XvII. Unverdiente Eifersucht. Diese Ode ist, im Jahre 1729, durch eine wirkliche Begebenheit veran- lasset worden

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Friedrich von Hagedorn: XvII. Unverdiente Eifersucht. Diese Ode ist, im Jahre 1729, durch eine wirkliche Begebenheit veran- lasset worden (1744)

1
Neulich sah man aus den Sträuchen
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Den verschwiegenen Elpin
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Heimlich von der Weide schleichen,
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Heimlich in die Waldung fliehn.
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Die Begierde, dort zu sehn,
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Warum dieser Gang geschehn,
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Trieb Myrtillen nachzugehn.

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Ach! Elpin ist zu beneiden:
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Fiel dem schlauen Schäfer ein;
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Ja! ihr folgt ihm, süsse Freuden!
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In den lustgewohnten Hayn,
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Wo in jener Schatten Nacht
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Jhm vielleicht die Hirtinn lacht,
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Die mein Herze sehnend macht.

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Mitten unter hohen Fichten
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Traf Myrtill den Flüchtling an,
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Der bereits in stillem Dichten
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Voller Liebe saß und sann,
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Bis sein fertiger Gesang
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Muthig durch die Lüfte drang
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Und den Hall zum Nachruf zwang.

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Muster, sang er, wahrer Güte!
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Herz, das Treu und Huld belebt!
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Gönne mir, daß mein Gemüthe
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Einsam deinen Wehrt erhebt.
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Sag ich Neidern und der Welt
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Minder als dein Lob erhält;
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So vernehm es Wald und Feld.

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Mit wie zärtlichem Umfangen
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Hat dein Arm mich oft ergetzt!
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Und wie oft hat deine Wangen
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Mein vergnügter Mund genetzt!
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Selten hab ich was begehrt,
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Das, so bald ich mich erklärt,
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Du mir nicht mit Lust gewährt.

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O mit welchen treuen Küssen
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Drücktest du mich an dein Herz!
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Auch in eignen Kümmernissen
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Scherztest du bey meinem Scherz.
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Nur dein Lächeln und dein Kuß,
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Die ich stets verehren muß,
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Stillten allen Ueberdruß.

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Deine kluge Huld erblicken,
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Deiner Liebe Regung sehn,
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Das allein darf mich entzücken,
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Das allein bleibt wunderschön:
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Schön in deiner Seltenheit,
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Schön in meiner Dankbarkeit,
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Schön auf unsre Lebens-Zeit.

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Wahrheit, Zeuginn meiner Triebe!
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Leiste selber die Gewähr.
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Sage: Für so grosse Liebe
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Fällt die Gegen-Pflicht nicht schwer.
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Sag ihr stündlich, daß ihr Bild,
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Das mein ganzes Herz erfüllt,
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Mehr bey mir, als alles, gilt.

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Eil ich, wann es Tag will werden,
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In die herdenvolle Flur;
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O so zeigen mir die Herden
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Gleiche Wirkung der Natur:
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Was auch ich von ihr erhielt,
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Was die Zucht der Lämmer fühlt,
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Wann sie mit den Schafen spielt.

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Nein! ich will mich nicht entfernen,
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Weil mein Abschied sie betrübt;
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Nein! ich will von ihr erlernen,
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Wie man unaussprechlich liebt.
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Ja ich will dir, kühler Hayn!
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Hiermit ihren Namen weihn,
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Dieser Fichte Schmuck zu seyn.

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Name! wachse mit den Rinden!
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Wachse, Denkmal meiner Hand!
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Werd auch in entlegnen Gründen
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Jeder Hirten-Schar bekannt!
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Name! den ein Vorzug ziert,
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Den von allen, die er rührt,
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Keiner mehr, als ich, verspürt.

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Endlich eilt Elpin zurücke,
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Da den lauschenden Myrtill
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Dessen neu-besungnes Glücke
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Oft zur Mißgunst reitzen will.
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Scheelsucht, Ungeduld und Wahn
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Heißt ihn, sich der Gegend nahn,
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Wo Elpin den Schnitt gethan.

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Sein Verdacht aus tausend Sachen
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Zielte schon auf langen Gram;
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Doch er selber muste lachen,
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Als er zu der Fichte kam:
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Denn, so bald er sie besah
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Stand der Name
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Seines Freundes Mutter, da.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich von Hagedorn
(17081754)

* 23.04.1708 in Hamburg, † 28.10.1754 in Hamburg

männlich

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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