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So offt als uns die lust zu fremden schrifften treibt,
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In denen man von thun der-alten weisen schreibt,
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So dencken wir, weil sie auf lieb und weiber schmehlen:
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Es muß den weisen hier wol an verstande fehlen.
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Wir stutzen, wann ihr spruch die liebe so veracht.
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Und das galante volck den teuffeln ähnlich macht,
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Wann sie den liebes-trieb ein tolles wesen nennen,
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Wann sie die weiber gar vor menschen nicht erkennen,
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Von denen sie doch selbst zur welt geboren seyn;
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Sie bilden beyde sich als ungeheuer ein,
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Und meynen: liebe kan nicht bey der weisheit stehen;
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Die weiber nimmer sich mit musen wohlbegehen,
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Und dennoch bauen sie der liebe gar ein hauß,
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Und schmücken Musen so, als wie die weiber aus.
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Warum? Jhr sanffter sinn, ihr angenehmes wesen,
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Steht Musen besser an, als wann sie sich erlesen,
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Der männer allzufrech- und kriegerischen muth;
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Ein sanfftes wesen ist allein zur weisheit gut.
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Gewiß, wofern wir uns hier sollen recht erklären:
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Wann keine liebe mehr und keine weiber wären,
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Wo würde welt und mensch in wenig jahren seyn?
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Die liebe flößt uns ja das leben selber ein;
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Sie ist der geist der welt; sie hält durch ihre flammen
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Den wunder-vollen bau noch immerdar zusammen;
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Der ist ein halber mensch, der ohne liebe lebt;
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Die liebe tröstet uns, wann erd und himmel bebt;
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Die liebe hindert uns nicht an der weisheit schätzen,
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Wer an den künsten sich nur suchet zu ergetzen,
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Den reitzt ihr feuer mehr zu fleiß und eifer an,
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Und leitet seinen fuß auf einer freuden-bahn.
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Diß kan die liebe thun; nicht weniger verdienen
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Die weiber hohes lob, indem allein mit ihnen
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Zugleich die liebe lebt, und auch zugleich erstirbt;
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Sie sind das schöne volck, das alle gunst erwirbt;
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Jhr angenehmer blick kan unsre brust erquicken,
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Wenn uns der kummer fast die geister will ersticken;
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Sie sind das edelste, womit die erde prangt,
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Und der ist recht beglückt, der ihre gunst erlangt.
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Wir wollen itzund nicht ihr gantzes lob bezeugen,
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Doch dieses können wir von ihnen nicht verschweigen:
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Wenn sie das alterthum aus unsern armen reißt,
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Und einen weisen mann vor ihnen fliehen heist;
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Weil sie den musen feind und unsern fleiß vermindern,
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Ja gar durch ihren tand uns im studiren hindern;
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So hat ihr eitler wahn nur dieses ausgedacht,
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Indem ein weib vielmehr uns alles leichter macht;
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Sie nimmt die müh auf sich vor unser hauß zu sorgen,
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Nur daß wir ungestört vom abend bis an morgen,
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Und wieder bis zur nacht bey büchern können stehn;
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Und nicht selbst in die küch und keller dürffen gehn;
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Kommt sie bisweilen schon in unsre bücher-schrancken,
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So störet sie uns doch nicht leicht in den gedancken,
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Ja ihre liebe steigt wol gar die leiter nauf,
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Und schläget selber uns die besten bücher auf;
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Wenn wir denn müde seyn, so kan ihr hände-drücken,
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Jhr kuß, ihr freundlich thun uns ungemein erquicken.
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So muß es allezeit in diesem hause gehn,
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Wo ein verständig weib und treue liebe stehn.
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Drum, weisen! haltet nur mit eurem spott zurücke;
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Glaubt ihr den worten nicht, so sind noch andre stücke,
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Damit man euren sinn gewiß besiegen kan;
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Seht! unsre meynung nimmt der kluge Schröer an,
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Der will euch ingesamt durch sein exempel lehren,
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Wie man die liebe soll und eine frau verehren;
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Er geht euch an verstand und hoher weisheit für,
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Darum so glaubet ihm, nicht uns: ihm, sagen wir;
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Er wird es allbereit aus der erfahrung wissen,
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Indem sein eh-gemahl, daß ihm der tod entrissen,
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Jhr gantzes leben hat zu seiner lust geweiht,
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Und ihn bey trüber lufft durch ihre treu erfreut.
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Jtzt hat er wiederum ihm eine braut erkohren,
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Mit der die liebligkeit und schönheit ist geboren;
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Es scheint, der himmel selbst hat sie darzu erwehlt,
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Indem ein eh-gemahl dem großen Schröer fehlt,
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Damit er den verlust durch diese kan ersetzen,
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Die auch ein weiber-feind muß gantz vollkommen schätzen.
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Diß heisset, theurer mann! in stetem glücke stehn:
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Nächst ließ der himmel dich bis auf den thron erhöhn,
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Jtzt will er einen schatz dir in die hände reichen,
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Vor der auch Helena muß ihre segel streichen;
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Jhr angenehmer blick wird deinen geist erfreun,
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Und alle speisen dir mit zucker überstreun;
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Sie wird die sorgen-last zugleiche helffen tragen,
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Und wann dir ihre hand die bücher aufgeschlagen,
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So wirst du deine lust auf allen blättern schaun,
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Und deine weisheit noch viel besser auferbaun.
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Nun deine Schlesier sind ungemein vergnüget,
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Weil das gelücke dich mit lauter rosen wieget;
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Sie sehen diesen tag mit solchen augen an,
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Daraus man ihre pflicht genugsam spüren kan;
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Ja ihre treue dir noch besser zu bezeigen,
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Soll dieser seuffzer itzt bis in den himmel steigen:
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Der theure Schröer blüh; es lebe seine braut!
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Vergnügung sey mit ihr ihm ewig anvertraut!
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So wird sich Schlesien an seiner lieb ergetzen,
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Und noch ein ehrenmahl dem frauenzimmer setzen.