Gottes gnaden-reiches todes-urtheil zum leben, Gesprochen über TIT. Herrn R. T. rc. D. V. A

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gottes gnaden-reiches todes-urtheil zum leben, Gesprochen über TIT. Herrn R. T. rc. D. V. A (1710)

1
Der schöppen-stuhl, ein kleinod dieser stadt,
2
Dergleichen man kaum hat,
3
Und fremde selbst als ihr oracul ehren;
4
Das sonsten im gericht
5
Die todes-urthel spricht,
6
Muß itzo selbst dergleichen ausspruch hören.

7
Wie geht es zu? Herr Teller, der allhier
8
Gesessen für und für,
9
Und vielen hat das leben abgesprochen;
10
Mein Freund, der liebe mann,
11
Hört itzund selber an,
12
Daß über ihn auch sey der stab gebrochen.

13
Wem that er was? er lebte fromm und still;
14
Es war sein wunsch und will,
15
Gott, und zugleich dem nächsten recht zu dienen:
16
Des vatern theurer geist
17
Hat sich in ihm erweist:
18
Jhm ist zu bald der letzte tag erschienen.

19
Der Werthe Mann, wie hat er sich erbaut,
20
Und wacker umgeschaut,
21
Als Sud und West ihn willig aufgenommen;
22
Er reiste hin und her
23
Zu land und über meer,
24
Und war gesund vorlängsten wiederkommen.

25
Er nahm auch drauf an glück und ehren zu,
26
Und saß in guter ruh,
27
Vergnügt in GOtt, und seiner perlen-crone;
28
Herr Berlichs hohes hauß
29
Gab ihm den schatz heraus,
30
Und GOtt vielmehr, der tugend selbst zum lohne.

31
Ach ein verlust, der kaum zu schätzen war,
32
Bey ihrer todten-bahr,
33
Als dieser schatz ihm zeitlich war genommen,
34
Gott aber führt ihn an,
35
Daß er kam auf die bahn,
36
Da er hernach dergleichen hat bekommen.

37
In Laußnitz liegt die schön’ und liebe stadt,
38
Mein Zittau, das ihm hat
39
Den andern schatz, von perlen-art, gegeben;
40
Herr Harttichs edles hauß
41
Sieht wie der himmel aus;
42
Wer darein freyt, kan wohl auf erden leben.

43
Ach aber! itzt sitzt sie, die Werthe Frau,
44
In keiner göldnen au:
45
Jhr ehstand ist zum bittern wehstand worden;
46
Die kinder neben ihr
47
Beklagen für und für
48
Der wittwen noth und ihren wäysen-orden.

49
Gott aber ists, der alles hat gemacht,
50
Wenn an ihn wird gedacht,
51
Läst sich allhier kein todtes-urtheil hören.
52
Es ist durch Christi blut
53
Schon alles mit ihm gut;
54
So sitzen sie, wie er, in neuen ehren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.