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Die nacht besiegte kaum den starcken sonnenschein,
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Die sterne waren nur am himmel aufgestiegen;
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Da wolte mich der schlaf schon mit gedancken wiegen,
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Und prägte durch den traum mir diese fabel ein:
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Ich sah den großen saal der götter offen stehn;
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Hier blitzte Jupiter mit scharffen donner-keilen;
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Dort letzte Mavors sich an schweren krieges-pfeilen,
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Und ließ den trommel-klang durch alle wolcken gehn.
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Nicht weit von diesem ab saß Venus und Vulcan,
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Und konten ohne scheu sich mit einander küssen;
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Doch gleich als Pallas kam den engen kreiß zu schliessen,
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Kam Eris auch zugleich mit ihrem apffel an.
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Sie warff ihn unverhofft in himmels-circkel ein,
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Und rieff vor großer lust und freuden-vollen lachen:
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Wer, götter! kan von euch im winter sommer machen,
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Deß soll dis theure gold und dieser apffel seyn.
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Mir, mir! schrie Jupiter, mir steht der apffel zu!
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Was kan wol hitziger als meine keile blitzen?
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Muß nicht der winter selbst vor meinem donner schwitzen?
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Stört nicht mein wetter-sturm auch Zemblens kalte ruh?
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Welch hagel oder eiß dämpfft Aetnens heiße gluth?
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Wenn darff Encelades die flammen nicht bewegen?
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Wenn muß der heckel-berg die flammen niederlegen?
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Wenn weicht Vesuvius der stärcksten regenfluth?
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Was? sprach der kühne Mars; dis ist nur schatten-spiel,
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Bringt schwere bomben her und schwärmende carcassen,
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Laßt mörsel und carthaun erzörntes feuer fassen,
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Sengt, brennet, schiest und trefft in das gesetzte ziel;
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Denn geht und schaut die frucht von meinem eifer an,
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Und sagt, wenn jung und alt in warmen blute schwitzen:
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Ob nicht mein pulver mehr als alle donner blitzen,
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Und selbst den strengen Nord in hitze setzen kan?
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Die Pallas schützte sich mit gleicher tapfferkeit
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Und sprach: Ein kluger geist, der keiner last gewichen,
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Und den die tugend selbst mit anmuth angestrichen,
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Ist auch bey winters-zeit von flammen nicht befreyt.
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Er spielt als diamant mit strahlen in der welt,
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Vermischet wind und sturm mit holden frühlings-blicken,
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Und weiß das glücke selbst mit künsten zu berücken:
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Drum sag ich, daß der sieg auf meine seite fällt.
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Ich weiß nicht, was auch schon der hinckende Vulcan
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Bey diesem götter-streit gedachte beyzusetzen,
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Dis sah ich, daß er kaum die zunge konte wetzen,
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Da griff ihn Venus schon mit diesen worten an:
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Halt inne, lahmer gott! und ihr auch insgesamt,
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Eur reden ist umsonst, eur zancken nur vergebens;
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Wie offt hat meine brunst die fackel eures lebens
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Mit hertz-verliebter glut, ihr götter! angeflammt?
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Sagt, ob nicht Jupiter zu meinen füßen sanck,
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Als er bald gold, bald schwan, bald wieder guckguck worden?
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Wo bliebst du, frecher Mars! mit deinen krieges-horden,
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Als mein erhitztes feur durch deine lenden drang?
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Du, Pallas! fluchst allein noch meiner liebes-macht,
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Du meynst der weisheit safft der erden einzugiessen;
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Muß aber nicht dein volck wie schwaches wachs zerflieffen,
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Wenn mein beseelter blitz um seine glieder kracht?
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Ich mag nicht länger euch mit zanck beschwerlich seyn:
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Ich will den augenblick, ihr götter! kundbar machen,
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Daß meine flammen auch auf kalten eiße lachen:
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Komm, kleiner Cypripor! führ die gefangnen ein!
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Hier schlug sich von sich selbst ein göldner riegel loß,
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Die pforten schimmerten von jaspis und rubinen,
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Ich sah nichts als smaragd um alle schlösser grünen
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Und wie der gantze saal mit frischem nectar floß.
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Da trat das kleine kind mit seinen sclaven ein:
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Er führte sie bestrickt mit carmesiner seiden,
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Sich selbsten hatte er in purpur lassen kleiden,
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Um auch der tugend nicht mehr unbeliebt zu seyn.
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Seht, sprach er, wie das feur der adern kälte schwächt:
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Dein donner, Jupiter! muß endlich doch verstreichen:
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Dein eifer, starcker Mars! muß mit der arch erbleichen;
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Drum gebt, ihr götter! mir und meiner mutter recht.
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Denn diese flamme muß in ewigkeit bestehn.
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Eh soll der himmel sich in fels und stein verkehren,
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Eh soll das tiegerthier ein schwaches lamm gebähren,
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Als meine liebes-glut von winden untergehn.
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Der gantze himmel fiel der großen Venus bey,
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Sie fiengen sämtlich an mit eintracht zu bekennen:
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Daß ihre funcken mehr als alle blitzen brennen,
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Und daß ihr sonnenschein stets unverlöschlich sey.
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Ich aber ward durch sie, Geehrte! fast erschreckt,
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Denn als dem Bräutigam die masque loßgerissen,
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Und ich begierig war den namen auch zu wissen,
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Da ward herr R ‒ ‒ ‒ er und seine braut entdeckt.
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Wie! dacht ich bey mir selbst; wie kan es möglich seyn?
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Wer hat euch, Liebste! doch die ketten umgeschlossen?
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Welch stern hat eurer brust die regung eingegossen?
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Und welcher himmel flößt euch diesen nectar ein?
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Der tummel aber schloß den sinnen ihren lauff:
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Denn Jupiter ließ kaum die freuden-donner wettern,
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Mars seine bomben kaum die dicke lufft zerschmettern,
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Da brach mir schon der tag die müden augen auf.
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Und da erkannt’ ich erst die blinde phantasey;
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Was aber phantasey? die nacht war kaum vergangen,
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Die wolcken hatten kaum beperlten schein gefangen;
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Da fiel ihr werther brief schon meinem traume bey.
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Mein schertz ward endlich ernst; doch diese kurtze zeit
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Ließ weiter auch nichts mehr, als die gedancken schreiben:
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Der himmel laß euch stets in vollen flammen bleiben!
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So bricht kein winter-sturm euch eure liebligkeit.