Xx. Die Helden

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Friedrich von Hagedorn: Xx. Die Helden (1744)

1
Der Aerzte Haupt, die sich zu Pferde zeigen,
2
Ein Chiron sprach zum durstigen Achill:
3
Der Thetis sey das Wasser-Trinken eigen;
4
Jhr Sohn trinkt Wein, wenn er mir folgen will.

5
Jhm folgt’ Achill und leerte ganze Schläuche
6
Auf Brüderschaft mit andern Helden aus.
7
Geweihter Wein floß auf Patroclus Leiche,
8
Noch bessrer Wein floß beym Begräbniß-Schmauß.

9
War Calchas nicht ein hocherfahrner Zecher
10
Und, halb berauscht, ein Held im Prophezeyn?
11
Er trank, er rieth, er weissagt’ aus dem Becher
12
Und fand, wie wir, die Wahrheit in dem Wein.

13
Was that Ulyß, der durch ein Abentheuer,
14
Alcinous! zu deinem Jahr-Schmauß kam?
15
Der weise Mann erwärmte sich am Feuer,
16
Bis man auch ihn an deine Tafel nahm.

17
Als Telemach, den Vater aufzusuchen,
18
Zum Nestor kam, und diesen räuchern sah,
19
Sprach Pylos Fürst: Trinkt zu den Opfer-Kuchen
20
Den Priester-Wein, aufs Wohl von Jthaka!

21
Kaum hatt’ er sich nach Sparta hinbegeben,
22
So redte dort ihn Menelaus an:
23
Willkommen, Prinz! versucht von unsern Reben:
24
Herrscht väterlich und trinkt als ein Tyrann.

25
Minerva rieth mit warnenden Geberden
26
Dem Telemach die wilde Trinksucht ab,
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Und trank doch selbst, um nicht erkannt zu werden,
28
Die Stutzer aus, die ihr Atrides gab.

29
Cambyses dankt und opfert dir, o Sonne!
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Nicht, weil dein Lauf durch Stier und Wage streift;
31
Er nannte dich die Stifterinn der Wonne,
32
Nur weil durch dich die edle Traube reift.

33
In Spanien blieb, bey der Liebe Winken,
34
Ein Scipio dem süssen Wein getreu,
35
Und gab gar bald, ihn ungestört zu trinken,
36
Das schönste Kind der Kriegs-Gefangnen frey.

37
Roms Phocion, das Muster alter Strenge,
38
Auch Cato hat zu seinem Trunk gelacht.
39
Er heiligte, bey der Geschäffte Menge,
40
Den Tag dem Staat und seinem Wein die Nacht.

41
Fürst Herrmann trank, wie deutsche Helden pflegen,
42
Wann Land und Hof und auch Thußnelde schlief,
43
Dem Morgen-Stern aus seinem Helm entgegen,
44
Eh ihn der Tag in Feld und Lager rief.

45
Die Ritterschaft des Artus zu verbinden,
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Ersann er selbst Getränke voller Kraft;
47
Die Königinn, um gleichfalls zu erfinden,
48
Erfand, beym Spiel, des Königs Hahnreyschaft.

49
Was that der Held, der einst mit Haut und Knochen
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Sechs Pilger fraß, der Fürst Gargantua?
51
Er war kaum halb der Mutter Ohr entkrochen,
52
So rief er schon: Ist nichts zu trinken da?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich von Hagedorn
(17081754)

* 23.04.1708 in Hamburg, † 28.10.1754 in Hamburg

männlich

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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