Auf Chlorindens unruhige Nächte

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Auf Chlorindens unruhige Nächte (1710)

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Es ist und bleibt der schlaf ein zucker dieser welt,
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An dem jedwedre brust sich muß und will vergnügen,
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Kein mensch lebt, welchem nicht derselbe wohlgefällt,
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Und der bey nachte sich läst dessen macht besiegen.
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Jedoch Chlorindens augen klagen,
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Daß sie sich müssen stets mit unruh plagen,
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Die unruh mattete sie gäntzlich ab,
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Und wo die zeit nicht diesen unfall schlüsse,
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So trügen sie die abgematten füsse
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Noch vor der zeit in das bestimmte grab.
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Doch laß, Chlorinde! mich bey so gestalten sachen
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Die prophezeyungen von andern fällen machen,
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Die unruh plaget dich, weil du viel hertzen plagst,
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Und ihren geist durch viel gedancken nagst.
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Du führest die in banden
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Und läst ihr hoffnungs-schiff fast niemals landen,
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Drum bringt dir itzund dein geschicke
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Davor cin häuffgen ungelücke:
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Ach daß du doch nicht eher köntest ruhn,
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Biß du mir wolst, was ich verlange, thun
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Und mich zur zahl, die so du liebest, zehlen,
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Was gilts? es würden dich die nächte nicht mehr quälen.
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Berathe dich, was hier zu schlüssen,
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Denn eines wirst du doch ergreiffen müssen,
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Erwehle dir davor entweder mehr die nacht,
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Die dich mit ihrer noth fast gar zu leiche macht;
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Wo nicht? so laß mich deine liebe spüren,
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Denn wird sich alles diß verliehren,
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Was vor den haß verdient,
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Ich bin der baum, auf dem dein wohlseyn grünt.
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Alsdenn wirst du vergnäget ruhn,
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Die träume werden dich erfreuen,
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Die träume, die uns sanffte thun,
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Wenn sie was artiges in unsre seele streuen.
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Die nacht bricht an,
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Das bette wartet schon auf die Chlorinde,
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Doch ehe du betritst des schlafes bahn,
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So mache vor, daß da dein geist auch ruhe finde.
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Sonst wird dir diese nacht noch zehnmal ärger seyn,
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Dieweil mein hertze will zum schlaf um rache schreyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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