Der zeitliche verlust und ewige trost, Bey TIT. Herrn M. H. Hors, rc. Leich-begängniß. D. V. A

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Der zeitliche verlust und ewige trost, Bey TIT. Herrn M. H. Hors, rc. Leich-begängniß. D. V. A (1710)

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Die krauckheiten, die uns plagen,
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Und den leib zu grabe tragen,
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Sind der ersten sünde sold:
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Vor gesundheit, stärck und leben,
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Wurde näscherey gegeben,
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Asche kriegten wir vor gold.

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Demnach haben GOtt die krancken,
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Vor die medicin zu dancken,
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Die nächst ihm ihr helffer ist;
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Alle kräuter und metallen
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Müssen ihr zu fuße fallen,
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Und verschaffen ruh und frist.

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Aber daß sie selber sterben,
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Die das leben uns erwerben,
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Scheinet hart und fast zu viel.
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Der succurs, der vor uns krieget,
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Wird zu zeitlich selbst besieget;
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Sterben ist doch aller ziel.

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O daß wir bey unsern linden
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Dieses itzt an dir empfinden,
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O du großer Podalir!
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Deine sonderbare gaben,
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Die wir sonst genossen haben,
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Fehlen uns nun für und für.

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Deine kunst, die du geübet,
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Und die gantze stadt geliebet,
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Lag auf einem guten grund.
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Michael, der ärtzte crone,
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Nahm dich auf zu seinem sohne,
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Du besaßt sein gantzes pfund.

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Holland mit den klugen Britten
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Und des Frantzmanns nette sitten,
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Hast du klüglich angesehn.
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Was die weisen Welschen weisen,
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Must’ in deinen langen reisen
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Dir durch aug und hände gehn.

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Breßlau wolte deine gaben
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Bald darauf gantz eigen haben,
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Und versprach dir seine gunst.
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Aber Leipzig hat vor allen
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Dir von anfang wohl gefallen,
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Als die mutter deiner kunst.

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Hier bist du bisher gewachsen,
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Und die Häupter unsrer Sachsen
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Haben selber dich erhöht.
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Deine künste, ihre proben,
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Musten ihre helden loben,
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Wo die Saal und Elbe geht.

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Unsre hohe Pindus-spitzen
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Ließen dich auf ihnen sitzen,
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In dem purpur Rector-hut.
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Die catheder hat dein lehren
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Unsre jugend lassen hören,
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Die schon gute proben thut.

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O verlust! den wir nun sehen.
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Da er völlig ist geschehen;
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Eher denckt man kaum daran.
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Finsterniß folgt nach dem lichte,
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Und das leben wird zu nichte,
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Wenn der artzt ist weggethan.

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O gewinn! den ihm hingegen
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Gott im himmel will zulegen
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Auf sein wahres Christenthum,
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Dort hat er in JEsu wunden,
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Seine panacee gefunden,
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Hier hat er der Christen ruhm.

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O ein trost vor die betrübten!
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Denn sie wissen den geliebten
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Jtzt bey seinem zweck und ziel:
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Und die hoffnung bleibt uns allen,
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Wenn die ärtzte selbst hinfallen,
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Daß der Höchst’ uns heilen will.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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