Des Deutschen Krieges Zwölffter und letzter Theil

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Georg Greflinger: Des Deutschen Krieges Zwölffter und letzter Theil (1657)

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Nach Linnert Torsten Sohn/ bey welchem nie kein
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Mangel
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An Sieg und Ehren war/ kam Carl Gustavus
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Wrangel.
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Was sein verrichten war/ sol sonder falschen Schein/
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und sol also der Schluß des Kriegs berichtet seyn.
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So bald wir seine Macht bey Gotha richtig sahen/
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Erhob er sich geschwind der Weser sich zu nahen.
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Man gieng das Eißfeld durch/ auf Deng- und Heilgen Stadt/
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Worauf das gantze Heer sehr dicht für Höxter trat/
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Das mit sechshundert Mann und sechsmal tausend Mal-
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Von Mehl versehen war/ das alles neuen Waltern
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Durch Macht zu Handen fiel/ weil man die Stadt bekahm
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und alles/ was sie hatt/ als ein besiegtes nahm.
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Das Volck wurd eingesteckt/ das Mehl hinweg geschaffet/
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Auch aller Vestung-Bau und Mauern so bestraffet/
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Daß sie nun Hauffen sind. Was von der Schweden Macht
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Vor diesem Orte fiel/ wird gar gering geacht.
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Verwundte waren wol/ bey welchen man Helm Wrangel
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(der/ wie der Dehnen Fried in allem ohne Mangel
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und
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und mit vertrauter Macht zu der vor Höchster gab)
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Nicht schlecht von Schaden sah. Nach allen diefen Dingen
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Vor Höchster/ musten auch Neuhauß und Lipspring springen/
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Die Duclas auf Genad und
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Worauf die gantze Macht vor Paderborn ankahm/
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Das gegen Oßnabrück und gegen Münster liget.
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Es wurd auch bald darauf bekrieget und besieget.
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Wie hoch sah Oßnabrück/ wie hoch sah Münster auff/
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Als dieser Schweden Mars in einem vollen Lauff
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An jhre Grentzen kam/ als wolt’ er mit den Degen
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Erwegen/ was man nicht mit Worten kunt’ erwegen.
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Das war die Deutsche Ruh/ ob welcher man alhier
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Ein langes sprächen hatt’/ und halff da nichts dafür/
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Wie lang wie seufftzeten und um den Frieden baten.
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Nach langem wurd’ uns doch (GOtt Lob und Danck) ge-
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Als man mit Paderborn in allem richtig war/
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Gieng man auf Bergen zu/ das solcher großen Schaar
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Nicht groß zuwider fiel. Es wurde so gesiebet/
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Daß es noch heute da nicht viel erübrigt giebet.
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Diß traff viel andre mehr. Hier gieng der Königsmarck
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Mit vielen Völckern ab/ und machte sich sehr starck
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Mit fechten vor die Fecht/ ein wolbefestes Wesen/
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Wust’ aber diesesmal den Knopf nicht auf zu lösen/
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Die Zeit fiel viel zu kurtz. Er samlete sich auff
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und gieng für Lemgau hin/ gewanns/ und nahm den Lauff
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Hierauf zur Haupt-Armee/ die sich nach Wetzlar machte/
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Woselbst des Cassels-Häupt (das ich wie Pallas achte)
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Durch jhren General/ den man den Geusen hieß/
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Jhr Volck zu hauffen nahm/ und zu den Schweden stieß.
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Was Cassel diesen that/ that Darmstadt bey dem Käyser/
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Weil sich zu dieser Zeit die beyden Hessen-Häuser
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Von wegen eines Erbs und andrer Dinge mehr
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Entzweyt/ daß beyde Theil’ ein ziemlich großes Heer/
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Die Sachen abzuthun/ im freyen Felde hatten/
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und meynte jeder Theil den andern abzumatten.
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Es ist/ wie wol bewust/ im Cassel-Hessen-Land
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Ein hoch-erhabnes Schloß Amoenenbug genannt/
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Hat von der Gegend-Lust den Nahmen überkommen/
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Diß Schloß hatt’ hier und da sich raubens angenommen.
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Daher die Schweden-Macht samt Hessen sich erhob/
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umringete den Ort und lag jhm glücklich ob/
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Er wurd’ auch gantz geschleifft/ worauff sich beyde Theile
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Bey Kirchhayn (welche Stadt ein Viertel einer Meile
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Von diesem Schlosse lag) verschantzten/ daß jhr Feind
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(von Käyser-Beyrischen- und Hessen-Volck vereint)
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Wie viel Versuchs er that/ sehr wenig kunte schaffen/
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Ertz-Hertzog Leopold versah des Käysers Waffen/
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Des Beyers Jan de Werth/ des Darmstadts/ Eberstein/
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Die sonsten alle drey beglückt gewesen seyn/
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Hier aber kunten sie kein großes nicht verrichten/
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Weil sie auch über das der Futterung vernichten/
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Auf andre Wege trieb/ das war auf Jlmstadt zu.
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Allhier begaben sie sich etwas in die Ruh/
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um jhrer Feinde thun in Augenschein zu nehmen.
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Bald sah man alles Heer der Schweden sich bequemen
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Gerad auf Giesen hin und Wetzlar zu zu gehn/
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Biß auf der Frantzen Macht jhr’ Ankunfft da zu stehn/
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Die des Touraini Hand den Reyhn herüber führte.
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Das war die iene Macht/ die noch vom Bernhard rührte/
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Sonst Weymarisch benahmt. Sie kam/ und zimlich groß/
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Man jauchtzt’ und brennete die groben Stücke loß/
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und giengen beyde Theil anjetzt in einem Hauffen/
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Als wolten sie nach Höchst/ und ferner das belauffen
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Des Meyn- und Reyhnes sehn/ das ober Mentz geschieht.
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Sie aber giengen hin/ wo man nach Beyern zieht/
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Als zwischen jhres Feinds und zwischen Franckfurts Wäl-
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Worauf sich Steinheim must’ in jhren Willen stellen.
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Wie auch Aschaffenburg/ deßgleichen Seelgenstadt.
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Und weil Aschaffenburg ein höltzne Brücken hat/
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Die übern Mayn hingeht/ gieng aller Schwal der Schwe-
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und Frantzen über hin. Ich muß von zwyen reden/
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Dann Cassel-Hessens Volck gieng wiederum nach Hauß/
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und trieb des Feindes Volck aus seinen Plätzen aus.
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Die andern fuhren fort und giengen weit in Francken/
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Bezwungen (kurtz gedacht) fast über die Gedancken
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Kling-Milt- und Freudenberg/ imgleichen Carolstadt/
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und bäßre Plätze mehr/ die man am Necker hat.
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Hieran war nicht genug/ sie satzten auch in Schwaben/
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und ließen jhren Feind gemachen Nachzug haben/
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Der sich auf Regenspurg und Ingolstadt begab/
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Des Darmstad-Hessens Volck gieng aber wieder ab.
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Eh sich die Käysrischen auf Regenspurg verfügten/
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Die Städt’ Aschaffenburg und Miltberg wieder kriegten/
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Gieng jhre Widerpart zur Stadt Heylbronn hinan/
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Macht’ Hall und Nördlingen jhr schleunig unterthan.
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Jmgleichen Schorendorff/ daß die Frantzosen zwungen.
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Wer hat in Dünckelspiel und Donawerth gedrungen?
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Der schnelle Königsmarck/ also in Wallerstein.
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Hierauf gieng aller Schwarm vor Stein und nahm es ein.
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Nach dem für Augspurg hin/ kunt’ aber nichts erlangen/
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Weil seine Widerpart auf jhn kam zugegangen/
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und das mit großer Macht/ dann er sechstausend Mann
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Aus Böhäimb/ Oesterreich und andern Orten an
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Zu Helffern überkam. Als Augspurg war entsetzet/
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Wurd’ alles Beyer-Land von allen so geschätzet/
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Vorstört und umgekehrt/ daß dessen Häupt um Ruh
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und Waffen-Stillstand sprach. Es kam jhm auch
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Man denck’ ein wenig nach/ vier Heer in einem Lande/
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Zwey Freund-zwey Feindliche/ zu was für einem Stande
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Solch Land gerathen kan. War einer schon gut Freind/
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So war er doch dabey des Landes-Baarschafft Feind.
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Das Gut ist jedem gut/ es blieb fast nichts verschonet/
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Was in dem Mündelheim/ zu Münch- und Füßen wohnet/
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Zu Landsberg/ Ravenspurg und andern Orten mehr/
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Must’ alles an das Joch/ dem Schwed- und Frantzen-Heer
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Nach seiner Lust zu seyn. Was war es für ein hausen/
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Als man am Boden-See die wolbeklippte Clausen
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Mit samt Bregantz gewann? Was Schätze gab es da?
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Wo blieb die Gegen-Macht/ ließ sie den Feind so nah
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An das Tyrolerland? Sie wolte viel dargegen/
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Kunt aber wenig thun/ wie dann der Schweden Degen
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Auch dicht vor Lindau kam/ und es zur
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Zu zwingen eufrig fiel/ ließ aber endlich ab
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Weil es zu mächtig war. Nun wurde Fried in Beyern/
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Weil man des Feindes Macht nicht anders kunte steuern/
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Sprach man um Fried und Ruh. Man gieng es treulich
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ein/
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Wie lang es dauerte sol bald berichtet seyn.
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Als Wrangel für der Macht des Beyers sicher lebte/
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und jhm des Käysers Heer alleine wiederstrebte/
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Wiewol es in dem Feld’ ein weniges betrieb/
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Gieng er von Beyern aus und führte seinen Hieb
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Auf das/ was Käysrisch war/ vorauß auf solche Plätze/
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Von welchen ich nur zween/ als die berühmten setze.
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Der erst hieb Schweinfurt auf/ ist eine schöne Stadt/
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Dergleichen man nicht viel im Lande Francken hat/
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In Francken/ da es ligt. Nach Schweinfurt galt es Eger/
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und halff da nichts dafür/ wie starck des Käysers Läger/
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Das den Melander nun zum Feldherrn hatte/ kam/
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Ja/ daß der Käyser selbst die Stadt in Obacht nahm.
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Hier hatte Wrangel sich mit Wittenberg vermehret/
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Der sich vor kurtzem hatt’ in Schlesien gekehret/
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Dem Montecuculi und andren jhre Macht
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Zu stossen/ wurd’ auch offt und wolbeglückt verbracht.
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War Wrangel hier beglückt/ Touraine dort imgleichen/
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Dem alles Mentz und Höchst und Steinheim muste weichẽ/
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Ja alles Ertzstifft Meyntz. Er fiel auch Darmstadt an
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und that dem Cassel Hilff/ das nun den tapfren Mann
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Mortaigne seiner Macht zum Häupt hatt’ aufgesetzet/
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Er hatte sich nunmehr mit Schweden schon geletzet.
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In dem diß hier verlieff/ kam Post/ und gantz gewiß/
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Wie sich des Spannjers Macht nach Franckreich sehen ließ.
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Daher Touraine sich nach Franckreich solt’ erheben.
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Er thats/ man sah jhn auch sich übern Reyhn begeben.
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Als er ins Elsas kam und weiter fort gedacht’/
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Entsponn sich unter jhm und seiner Deutschen Macht
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Ein Streit/ der mächtig war. Er wolt in Franckreich ge-
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Sie aber sagten: Nein/ wier dencken hier zu stehen
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Biß man uns richtig macht/ was man uns schuldig ist/
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Diß machte beyde Theil’ als offne Feind’ entrüst.
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Touraine nahm was blieb/ und gieng mit solchem Hauffen
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Nach Lothringen hinein/ wo zwischen das Verlauffen
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Der hinterlaßnen Macht jhm so zu Hertzen stieg/
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Daß er zu rücke gieng/ und einen neuen Krieg
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Mit diesen Völckern hielt. Er traff sie bey dem Meyhne/
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Satzt an und schlug auf sie. Sie stellten jhre Beine
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und gaben eben das/ was man auf sie betrieb/
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Daß also beyderseits nicht wenig sitzen blieb.
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Nach diesem setzten sie zwey tausend starck auf Pferden
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Bey Würtzburg durch den Meyhn/ und suchten nach der
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Erden/
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Die Königsmarck betrat/ der jetzund seinen Krieg
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Mit vielen Städten hatt’. Er hatte Krieg und Sieg.
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Die Fechte wurde seyn/ die Fastenau imgleichen/
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Es must’ auch Weydenbrück vor jhm die Segel streichen.
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Jtzt aber hielt’ er sich sehr nah um Paderborn.
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Touraine aber nahm aus Rach Befehl und Zorn
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Den Rosa/ welcher sie vor dieser Anffruhr führte/
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Gefangen/ meynende/ daß es von jhme rührte/
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Da er doch ausser Schuld und/ sicher/ immerdar
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Ein treuer General bey dieser Krohne war.
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Es wurd’ auch mit der Zeit von Franckreich selbst erkennet/
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So daß man jhn nun neu derselben treuen nennet/
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Wie er dann dieser Zeit sie wiederum bedient/
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und in der alten Ehr’ auch noch viel größer grünt.
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Daß wir nun wiederum auf diese Völcker kommen/
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So hat sie Königsmarck gar gern an sich genommen/
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Weil er sie sonst zum Feind gewillt und fertig sah/
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Was sie begehreten/ das war jhm alles ja
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und schrifftlich auffgesetzt. Hierauff war er entschlossen/
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Mit dies- und seiner Macht zur Haupt-Armee zu stoßen/
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Die nun umb Eger war. Diß kunte doch nicht seyn/
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Dann General Lamboy fiel in Ost Frießland ein/
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Die Cassel-hessische darinnen auff zu reiben/
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Daher er/ diesen Feind in seinen Platz zu treiben/
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Sich wieder rückwerts gab/ jedoch must Hammerstein/
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Sein General Major für jhn vor Eger seyn/
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Der auch zwey tausend starck sich schleunig hin verfügte/
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Weil man daselbst sehr scharff vons Käysers Seiten krieg-
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War hier der Hilff von thun. Was nun mit Hammerstein
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Entgieng/ bracht Hessen bald mit andern wieder ein/
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Lamboyens seine Macht genugsam zu bestreiten.
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Stund’ also Rabenhaupt an des Versandten Seiten.
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Ich sage Rabenhaupt/ ein General Major/
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In der von Cassel Pflicht/ von welchem hiebevor
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Noch wenig Meldung war. Laß uns zum Ende kommen.
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Was that dann Königsmarck/ was hatt’ er vorgenommen?
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Bestritt’ er den Lamboy? Er bracht jhn auch so weit
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Daß er nach Meppen wich/ und sich vor einem Streit
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Bey Rehnen in ein Werck von festen Schantzen setzte.
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Daß jhm der Weymar-Hauff viel Volck darnider metzte/
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Wird nicht geleugnet seyn/ er brauchte keinen Glimpf/
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Weil des Lamboy Heer demselben manchen Schimpf
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und Spott entbieten ließ und gar Rebellisch nannte/
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Wofür sein Hertz für Zorn als einem Löuen brandte.
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Nachdem Lamboyens Volck in solche Schwäche fiel/
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Gieng aller Donner-Stück und der Mortirer Spiel
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Auff Rehnen/ welche Stadt Lamboyens Rest verpflegte/
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Es währte/ biß sie sich in Brand und Aschen legte.
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Nach Legung dieser Stadt und des Lamboy Macht/
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Die/ vieler Meynung nach/ sehr weit hatt’ außgedacht/
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Beflammte Königsmarck sein auffgesetztes Läger/
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und gieng mit aller Macht zur Haupt-Armee vor Eger.
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Lamboy solt’ es auch/ er wolt’ es doch nicht thun.
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Es kunt’ auch fast nicht seyn/ weil jhm die Hessen nun/
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Als zimlich siegende/ sehr viel zu schaffen machten/
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und dort und da ein Ort in jhre Hände brachten/
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Diß hielt jhn viel zu rück.
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Brach alle Waffen-Macht des Beyers wieder auff/
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Auffs neue wieder die von Schweden loß zu gehen/
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und also Ferdinands Partheyen bey zu stehen.
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Hilff GOtt wie sah man auf/ als man die Zeitung hatt’/
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Es stündte seine Macht bereits vor einer Stadt/
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Die Schwedisch Volck in hatt/ als Memmingen in Schwa-
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und wolte das heraus und sich darinnen haben.
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Es lieff auch mit der Zeit nach jhrer Meynung aus/
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Jedoch sehr hoch erkaufft/ dann es war mancher Strauß
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Eh es so weit gerieth. Was wurd hiemit verrichtet?
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Nicht mehr als Beyern selbst fast auf den Grund vernichtet/
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Wie balde folgen sol. Als Ferdinands Gewalt
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Mit der von Beyern sich in voriger Gestalt
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und altem Glauben sah/ erhob sie jhre Flügel/
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In Meynung jhren Feind/ den Schweden/ aus dem Bügel
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und Sattel auß zu thun/ der nun mit großer Schaar
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Von Eger fort nach Prag zu gehen rüstig war.
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Es kam zu manchem Streit/ jedoch zu keinen Schlachten/
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Weil beyde Theile wol auf jhre Vortheil wachten.
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Helm Wrangel hieb einmal so tieff ins Käysers Heer/
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Daß er mit wenigen nicht wenig Beuth’ und Ehr
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Erlangte. Ja man sprach: Hätt’ er sich recht versehen
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und Volck zur hand gehabt/ es wäre was geschehen/
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Das kaum zu hoffen war. Nichts minders that de Wört/
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Der solches Ding zu thun außbündig war gelehrt/
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In einer duncklen Nacht vor Eger an den Schweden.
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Ich weiß nicht welchem hier das Siegen nach zu reden.
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Es blieben beyderseits viel hohe tapfre Leuth/
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Als Obristen und mehr/ und wurd’ insonderheit
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Helm Wrangel hoch beklagt/ der nun auf langes Kriegen
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und fieler Feinde Tod’ erschossen must’ erliegen/
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Gemeiner blieben mehr als zweymal tausend Mann/
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Verstehe beyderseits vom Leben abgethan.
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Hierauf gieng alle Macht der Schweden theils zur Elbe/
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Theils zu der Weser hin/ zu ruhen/ weil dieselbe
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Sehr Krafft- und Pferdloß war. Wo blieb die Gegen-
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Die gieng auf Cassel zu/ und nahm es nicht in acht/
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Daß sich der Schweden-Hauff in Nieder-Sachsen stärckte/
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Wiewol man es hernach/ doch allzu spat/ vermärckte.
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Was man in Hessen that/ war dieses fast allein/
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Daß man das Land verdorb. Man nahm auch Marburg
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ein/
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Doch nur die bloße Stadt/ das Schloß schoß hart darwider/
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und warff Melandern selbst in eine Schwachheit nieder.
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Damit so war der Streit mit Marburgs Schloß verbracht.
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Und nun hielt Wrangels Hand bey des Touraine Macht
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um einen Einbruch an/ Jtalien an dem Reyhne
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Das ist die
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Die Deutschland haben mag/ zu stürmen. Er griff an
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und gieng mit/ ungefehr/ sechs sieben tausend Mann
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Vereufert durch das Land/ fuhr über Reyhn in Francken
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und ruhete bey Lor (ein Ort in lautern Rancken)
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Biß sich die Wrangels Macht jhm näher an die Hand
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Verfügte/ welche sich bereits durchs Hessen Land
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Mit Krafft und Eufer zog. Mit Krafft/ sie war mit Pfer-
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und allem wol versehn/ mit eufrigen Geberden/
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Weil Beyern anders that/ als es versprochen hatt’/
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und welches Macht an jetzt um Schweinfurt/ eine Stadt
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Mit Schwedischen besetzt/ ein schrecklich Lager machte/
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Das gleichwol anders nichts als Müh und Kosten brachte.
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Nach dem Melander fah/ was Wrangel willens war/
301
Verstärckt’ er seine Macht mit der Cur-Beyern Schaar/
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und gieng der Donau zu/ dieselbe zu bewachen.
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Dann er/ als ein Soldat von Witz/ aus allen Sachen
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Wol märckte/ daß sein Feind sein Aug auf Beyern wandt/
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Als er vor diesem that. Jhm allen Widerstandt
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Zu thun/ gieng er voran/ und eilte nach der Brücken/
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Die zwischen Regenspurg und Hof aus groben Stücken
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Sehr fest zu schauen ist. Der Wrangel folgte nach/
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Der Königsmarck mit jhm/ auch war Touraine wach/
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Und gieng also ein Heer von 30000, Seelen
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AnfAuf Beyern/ solches Land noch einmal was zu quälen/
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und härter als zuvor. Eh man zur Donau kam
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Lag Wintzheim in dem Weg/ das man bemächtigt nahm/
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und alles unterstieß/ was selbiges beschürmte.
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Worauf die gantze Macht zugleich auf Beyern stürmte/
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Auch von den Feindlichen ein zwantzig hundert Mann
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Bey Augspurg
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Hier blieb Melander selbst/ ein Mann der glücklich siegte/
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So lang er für das Land der Hessen-Pallas kriegte/
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So bald er aber sich ans Käysers Seiten gab/
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Gab sich das falsche Glück von seiner Seiten ab/
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Wie andern mehr geschah. Auf solche Schlapp- und
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Schwäche
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Wich alles aus dem Feld durch Auspurg nach dem Leche/
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und wolten da bey Reyhn den Paß nach Beyern hin
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Versperren. Aber ach! das Glück betrog den Sinn.
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Die Schweden drungen durch und fielen weit in Beyern/
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Es kunte sie noch Lech noch Jserstrohm besteuern/
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Noch das gedoppelt Heer. Wann GOtt ein Land bestrafft/
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So schickt er einen Feind/ an dem man wenig schafft/
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Dem alles glücklich geht. Diß war allhier zu sehen/
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Man wird es auch allhier nach langer Zeit gestehen/
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Nach vielem machten sie sich an den strengen Inn/
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Der voll von Klippen ist/ und wolten über hinn/
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Ins Ländlein ob der Enß und Oesterreich zu brächen.
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Es musten aber viel sich da zu todte zechen.
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Der Gegenstadt war groß/ der Strohm zu schnell und
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streng/
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Die Futterung zu klein/ die Zeit zu schlecht und eng/
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Des Käysers Hilff zu groß/ der nun viel tausend Krieger/
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Mit Piccolomini/ auf diesen steten Sieger
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Zu gehen/ samlen ließ, Diß trieb jhn von dem Inn/
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Der jhm viel hundert fraß/ nach andern Plätzen hinn/
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Die er im Rücken hatt’/ um sicherer zu leben/
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und auf des Feindes Thun ein scharffes Aug zu geben/
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Die Noth erheischte das/ es gieng auch scharff daher/
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und war jhm dieser Zeit das Siegen etwas schwer/
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Wie man bey Dachau sah/ da er wol mächtig stritte/
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Jedoch dem Mächtigern ein ziemliches erlitte.
350
Hierauf erhob er sich der Donau wieder zu/
351
und gab sich in der Pfaltz mit seiner Macht zur Ruh/
352
Weil er die süße Post vom lieben Frieden hörte/
353
Die er nach Billigkeit mit guter Ruh verehrte.
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Was er/ that auch sein Feind. In dem diß hier verlieff/
355
That General Lamboy bey Gesek’ einen Griff
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Auf die Casselische/ und trieb sie solcher massen/
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Daß fie in Geseke sich musten schräncken lassen.
358
Man bracht’ Entsatz herbey/ Lamboy gieng frisch darauff
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und schlug jhn/ fieng darzu desselben Führer auf/
360
Das war der Landgraf Crnst. Nach allem/ als er meynte/
361
Daß jhm das liebe Glück nach seinem Willen scheinte/
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Must’ er von Geseke zu rück und nach was Zeit
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Erleyden/ daß der Heß in offenbahrem Streit/
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Nicht weit von Grefenburg
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fällte/
366
Wie scharff sich feine Macht der andern widerställte.
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Diß alles ungeacht/ nahm er ein größer Heer
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und gieng noch eines an/ weil aber jener sehr
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Verschwächt war/ hielt’ er sich/ biß man/ jhn zu verstärcken/
370
Entsatz und Beystand that/ zu Neuß in festen Wercken.
371
Die Hilff kam an/ Lamboy zog ab/ worauf die Schaar
372
Der Hessen Paderborn/ das wieder Käysrisch war/
373
Berung. Lamboy kam an und trieb sie das sie wichen/
374
Damit so war auch hier die Streitigkeit verglichen/
375
und blieben beyde Theil auf die gewündschte Mähr
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Vom Frieden in der Ruh. War also hin und her
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Durch alles Deutschland Fried. Was noch von Waffen
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bebte/
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War Böhäim/ das numehr in höchsten Nöthen lebte.
380
Dann als der Konigsmarck die zwantzig hundert Mann
381
Bey Augfpurg durch das Schwerd von hier hatt’ abgethan.
382
Gieng er zur Ober-Pfaltz/ nahm und bewällte Weyden/
383
Vor welchem Amberg sich ein großes muste leyden/
384
Dann es Trutz-Amberg hieß. Er gieng auch auf Waldeck/
385
Das annoch Jungfer war/ und keinen Mann so keck
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Für jhren Freyer hielt; Hier aber must’ es weichen/
387
und sich mit Königsmarck nach seiner Lust vergleichen/
388
Der Brautschatz war nicht schlecht. Hierauf erhob er sich
389
Nach Böhäim/ und gewann
390
Halb Prag/ und sonder Schlag. Gantz Prag schlieff ohne
391
Sorgen/
392
War keines Feinds besorgt/ und eh der helle Morgen
393
Erschien/ war alles Feind. Da waren Schloß/ Ratschin
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und kleine Seiten weg/ auch alles was darin
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Gefangen und entblößt/ die alte Stadt beschossen/
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und bald von Wittenbergs Armee rund um beschlosselt/
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Daß es sehr große Noth in allen Häusern gab.
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So schleunig setzt das Glück von vielen offtmals ab-
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Man fleng ein zwantzig zehn gefürst- und große Leuthe/
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und kriegte mehr von Gold und theurer Waar zur Beuthe
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Als es zu glauben ist. Ein hundert funfftzig Stück/
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und was noch anders mehr. Diß war ein solches Glück
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Als es die Schwedische kaum hofften oder hatten.
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Man fieng erschrecklich an die Alt-Stadt abzumatten/
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Schoß Bleu und Feuer ein/ das Blut und Feuer bracht’.
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Es fiel auch nun Tetschin in Wittenbergers Macht
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und Tabor/ das sehr fest und nicht zu zwingen scheinet.
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Es wurd auch Buchheims Volck von dieser Macht um-
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und er mit jhm besiegt. Es gieng hier anders nicht/
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Als hätte sich das Glück den Schwedischen verpflicht
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In allem Treu zu seyn. Damit man nun den Sachen
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Vor Prag und anderswo ein Ende mochte machen/
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Kam Carl Gustavus selbst/ ein Pfaltzgraf bey dem Reyhn/
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Dem endlich noch das Reich solt’ anvertrauet seyn/
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und brachte neben sich den Edlen von der Linden/
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Ein Geist/ der sich in Ruh und Streit beliebt läßt finden/
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und eine große Zahl von achtmal tausend Mann/
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Aus Schweden hergeführt/ vor Prag/ zum stürmen/ an.
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Man fiel gewaltig an/ that sechszehntausend Schüsse
420
Aus Stücken auf die Stadt/ daß mancher Bau zerrisse.
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Man stürmte/ sprängt’ und schoß/ daß es erschrecklich war.
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Diß alles ungeacht that die beschränckte Schaar
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In Prag kein anders nicht/ als starcke Gegenwehre/
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Wobey die Musen-Schaar/ das ich jhr hier zur Ehre
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Gedenck’/ ein großes that/ das Käyser Ferdinand/
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Als ein Genädigster/ in Gnaden hat erkannt.
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Als es am ärgsten stundt/ erscholl die süße Mähre:
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Wie daß der liebe Fried’ in Deutschland richtig wäre.
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Was Art es Friede
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Hier wird das größeste zum kürtzsten eingebracht.
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Dem Käyser sahe man gantz Böhäim erblich werden/
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Dem Schweden aber blieb Vor-Pommern/ Brehm- und
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Verden/
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Wie auch die Wißmar-Stadt/ und etwas mehr hierum.
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Das edel Elsas blieb des Frantzmanns Eigenthum.
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Dem Beyer-Fürsten blieb die Ober-Pfaltz zur Beuthe.
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Und also stillten sich des Deutschlands Kriegs-Leuthe.
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Hierauf so wurd auch Prag befreyet und erfreut/
439
und lebten alle Heer in guter Einigkeit.
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Ein Wunder! Wo der Krieg sich erstlich hat erreget/
441
Da hat er/ dreyßig Jahr hernach/ sich auch geleget.
442
Und was ein Pfaltzgraf hat erregt/ wie schon gedacht/
443
Das hat durch GOttes Hilff ein Pfaltzgraf still gemacht.
444
Dañ Carl Gustavus sich von Prag nach Nürnberg machte/
445
und was noch streitig war/ daselbst zu rechte brachte/
446
Wiewol mit großer Müh. Ein anderthalbes Jahr
447
Verlieff/ eh unsrer Ruh gemeiner Freud-Tag
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Damit war überall durch Deutschland Fried und Freude.
449
Daß derer keines sich von uns so balde scheide/
450
Wündsch’ ich und jederman/ der deutschen Nahmen hat.
451
Erstick Achitophel mit deinem bösen Raht.

(Celadon von der Donau [i. e. Greflinger, Georg]: Der Deutschen Dreyßig-Jähriger Krjeg. [s. l.], 1657.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Georg Greflinger
(16201677)

* 01.01.1620 in Regensburg, † 01.01.1677 in Hamburg

männlich

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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