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Mein Freund! Mein ander Ich! dein wachsendes gelücke
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Macht, daß ich meinen flor halb von den augen zieh:
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Daß ich mein trübes ach auf eine zeit verdrücke,
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Und mich bey deiner lust um einen vers bemüh’.
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Er wird zwar nicht so rein und nett, als deiner, fliessen:
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Mein unstern hat in mir den alten trieb ersteckt;
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Doch weil sich Ephraim und Dorothea küssen,
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So wird der matte geist doch etwas aufgeweckt.
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Ich wag es dann getrost. Vielleicht flößt deine liebe
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Bey meiner herben noth mir noch was süßes ein.
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Und rinnt die Hypoeren in meinen versen trübe,
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So wird mein wille doch ohn allen tadel seyn.
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Du bist vor langer zeit der Weisheit nachgegangen,
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Die weder Socrates noch Antoninus zeigt.
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Der himmel ließ dich auch den edlen zweck erlangen,
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Und hat dir ihre gunst vollkommen zugeneigt.
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Sie hat dein hertze dann in ihren port gezogen,
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Das wie ein schwehres schiff im meere dieser welt
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Bey ungestümer lufft immittelst well und wogen,
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Den vorgesteckten lauf, trotz nacht und donner! hält.
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Du hast das göldne Fließ, so Jason nie erblicket,
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Die ruhe des gemüths durch ihren trieb erreicht;
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So fern es in der welt den sterblichen gelücket,
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Allwo der wetter-sturm auch offt im hafen streicht.
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Drum hat Saline dir der weisheit erantz geschencket:
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Drum hast du auch bisher nicht ohne krafft gelehrt.
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Jhr, die ihr euren sinn auf faule lüste lencket,
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Seht, ob ihr auch dereinst dergleichen lob-spruch hört.
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Die, welche du bisher vernünfftig unterrichtet:
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Die, welchen nichts so lieb, als deine freundschafft ist,
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Sind zeugen, daß ich dir nichts fremdes angedichtet:
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Sind zeugen, daß man hier die klare wahrheit liest.
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So steigt, Gelehrter Mann! der bau von deinem glücke,
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Besonders, da du dich der Themis anvertraut.
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Wie mancher steiget zwar, fällt aber bald zurücke,
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Dieweil er nicht genung auf seine wege schaut.
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Du aber, den der stern der klugheit stets begleitet,
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Kömmst auf der engen bahn der ehren glücklich fort.
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Drum hat die Themis dir itzt einen crantz bereitet:
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Deßwegen zog sie dich an einen höhern ort.
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Dein Sachsen-spiegel wird nebst andern schrifften zeigen,
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Daß du den Doctor-hut mit gutem rechte trägst.
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Ich will von deinem witz im advociren schweigen,
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Worauf du dich bisher mit großem fleiße legst.
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Zwar ehr’ allein gewährt noch kein vollkommen glücke;
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Drum giebt der ehstand dir nun auch sein schönstes gut.
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Die keusche Stisserin zeigt dir durch süße blicke
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Die auserwehlte lust, in der die liebe ruht.
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Drum bist du höchst vergnügt, ich hab es gleich gespüret,
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So bald als Qvedlinburg dich Jena wiedergab;
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Nachdem du mir erzehlt, wie dich ihr blick gerühret:
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Dein abriß bildete nichts als vergnügen ab.
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Wird nun das reichthum sich zur ehr und lust gesellen,
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So seh’ ich weiter nichts, so deinem glücke fehlt.
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Diß aber wird sich auch schon wissen einzustellen,
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Nachdem dein kluger witz so einen schatz erwehlt.
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Doch würde dir auch schon kein reichthum zugeschicket;
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Es ist dein weiser sinn bey wenigen vergnügt.
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Lebt nur dein schönes Kind, so bist du doch beglücket,
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Weil die vergnügung dann in deinen armen liegt.
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Der ehstand war ein jahr mein himmel auf der erden,
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So fiel mein liebster schatz auf eine todten-bahr.
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Läst GOtt, Beglückter Freund! mein wünschen kräfftig werden?
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So daurt dein himmelreich auf erden funffzig jahr.