Der doppelte frühling, Bey der doppelt-glücklichen Albert-Sittichischen und Albert- Güntherischen hochzeit, Entworffen von einem Schlesier

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Der doppelte frühling, Bey der doppelt-glücklichen Albert-Sittichischen und Albert- Güntherischen hochzeit, Entworffen von einem Schlesier (1710)

1
Die erd ist doch des himmels seine braut;
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Die schmückt er itzt mit blumen statt der seide;
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Was Ost und West sonst theures in sich schaut,
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Das steht beschämt vor diesem wunder-kleide.
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Pösnien entfärben den rubin,
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Der perlen schnee weicht gerne den nareissen,
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Der hiacint sticht jeden türckis hin,
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Der ametist hat feilgen nachgehn müssen.
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Das schlechte graß ist mit smaragd beleget,
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Kein purpur führt des amaranthen licht,
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Was künstliches Cathaja stickt und träget,
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Erreicht die kunst der tulipanen nicht.
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Zum zeugnisse, wie er sich müsse sehnen,
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Wenn seine braut in diesem schmucke lacht;
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So ist gewiß, daß er die liebes-thränen,
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Den feuchten thau zu diamanten macht.
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O schöne zeit! die lauter balsam haucht,
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Die ambra streut durch die gelinde lüffte,
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In der jesmin von allen blättern raucht,
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Und bisam dringt durch rauhe felsen klüffte,
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Wo nectar aus gemeinen steinen schwitzt,
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Und iedes feld trägt tausend panaceen,
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Wo Chloris selbst vergnügt in blumen sitzt;
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Gleichwie ihr fuß nur will auf rosen gehen.
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Daß deine gunst nicht will beständig währen,
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Daß nicht das jahr soll zweymal frühling seyn,
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Ja, daß die welt nicht früchte kan gebähren,
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Die blumen statt der schaalen schliessen ein;
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Nein, nein, es ist diß, was der himmel liebet,
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Was iedes jahr ihm wie aufs neu antraut,
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Da er indeß bekante küße giebet,
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Nur eine welt, ein frühling, eine braut.
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Heut aber weist ein ungemeines band,
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Das zweiffels ohn im himmel ist gebunden,
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Doch auf der welt auch als des glückes pfand,
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Den letzten zug und beyfall hat gefunden.
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Heut weist ein schluß, der ewig feste hält,
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Dasjenige, was selbst der lauff der zeiten,
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Nicht in den umgang seines wechsels stellt,
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Jm frühlinge zwey frühling an zwey bräuten.
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Die jugend ist der frühling unser jahre;
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So wie der lentz des jahres jugend heißt;
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Der jugend feld trägt angenehme waare,
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Denn die man vor des frühlings kinder preist,
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Das blum-werck, so die frische jugend treibet,
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Wird schöner, als des frühlings glantz und lust:
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Wer dieses nicht wie einen rechts-spruch gläubet,
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Der küsse nur der liebsten mund und brust.
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Weil anmuth nun zu frühlings töchtern macht
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Ein schönes paar der angenehmsten schwestern,
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Aus denen recht die muntre jugend lacht,
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An denen selbst die scheelsucht nichts kan lästern.
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Weil lilg und ros’ erhöhen ihre haut,
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Der hyacint will auf schnee-ballen prangen,
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So wird vielleicht gantz sonnen-klar geschaut,
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Der frühling sey hier doppelt angegangen.
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Doch wird ihr glantz noch höher angestrichen
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Von blumen, die die reine seele nährt;
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Wie blumen bey einander stärcker riechen,
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So machen sie die tugenden auch werth.
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Diß ist der schmuck, dem käyser-cronen weichen,
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Vor diesem legt das blut der rosen ein.
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Ja wenn die lust des frühlings wird erbleichen,
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Wird dieser lentz der tugend ewig seyn.
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Vorzeiten hieß der lentz das heilge jahr,
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Dieweil alsdenn das volck gelübde machte,
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Und vor die hülff aus unglück und gefahr,
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Offt alle frucht zum götzen-opffer brachte:
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Sie beyde sind bereits GOtt anvertraut,
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Als die sich stets der gottes-furcht befleissen,
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Jedwede nimmt ein geistlicher zur braut,
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Solt iede nicht ein heilger frühling heissen?
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Glückseeligs hauß! das ungemeine gaben,
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Der welt befohln, den sternen zugezehlt,
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Muß deine lust nicht zweyfach seyn erhaben;
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Weil du zugleich zwey kinder siehst vermählt.
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Und hat dein haupt durch hochgelehrte leute
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Bißher gestützt so lehr-stuhl als altar;
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So giebt es nun als vater auch zwey bräute
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Denjenigen, wo es vor lehrer war.
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Geht, Schönes paar! zum andern paare hin;
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Und paaret euch zusammen in die wette;
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Der sternen heer, das kurtz noch munter schien,
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Geht selber auch zu paaren schon zu bette.
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Wünscht denen, die noch itzt in freyheit stehn,
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Und wenig von dergleichen paaren wissen;
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Die nur mit euch biß an die kammer gehn,
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Daß sie euch bald zu paaren folgen müssen.
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Der frühling selbst, indem ihr hochzeit gebet,
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Verspricht euch nichts, als das vergnügung macht:
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Wie ihr itzund in lauter freuden lebet,
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So soll euch seyn eur leben zugebracht.
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Euch wird der zeit ihr wechsel nicht beschweren,
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Nur dieses muß zu mehrer lust geschehn,
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Eh noch der lentz wird einmal wiederkehren,
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Wird euch der herbst schon zweyfach fruchtbar sehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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