhr lob steht oben an in Sirachs cancelley.
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Hier hat er seinen kiel den sternen gleich, getrieben,
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Zu zeigen, daß ihr glantz nicht zu erreichen sey.
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Gewiß, ein weibes-bild von englischen geberden,
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Die wahre gottesfurcht in reiner seelen hegt.
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Bey der vernunfft und zucht vertraute schwestern werden,
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Die aller worte gold auf kluge schaalen legt,
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Die ihren eh-gemahl von gantzem hertzen liebet,
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Den keuschen atlas nicht durch geilen kuß befleckt,
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Die sich in stetem lauff rechtschaffner tugend übet,
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Und alle kost verschmäht, so nach der wohllust schmeckt.
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Die durch der weisheit mast das wirthschaffts-schiff regieret,
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Und manchen sorgen-sturm durch kluge sanfftmuth stillt.
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Die kinder und gesind auf tugend-pfaden führet,
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Und durch verborgnen witz das hauß mit segen füllt.
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Ein so beschaffnes weib ist ihres mannes sonne:
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Der ancker, dran das wohl des gantzes hauses hangt:
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Ein wahres paradieß, umzäunt mit süßer wonne,
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Ein baum, der bald mit blüt und bald mit früchten prangt.
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Kein theurer perlen-sehmuck kan ihren werth erreichen,
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Kein demant, hätt’ er auch der Florentiner höh,
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Der weisen seltner stein muß ihren würden weichen;
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Genug: der himmel selbst ist in dergleichen eh.
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Hier weiß ich, dürffte sich ein klügling unterwinden
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Zu sagen: Du beschreibst zwar, wie ein weib soll seyn,
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Wo aber wird man sie von solcher gattung finden?
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Man schreibt vielleicht nicht viel’ in das register ein?
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Wir sehn bey dieser zeit mehr geiler Messalinen,
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Als keuscher Porzien: dir thun es wenig nach,
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Jhr garten trägt itzund mehr disteln als jesminen,
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Man kaufft ein qventlein lust vor tausend ungemach.
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Allein die spinne kan auch gifft aus rosen saugen,
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Dem, so die goldsucht hat, kommt alles gelbe für;
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Ein demant scheint wie glas in ungewaschnen augen,
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Wer nichts als laster ehrt, kennt keine tugend-zier.
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Wer tadelt unter uns die lieblichen granaten,
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Wo hundert kerne gut, doch einer fäulniß hegt?
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Wer pflantzt nicht höchst vergnügt die pomerantzen-schnaten,
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Ob iede gleich davon nicht allzeit früchte trägt?
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Ist wo ein weib nicht gut, so will ich tausend zehlen,
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Die an vortreffligkeit den engeln gleiche gehn,
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Gewiß, es würde mir gar bald an worten fehlen,
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Wenn ich ihr hohes lob zur gnüge wolt’ erhöhn.
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Ist iemand, welcher nicht will meinen reimen trauen,
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Der seh’, o Seelige! nur deine tugend an;
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So wird er gleich ein bild vollkommner weiber schauen,
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Von denen selbst der neid nicht übel sprechen kan.
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Hochwerther! dessen aug’ in heißen thränen schwimmet,
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Und den die rauhe qvaal fast selbst zur leiche macht,
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Ich weiß, daß itzt dein hertz in tausend funcken glimmet,
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Und alles dis bejaht, was ich hier vorgebracht.
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Dir ist am besten kund ihr ungemeines wesen,
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Wie sie an tugenden recht eine Fürstin war.
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Drum kan man auch an dir nichts als betrübniß lesen,
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Denn das, was du geliebt, liegt auf der todten-bahr.
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Jedoch was wilst du viel den schluß des himmels ändern?
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Verlaß die traurigkeit und ehre seinen rath.
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Vergnüge dich zugleich mit beyden liebes-pfändern,
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Die dir die Seelige noch hinterlassen hat.
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Sie war der Rahel gleich im tode, wie im leben,
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Drum must’ ihr letztes kind ein sohn der schmertzen seyn,
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Du aber, um ihr noch den letzten dienst zu geben,
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Schreib auch mit Jacob dort auf ihren grabe-stein:
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Hier ruht mein augen-trost, ein weib von seltnen gaben,
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Mein leit-stern, meine lust, so mich allein vergnügt;
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Zwey leichen sind allhier in einer grufft begraben,
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Weil neben ihr zugleich mein treues hertze liegt.