Des Deutschen Krieges Neunter Theil

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Georg Greflinger: Des Deutschen Krieges Neunter Theil (1657)

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Bannier vom Glück ermahnt/ den Gegner zu ver- derben/
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Zog nach dem Danckfest’ auf und legte sich vor
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Werben/
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Das ein par tausend Mann und anders nach der Schlacht
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Vor Wittstock in der Flucht in dessen Wall gebracht/
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Behauste. Kaum dafür/ da war er auch darinnen.
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Was wolte solches Volck vor solcher Macht beginnen?
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Er nahm den festen Ort mit samt dem Volck an sich.
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Damit blieb seinem Feind ein großes in dem Stich.
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Auf dieses gieng das Heer nach Egeln/ da sich Wrangel
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Nach Pommern/ Leßle sich zur Weser/ dessen Mangel
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Zu helffen/ neu erhob. Ein jeder that das sein’.
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In dessen legte sich Bannier um Erfurt ein/
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Ließ Feinde/ Land und Leuth in Thüringen und Meißen
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Durch seine Siegende vereufert niederreißen.
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Diß alles ungeacht sprach Erfurt/ als sein Feind/
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Dann es war solches nun des Prager-Friedens Freind.
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Als aber sich Bannier mit Macht jhm wiederlegte/
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That solches nochmals so/ wie es vor diesem pflegte/
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und war der Schweden Freind. Auf dieses schonte man
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Die Stadt und neben ihr des Weymars
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Cur-Sachsen aber must hergegen mächtig leyden/
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Biß man den Siegenden die Flügel zu beschneiden
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Noch größre Macht aufbracht’. Es eylte Hatzfelds Schar/
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Die durch den letzten Schlag sehr schlecht zu sehen war/
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Nach Götzens großem Volck in Hessen und Westfalen
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Sich zu vereinigen/ und die Bannirsche Pfalen/
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So ferne fort gesetzt/ zu brächen. Diesen Sinn
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Zu stützen/ sandte man den tapfren Leßle hinn.
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Er aber viel zu schwach/ auf dreyßig tausend Seelen
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Zu schlagen/ ließ es doch an diesem wenig fählen/
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Daß er der Pässe sich versicherte. Wie dann
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Der Oberst Stallhannß viel zu solchem hat gethan.
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Sie stützten/ und Bannier gieng Leipzig zu gewinnen.
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Kaum da/ erhob er sich schon wiederum von hinnen/
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und schlug bey Eulenburg ein etlich hundert Mann
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Der Sächsischen Armee/ von welchen er fort an
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Nach Torgau gieng/ den Feind/ der sich mit schnellen fliehen
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Dahin gereitet hatt’/ allda zu überziehen.
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Er nahm die gute Stadt mit samt der Sachsen Schar/
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Die in zweytausend starck bewehrt darinnen war.
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Acht Regimenter sind hiedurch zu scheitern gangen/
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Die meisten gaben sich den Schwedischen gefangen.
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Diß alles außgericht/ versorgte man die Stadt
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Mit Mitteln/ die ein Heer vor solcher nöthig hat/
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Und gieng zum andernmal vor Leipzig sich zu setzen.
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Diß ängstend/ hörte man wie Hatzfeld mit dem Götzen
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Sich durchgebrochen hätt’ und wäre schon herein
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Mit einer großen Macht/ der Stadt Entsatz zu seyn.
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Damit versamlete Bannier sein Volck zusammen/
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Schlng Meißen rechts und lincks mit Schwerdt und Feuers
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Flammen/
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und gieng nach Torgau zu/ beschantzete sein Heer/
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Pflantzt hundert donndernde Geschütz und noch viel mehr
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Auf seinen Wällen rum/ die Feinde zu begrüßen.
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Und sihe da die Macht die Schweden zu beschlüßen.
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Bannier war nun ein Löu/ der mit Gewalt umringt/
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Bald ein Gebrüll erhebt/ bald auf die Feinde springt/
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und keinen Nachklang wil von seinem fliehen haben.
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Es lagen Freind und
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Und war des Gegners Heer von neuntzig tausend Mann/
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Dann es kam alle Macht des Deutschen Reiches an/
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Der Schwedischen Gewalt sich gäntzlich loß zu machen.
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Es stundt auch diesesmal mit der Belägrer Sachen
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Sehr wol/ so daß Bannier nach langer Gegenwehr
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und dünn-gemachter Macht/ (dann es war jhm sein Heer
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Biß auf eilff tausend Mann geschmoltzen) muste weichen/
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Da war noch Kraut noch Loth/ noch des Entsatzes Zeichen/
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Ich schweige was für Noth an Lebens-Mitteln war.
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Dann es war alles Land durch solche große Schar
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Verdorben. Er brach auf/ nicht seines Feindes wegen/
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Vor dem er fäst genug an Torgau war gelegen/
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Vielmehr aus Noth von Brodt und anderm/ wie gedacht/
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Und dieses that jhm mehr als eine große Schlacht.
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Es hatt’ jhm Leßlens Heer mit Pfulens seinen Scharen/
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Die durch die Laußnitz was vorangegangen waren/
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So guten Paß gemacht/ daß er wol folgen kunt’.
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Als aber dessen Feind allzeit sehr wachsam stundt’
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Auf seinen Zug zu sehn/ geschachs/ daß die Croaten
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Jhm folgten/ und fürwar sehr großen Schaden thaten.
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Ein tausend blieb im Stich. Es kam auch über diß
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Das gantze Heer hernach/ das wenig ruhen ließ.
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Und hatte jederman sich höchlich zu verwundern
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Wie General Bannier durch so viel Feind’ und dundern
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Annoch entgehen kunt. Er kam bey Landsberg an.
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Kaum da/ war auch sein Feind bey jhm schon auf dem Plan/
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Nach welchem er so starck mit seinen Blitz-Geschützen
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Gespielt/ daß tausend Mann hieselbsten blieben sitzen.
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Hierauf begab er sich nicht ferne von Cüstrin
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Mit seiner kleinen Macht/ die Oder über hin/
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und gieng nach Neustadt zu/ woselbst Feld-Marschalck
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Wrangel
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Mit zehen tausend Mann/ des Volckes großen Mangel
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Erstzte. Diß gethan/ begab man sich nach Schwed.
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Viel hielten aber nun die Schwedischen vor blöd/
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Weil jhrer Feinde Macht der jhren überlegen
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und nun sehr glücklich war. Man zog von allen Wegen
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Zusammen/ jhre Flucht nach Schweden anzusehn.
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Da waren Gallas/ Götz/ Jslani/ Hatzfeld/ Gleen/
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Mit den Cur-Sächsischen und Brandenburgschen Scha-
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Bey denen Vitzthum und der Klitzing Führer waren.
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Um dieses gieng Bannier biß in das Pommerland
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Da er zehn tausend Mann/ aus Schweden her gesand/
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Zu seiner Hilff bekam. Noch wolt es nichts verschlagen.
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Dieweil die Gegen-Macht zn groß und sie zu jagen
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Von rechtem Eufer war. Sie nahm Gartz und Demmin/
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Das Wolgast/
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Bald aber wieder ab/ weil man da Stöß außtheilte.
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Wie wenig Gallas sich bey diesem Zug verweilte/
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War dennoch nachgesagt: Er hette wol was mehr
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Zu thun vermocht/ dieweil das schwache Schweden-Heer
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Sich nach Wollin begab und da so lang bewällte/
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Biß Schweden größre Hilff an dessen Seite ställte.
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Eh aber diß geschah/ lieff ein halb Jahr dahin.
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Mit diesem zog Bannier neu-mächtig durch Stetin.
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Und legte fich vor Gartz/ daß er nach wenig stürmen
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Gewann/ und alles Volck/ was er in dem beschirmen
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Befundte/ niederhieb/ die Bürger in das Land
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Vertheilte/ Gartz hierauf mit einem großen Brand
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Vertilgte/ Mauern/ Wäll’ und Thürme niederfällte.
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Damit der Ort hinfort sich keinem widerställte.
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Es war ein großer Paß/ der in dem auf und ab/
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Wann er bewehret war/ sehr viel verhinderniß gab.
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Diß alles außgericht/ setzt er dreyhundert Pferden/
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Durch welche Wolgast solt in Noth erquicket werden/
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Biß Wolgast nach und schlug dieselbe meistens todt.
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Damit geriet die Stadt in eine solche Noth
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Von Volck/ von Kraut und Loht/ von Mitteln um zu leben/
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Geschwiegen/ was die Pest für Jammer hat gegeben/
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Daß sie sich jhm hierauf nechst Brandenburg ergab.
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Auf dieses wartet’ er die Macht von Gallas ab/
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Die zwantzig tausend starck nicht weit von Grabau stundte/
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In Meynung/ daß sie sich zur Schlacht gewillt befundte.
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Das warten war umsonst/ man dacht’ an keine Schlacht/
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Allein das scharmuziern das währte Tag und Nacht/
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und blieben bey Malchin der Käysrischen und Polen
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Fast bey ein tausend Mann durch Bande/ Schwerdt und
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Kolen.
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Hergegen blieb durch Pest und große Hungers Noht
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Ein großes Schweden-Volck/ bevor vom neuen/ todt.
141
Diß gab dem Gallas Muht was länger da zu bleiben/
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In Meynung seinen Feind durch solches zu zersteuben.
143
Und hatt' er diesesmal sein Lager bey Malchin/
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Sein Gegner aber lag anjetzo bey Demmin.
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Ditz dauerte so lang biß sich der Frost erregte/
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Der Schweden große Noth/ die Pest/ gemählig legte/
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Den Gallas aber fort nach andern Plätzen trieb/
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Dem General Bannier mit schnellem Fuß und Hieb
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Allzeit im Nacken war/ und nach der Elbe rückte/
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Wo er drey tausend Mann ins Lüneburgsche schickte/
151
Des Kings geschlagen Volck (von Holl- und Engeland
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Dem Hause Heydelberg zum bästen abgesand)
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Durch Hatzfelds seine Macht bey Lemgau übersieget/
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Wo Pfaltzgraf Ruprecht selbst gefangen war gekrieget/
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Annoch an sich zu ziehn. Doch es fiel etwas schwehr/
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Dann es kam Hertzog Görg mit dem von Broy daher
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und schlug bey Boytzenburg vierhundert Mann darnieder/
158
Bey Goldberg gleich so viel. Daher Bannier sich wieder
159
Nach Mecklenburg begab. Kaum da/ kam Zeitung an/
160
Es wäre
161
Jm Anzug sich bey Wisch dem Gallas zu zu ziehen.
162
Man sah Cur-Sachsen sich vor dißmal groß bemühen/
163
Der Schweden loß zu seyn. Daher auch eine Macht
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und Hilff der andern nach von jhr wurd aufgebracht.
165
Wie hier mit
166
und muste dieser Held an Vitzthums Stelle stehen.
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Bannier diß hörende/ gieng auf denselben loß/
168
Schlug dritthalb tausend Mañ
169
Die Käysrischen aus Wisch zu dessen Hilff’ erschienen.
170
Und nun sah man das Glück die Schweden neu bedienen.
171
Kaum daß die Sächsischen gedachte Niederlag
172
Erlitten/ hörte man von einem andern Schlag/
173
Den die Gallasischen bey Perlenberg bekamen.
174
Worauf sie allesamt den Zug was höher nahmen.
175
Gallas nach Osterburg/ nach Stendel
176
Der Klitzing nach Berlin/ Bannier nach jhnen hin.
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Damit so kriegten wir den Krieg mit allen Peitschen
178
Vom neuen von der See ins innerste der Deutschen.
179
Wie er mit starcker Flut sich an die See begab/
180
So gieng er ebende sehr schleunig wieder ab.
181
Der eine wolte fest beym Prager-Frieden stehen/
182
Und dieser wolte noch nach einem bässern sehen.
183
Beklagens-werte Zeit/ die Deutschland neu bekam/
184
Eh GOtt dem Marspiter sein blntig Zepter nahm!
185
Es war der Sünden-Schuld/ aus Blut in Blut verfallen/
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Es halff kein Gegen-stand/ wie mächtig auch von allen
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Die Hand darwider war. Wann GOtt die Länder strafft/
188
So hilfft es nicht/ was Macht man auch darwider schafft.
189
Die Wider-Römsche Macht kam wiederum zu wachsen/
190
So wol bey dem Bannier/ als bey dem großen Sachsen
191
Von Weymar/ dessen Heer sich nach erhaltner Schlacht
192
Von Hohenthwiel begab/ ein Ort von großer Macht
193
und Wolcken-hoch gesetzt. Kaum da/ war man darinnen/
194
Man sahe keinen Theil viel Streits darum beginnen.
195
Und muste Widerhold des Orts Beschirmer seyn/
196
Er ließ auch keinen Feind bey seinen Zeiten ein/
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Nicht achtende/ was Macht sich jhm gab zu erkennen/
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Man mocht’ jhn wolbefugt den Widerhalt benennen.
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Auf dieses setzte man die Macht vor Stutgart an/
200
Das man mit leichter Müh in wenig Zeit gewann.
201
Anjetzo wurd ein Danck- und Bet-Tag außgeschrieben/
202
Daß es dem Höchsten möcht hinfort noch mehr belieben/
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Den Seinen gut zu seyn. Diß alles wol gethan/
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Griff der berühmte Fürst die Vestung Breysach an.
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Ein Ort von der Natur zum Wunder fest gemachet/
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Von starckem Krieges-Volck aufs tapferste bewachet/
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Mit allem wol versehn/ von Jedermänniglich
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Unwinnbar vorgestellt/ und hatte solche sich
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Drey hundert Jahre lang/ zu seines Preiss erheben/
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An keinen als allein an Oesterrich ergeben.
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Diß alles ungeacht/ umgab der Held den Platz.
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Kaum da/ erschien
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Zu thun/ doch gantz umsonst. Dann Bernhard gieng entge-
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und setzte so an sie/
215
Voll blasser Leichen war. Zwölff hundert blieben todt/
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Drey tausend in verhafft/ der Rest entkam mit Noth.
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Da blieb die Cantzeley/ da blieben alle Stücke/
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und was dazu gehört mit vielem Meel zu rücke.
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Es hatte zwar der Feind sich mächtig in der Schlacht
220
Erwiesen/ und den Held Tupadel weggebracht/
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Weil er sich allzu tieff hatt’ in den Feind verhauen/
222
Noch gleichwol ließ der Sieg sich jhm von Rücken schauen/
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und reichte seinen Krantz in Hertzog Bernhards Hand.
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Damit kam Breysachs Sach’ in einen trüben Stand.
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Und machete der Schlag/ am Dorffe Wittenweyer
226
Geschehen/ alle Ding’ in Breysach trefflich teuer.
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Es schlug noch über diß ein ander
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In dem das Pulver-Hauß daselbst in einem Nu
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Durch einen Brand zersprung/ viel Häuser niederstürtzte/
230
und sonderlich an Wehr- und Lebens-Mitteln kürtzte.
231
Diß nahm der Held in acht/ und satzte mächtig an.
232
Er sah auch über diß ein etlich hundert Mann/
233
Die man aus Breysach trieb/ die Noth nicht zu vermehren/
234
Die alle gaben jhm genugsam anzuhören/
235
Was Mangel in der Stadt/ und daß so ungefehr
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Ein tausend Mann/ nicht mehr/ da zur Besatzung wär.
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In dem er eufrig war die Vestung zu besiegen/
238
Kam der von Lothringen mit jhm darum zu kriegen.
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Wiewol er anders nicht mit diesem hat gesucht
240
Als nur der Vestung Noth mit Meel und andrer Frucht
241
Zu mindern. Aber hört es gieng jhm
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Als es dem Götzen gieng. Er war vom Glück verlassen/
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Sein Volck blieb in dem Lauff/ sein lieber
244
Als Führer dieses Heers/ wie auch der Held
245
Verfielen in Verhafft. Sehr so gieng diß zu scheitern
246
und bloß durch eine Schaar von Weymarischen Reitern.
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Diß war das andre Heer das wegen Brysach lag.
248
Und nun kam auch das dritt' und letzte vor den Tag.
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Ein Heer von großer Macht und Kriegs-gewohnten Scha-
250
Bey dem
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Sie hatten den Befehl: Geht hin/ und thut Entsatz/
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Wo nicht/ so sterbet nur gehäufft vor solchen Platz.
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Sie thaten jhre Pflicht/ und stürmten nach der Brücken
254
Mit solchem
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Jm Felde fliegen sah/ also gieng das Geschütz
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Auf derer Anlauff loß. Doch es wurd jhre Hitz
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Hiedurch nur mehr vermehrt/ daß sie sich der Verschantzten
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Bemächtigten/ und da jhr’ eigen Fahnen pftantzten.
259
Als Hertzog Bernhards Heer des Feindes Macht vernam/
260
und daß sie als ein Sturm daher gewirbelt kam/
261
Erwieß es wiederum was Macht auf seiner Seiten.
262
Und sihe da zwey Heer nochmahls um Brysach streiten.
263
Lamboy hielt sich wol/ noch bässer aber ficht
264
Sein Feind/ der jhm sein Heer fast halb zu Grunde richt.
265
Theils in den Reyhn verjagt/ theils durch die Klinge fället/
266
Theils unter seine Macht mit Macht gefangen stället.
267
Götz hatt’ es eben so/ wie mächtig er auch focht.
268
Es war nun mehr an dem/ daß niemand mehr vermocht
269
Ein mächtiges zu thun/ des großen Weymars Händen
270
Die lang-verlangte Braut- von Brysach abzuwenden.
271
Was auch der Käyser selbst dem Reynach ernstlich schrieb:
272
Nim Brysach wol in acht/ der Ort ist uns sehr lieb/
273
Denck daß in aller Welt ein Brysach sey zu finden/
274
So must’ es endlich doch sich lassen überwinden.
275
Dann sie die Hungers Noth zu solchem Jammer bracht’/
276
Als nie in aller Welt dergleichen wird gedacht.
277
Schweig nur Jerusalem/ Samaria deßgleichen.
278
Des Brysachs Hungers Noth war keine zuvergleichen.
279
Der Mensch fraß Menschen auf/ er öffnete das Grab/
280
und nagete das Fleisch von alten Todten ab.
281
Die Hand bestarret mir ob solchen Greuel-Dingen/
282
Der Mund wird Eckels voll hiervon mehr vorzubringen.
283
So gieng dann Brysach nun in Hertzog Bernhards Macht/
284
Nach dem er ein halb Jahr/ und auch die dritte Schlacht
285
Davor gehalten hatt’.
286
Er und gantz Franckreich ließ Trompet- und Paucken regen.
287
Vor allem aber wurd an GOtt ein Danck gethan/
288
Denn Er ist der allein/ der Siege geben kan.
289
Dem Brysach folgete die Landskrohn/ derer Spitzen
290
Biß an die Wolcken gehn/ die immer frey zu sitzen
291
Bißher gewohnet war. Wie mächtig der Verlust
292
Von solchem festen Platz des großen Adlers Brust
293
Betrübet/ hab’ ich mehr zu schweigen als zu sagen.
294
Rom selbst mit Spannien betrieb hierob sein Klagen.
295
Es war nun um die Zeit da
296
Jm kalten Steinbock hatt’/ da sich die Nächte lang
297
und voll vom harten Frost bezeigten/ derowegen
298
Gieng Bernhards seine Macht Burgundien zu belegen/
299
und das/ was feindlich war/ zu zwingen/ wie sie dann
300
Joux, Pontalier und mehr/ die ich nicht nennen kan/
301
Eroborte.
302
Der Brysach/ einen Preiß der Vesten/ unterbrachte/
303
Mocht andre freylich wol erschrecken. Es geschah/
304
Der strenge Frost war weg/ der Lentz war wieder da/
305
und Bernhard naherte sich seinem Brysach wieder/
306
Fiel aber bald darauf in eine Kranckheit nieder.
307
Die jhm/ der Sage nach/ des gelben Neydes Gifft/
308
Das sonst gemeiniglich die tapfren Helden trifft/
309
Hatt’ eingeflöst. Er starb
310
Sehr sanfft und seeliglich. Sein Tod wurd’ an der Seyne/
311
und wo sein Lob erscholl/ höchst-trauerig beklagt.
312
Der allen Preiß und Ruhm von diesem Fürsten sagt
313
Hat
314
Was man um seinen Sarck zu Ehren hat geschrieben.
315
Dem vormals Sterblichen von Weymar/ aber itzt
316
Unsterblichen/ sey diß zum Denckmahl eingeritzt:
317
Steh lieber Wandersmann und lies/ so ohne weinen
318
Dein Aug des Weymars Grab kan lesende bescheinen/
319
Er starb in Deutschlands Schoß/ von allen starck bekriegt/
320
Da Deutschland selber doch in jhm seeltagend ligt.
321
Er war in Franckreich lieb/ dem Käyserthum entgegen/
322
Er zeigte jenem Hilff und diesem seinen Degen.
323
Er starb auf seinen Sieg von Brysach/ Er bestritt’
324
und nam allein mit dem die andern alle mit.
325
Er wuste hier nicht mehr Triumffe zu erlangen/
326
Daher er auch von hier zum Höhern ist gegangen.
327
Er starb auf seinem Bett’/ als einer/ der mit Macht
328
In Schlachten nimmermehr kunt werden unterbracht.
329
Er hat vor keinem Feind’/ allein jhm selbst gewichen/
330
Sein Grab ist rund herum mit Siegen außgestrichen.
331
Setzt Lorbeer-Kräntz hierauf/ thut die Cypressen ab/
332
Hier ist des Siegers Ort/ und kein bekläglich Grab.
333
Wil jemand aber viel mit wenig Worten sagen/
334
Der spräche so: Hier liegt annoch von jungen Tagen
335
Der große Weymar-Fürst in einer engen Grufft/
336
Vom Fieber weggerafft/ Sein Lob hegt alle Lufft.
337
Er ruhet von dem Streit und triumfiert im sterben/
338
Es kan der Rauten Glantz durch keinen Frost verderben.
339
Seht dieses war die Schrifft um dieses Helden Grab.
340
Sein Tod setzt meine Hand von jhrem schreiben ab.

(Celadon von der Donau [i. e. Greflinger, Georg]: Der Deutschen Dreyßig-Jähriger Krjeg. [s. l.], 1657.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Georg Greflinger
(16201677)

* 01.01.1620 in Regensburg, † 01.01.1677 in Hamburg

männlich

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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