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Mein Bruder! dessen freud auch mein vergnügen ist;
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Du hast dir so ein kind zur Liebsten auserkiest,
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Aus deren küssen ich dir nichts als viel gelücke
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Nach wunsch versprechen kan. Heyrathen ist die brücke,
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Auf welcher man zum tod’ und auch zum leben geht.
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Wer eine dirne freyt, die weiter nichts versteht,
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Als was den putz betrifft, die keine suppe kochen,
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Kein ey recht sieden kan; da ist in wenig wochen
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Die liebe matt und todt. Ist sie ein zänckisch thier,
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Das nichts vertragen kan, und das den krug voll bier,
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Wenn ihr der mann was sagt, ihm ins gesichte giesset:
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Ist sie ein fauler balg, den ieder schritt verdriesset:
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Hat ihre wohllust nicht an einer kost genug:
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Ist sie aufs gute dumm, und nur aufs böse klug;
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So wird der ehestand zu einer rechten hölle.
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Dir aber wird er nun zu einer lebens-qvelle.
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Die nett’ Elisabeth, so dich von hertzen liebt,
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Und der dein hertze sich mit lauter lust ergiebt,
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Ist von der besten art. Man hat sie klug erzogen:
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Die tugend hat sie selbst mit ihrer milch gesogen:
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Man sieht die häußligkeit in allen ihrem thun:
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Und die bescheidenheit und demuth, welche nun
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So seltsam werden will, läst dich viel gutes hoffen:
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Dir steht bey ihr das schloß der reinen keuschheit offen;
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Doch aber dir allein. Die muntre wachsamkeit:
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Die anmuth, welche dich so ungemein erfreut:
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Und andre tugenden, so deine Liebste zieren,
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Sind blumen, welche dir im winter nicht erfrieren.
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Sind blumen, deren krafft dir lauter leben giebt.
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Der ist dann recht beglückt, der so gelücklich liebt.
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Wiewol wer die vernunfft nächst GOtt zu rathe ziehet,
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Und erst was löbliches zu lernen sich bemühet,
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Eh er ans weib gedenckt, dem ist der himmel gut,
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Dem folgt der segen nach in allem, was er thut.
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Der muß gelücklich freyn, den muß ein kind bedienen,
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Dem solche tugenden und gaben, wie Reginen,
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Die dich itzund umfaßt und küsset, eigen sind.
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Wer aber ohne GOtt sein gantzes thun beginnt,
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Und von der kindheit an der lust den zügel schiessen,
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Den schmalen tugend-steg zu wandeln sich verdriessen,
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Und stets den eitlen wahn der laster führen läst,
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Der wundre sich ja nicht, wenn ihm sein hochzeit-fest
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Die thüre zum verdruß und nicht zur freude zeiget.
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Was meine poesie zu deinem ruhm verschweiget,
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Mein Bruder! dieses sagt die wohlgetroffne wahl,
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Die dich itzt durch die hand des priesters in den saal
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Der wahren freude führt, die kein verdruß vergällen,
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Kein unfall stören wird. Denn ob auch schon die wellen
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Das schiff der besten eh mit ihrer flut erfüll’n,
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So wird die liebe doch bald alles schrecken still’n,
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Der dräuenden gefahr aus aller krafft begegnen.
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Gott aber eure müh und heisse wünsche segnen,
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Dieweil sie allesammt aus einem hertzen gehn.
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Kurtz, bey der eintracht muß der segen feste stehn.
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Beglückter Bräutigam! wer seine müh, sein reisen,
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Wie du, belohnet sieht, sich mit vergnügung speisen,
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Und alles hoffen kan, was nur vernünfftig ist,
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Der hat auf dieser see den rechten port erkiest,
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Und alles, was ihm nur die freunde wünschen können.
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Willst du mir aber doch noch einen wunsch vergönnen;
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So wünsch ich: weil der stand, der euch nunmehr vergnügt,
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So lange daurt, als ihr beysammen lebt und liegt,
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Daß Bräutigam und Braut so lange leben müssen,
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Bis sie ihr ebenbild in kindes-kindern küssen!