Des Deutschen Krieges Sechster Theil

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Georg Greflinger: Des Deutschen Krieges Sechster Theil (1657)

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Sag an/ Geschicht-Göttin/ die Rede zu erwei- tern/
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Gieng nun nicht alle Macht der Luthrischen zu
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scheitern
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Wie dieses Häupt erlag? War noch wol jemand da
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Der seines Hertzens war/ und Rom bestritte? Ja/
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Nicht einer/ sondern mehr. Das Blut aus jhm geflossen
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War Pelikanen-Blut/ aus welchem viel entsprossen/
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Die seines Hertzens sind. So bald diß Häupt erlag/
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Hielt Axel Oxenstern/ sein Kantzler/ einen Tag/
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Zu rathen/ auf was Art den Gliedern bey zu stehen/
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und dieser Beystand ist hernach also geschehen:
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Herr Axel Oxenstirn war derer Waffen Hand/
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und theilte die Armee halb an den Weserstrand/
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Die der beglückte Fürst von Lüneburg regierte/
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Halb in das Oberland/ die Hertzog Bernhard führte.
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Wie hat Georg/ der Fürst von Lüneburg/ gekriegt?
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Er hatte sich kaum recht zur Weser hingefügt/
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Bekam er seinen Feind/ den Gronßfeld/ zu Gesichte/
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und schlug bey Rinteln jhm zwölff hunder Mann zu nichte/
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Belagerte darauf das Hameln/ welchen Ort
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Merode retten wolt’/ er schlug auch diesen fort.
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Merode kam noch eins mit einem großen Hauffen/
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Bey zwölffmal tausend Mann sich um den Ort zu rauffen/
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Der Hertzog war bereit/ und nahm das Hessen-Heer
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Zu Hülffe/ schlug darauf den halben Theil und mehr
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Bey sieben tausend Mann/ mit sampt dem Häupt Merode/
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Nicht weit von Hameln ab
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Diß war das dritte Jahr/ das Rom zur Trauer trieb/
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und war die dritte Schlacht/ in der sein Hoffen blieb.
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Wie tapfer sich der Fürst hierinnen hab’ erwiesen/
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Wird jhm in seiner Grufft sehr rühmlich nach gepriesen/
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Also that auch der Held Kniphausen/ der der Schar/
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Die dieser tapfre Fürst bekam/ Feld Marschall war.
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Der Heß hatt’ auch sein Lob/ der bald nach diesem schlagen
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Sich wieder rückwerts zog/ worauf nach wenig Tagen
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Das Hamelu übergieng/ deßgleichen Oßnabrück/
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und dessen gantzes Stifft. Wie leichtlich bringt das Glück
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Den hoch/ den andern tieff/ wie einen leichten Pallen.
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Der Bischoff dieses Stiffts wolt’ auf die Schweden fallen/
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Merode hatt’ jhn mit/ das Blat schlug aber um/
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Daß er befallen wurd’ und all sein Bischoffthum.
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Hierzwischen gieng der Held von Weymar auf die Fran-
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und schlosse Cronach/ Stadt und Schloß in enge Schran-
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Eroberte die Stadt/ die in die Flammen fiel/
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Das Schloß erwehrte sich/ worauf des Fürsten Ziel
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Zum großen Bamberg war/ ein Platz voll Mönch und
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Pfaffen/
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Es wurde bald besiegt/ und alles was in Waffen
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Gefunden/ todt gemacht/ diß stundt’ anch Höchstadt auß/
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und kam in solchen Brand/ daß nicht ein einig Hauß
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unengezündet blieb/ doch ist das Schloß geblieben/
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Worzu die Schwedischen auch alles nieder hieben/
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Was in den Waffen war. Als dieses war gethan/
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Da wolte man mit Ernst der Vestung Forchheim an.
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Es trug sich aber zu/ daß von des Feindes Scharen/
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Die in der Ober-Pfaltz zu der Besatzung waren/
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Ein weiter Streiff geschah/ daß mancher Schweden-Hauff
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Hiedurch zu scheitern gieng. Diß trieb den Fürsten auff/
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Daß er das Forchheim ließ/ sein Heer zusammen brachte/
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Zu Bamberg Mustrung hielt/ und sich darwider machte/
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Wo sein Herr Bruder jhm/ Fürst Wilholm/ Beystand that.
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Damit so gieng er loß/ und wurde der Croat
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um Amberg/ Eger/ Cam/ und wo die Räuber lagen/
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Durch dieses Schweden-Volck so sauber aufgeschlagen/
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Daß nichts im Felde blieb. Ein mehrers that man nicht.
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Und wurde nun der Zug nach Donawerth gericht/
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Mit dem Gustavus Horn/ der die Bannirsche Scharen/
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Die durch viel Streit und Zug sehr abgemattet waren/
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An seinen Hauffen zog/ daselbst gesamter Hand
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Auf Bäyern loß zu gehn/ dieweil durch dieses Land
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und dessen Nachbarschafft viel Volck wurd aufgetrieben/
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Auch aus Jtalien sehr viel darzu beschrieben/
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Das
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und war Graf Altring nun der Beyerischen Macht
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Zum Häupte vorgesetzt/ wie Tylli war gewesen.
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Damit man dieses Volck nicht möcht’ in Hauffen lesen/
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Verhäufft- und einten sich die Schweden allerseits
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und hofften solches Volck vermittelst eines Streits
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Zu trennen/ oder denn in Bäyern einzuhalten/
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Weßwegen Jan de Werth/ der Amberg zu verwalten
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und gute Völcker hatt’/ in jhren Rücken gieng/
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Den aber Bernhards Volck zum übelsten emfieng/
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und jhm vier hundert schlug/ jhn selber auch verwundte/
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Daß er es lange Zeit mit großem Weh empfundte.
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In dem diß hier verlieff gieng Hertzog Wilhelms Schar
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Auf Würtzburg/ und gewann mit Macht was widrig war/
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Bernhardus aber brach indessen tief in Bäyern/
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und gab/ deßgleichen Horn/ daselbst nicht viel zu feyern.
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Er machte fliehens gnug/ nahm Landsberg stürmend ein/
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Zwung München unter sich/ es wurd’ auch Neuburg sein/
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Das Dachau/ Eich’ und mehr. In diesem guten lauffen
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Bracht Albrecht Wallenstein ein großes Volck zu hauffen/
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Den Bäyern Hilff zu thun. Es war die Schuld und
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Pflicht.
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Deßwegen säumte sich der Hertzog Bernhard nicht/
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(dann die Gelegenheit wischt leichtlich aus den Händen/
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und pflegt dem tausenden nicht wieder um zu wenden.)
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Er that so viel es kunt’ in solcher Eile seyn/
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Nahm Eichstadt/ Stifft und Stadt in seine Schatzung ein.
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Verfügte sich daranf nach Donawerth zu rücke/
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Mit solchem guten Zug und unverfälschtem Glücke/
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Jm Hertzen wohl vergnügt.
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Von Helden Franckfurt zu/ wo Axel Oxenstern
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Aus Schwedischer Gewalt jhn seiner Müh ergetzte/
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und übers Franckenland zu einem Fürsten setzte/
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Bey welches außen-seyn Gustavus Horn dem Feind
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Ein wachend Auge gab/ und einmahl unvermeynt
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Bey Neuburg/ welche Stadt vom Altring gantz umgeben/
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und grob beschossen war/ dreyhundert von dem Leben
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Zur külen Erden hieb/ diß rettete die Stadt/
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Worauf er auch Neumarckt gar bald in Händen hatt’.
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In dem er diß betrieb/ kam Hertzog Bernhard wieder/
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und brachte großes Geld/ das unter seine Glieder
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Solt’ außgetheilet seyn. Geld ist des Kriegers Muth/
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Hierfür verkaufft er auch sein Leben oder Blut.
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Man zahlt und musterte das gantze Heer der Schweden.
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Was nun geredet ist/ werd’ ich nicht offte reden/
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Denn es nicht offt geschah/ daß man Bezahlung gab.
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Nun sonderte sich Horn vom Hertzog Bernhard ab/
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und zog nach Costnitz zu/ ein mehrers zu besiegen/
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Der Hertzog aber blieb zu Donawerth beligen/
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Zu sehen/ was sein Feind gesinnet war. Es kam/
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Daß
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und ihm 12000. Mann geübter Krieger bachte/
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Worauf auch
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und
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Auf dreyßig tausend Mann geschätzet wurd und mehr.
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Diß trieb den Hertzog an das seine zu bewachen/
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und sich mit Horns Armee und andern starck zu machen/
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Dann er war zimlich schwach/ die
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Er hatte kurtz zuvor nach Meißen eine Schar
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Von funftzig hundert Mann dem Bruder zugeschicket/
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Dem Holcki/ der das Land hatt’ überall bedrücket/
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Den Widerstand zu thun. Dargegen zog jhm nu
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Der Held Gustavus Horn bey Paling wieder zu/
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Auch Pfaltzgraf Christian von Birckenfeld/ der immer
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Jm Elsas standhafft war/ und nimmermehr nicht schlimmer
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Als glücklich kriegete. Sie waren alle drey
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Von 40000, Mann/ versucht/ behertzt dabey.
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Hielt also dieses Schwerdt das ander in der Scheiden/
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Daß aber
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Als wich’ er/ zog er sich nach Elsas/ Brysach da
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Zu retten/ welches er in großen Nöthen sah/
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Die jhr der Rheingraf gab/ den man den Otto nennte.
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So mächtig
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So eilends folgten jhm der Horn und Pfaltzgraf nach/
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und hielten seine Macht zu Tag und Nacht sehr wach.
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In dem der
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Gieng Bernhard wiederum zu rucke nach den Beyern/
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und überrumpelte das Kellheim/ welchen Ort
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Er starck bemannen ließ/ und dann in eyle fort
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Vor Regenspurg gerieth. Es wurd
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Begehrt/ bedraut/ beringt/ beschossen und gewonnen.
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Gantz Wien erschrack hierob. Es war bißher sein Damm/
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Hier folgten Straubingen/ Burcklengenfeld und Camm/
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Fiizhofen/ Deckendorf/ rc. Erschlug auch tausend Bauern/
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und tausend noch darzu die sich wie Wäll’ und Mauern
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Jhm widerlegeten. Nach diesem warff er Stauff
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Ein Felsen-festes Schloß zur freyen Lufft hinauff.
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Durch des Salpeters Macht kan man die Felsen sprängen/
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Es wolte durchs Geschütz die Donau groß bedrängen/
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Da kriegt’ es solchen Lohn Diß trieb den Beyer-Herrn
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Den hohen Bergen zu/ weil weder Glück noch Stern
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Für jhn in Beyern war/ dann Bernhard sich zur Jser
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und biß an Passau gab. Jmmittelst schickte dieser
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Der jhm bey Lützen wich/ der Albrecht Wallenstein/
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Acht tausend Mann vor Camm. Sie kamen/ doch nicht
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ein.
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Tnpadel/ der es hielt/ der spielte starck dagegen/
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und schlug zwey hundert Mann. Ein mehrers zu erlegen
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Kam Hertzog Bernhard selbst. Er kam so bald nicht an/
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Gieng Gallas wieder durch/ und nahm die nechste Bahn
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Nach seinem Pilsen zu/ woher er war gekommen.
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Was hat dann
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Es kamen beyde Theil in Beyern wieder an/
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und wachte
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Zum felsichten Tyrol nicht kriegte. Mitlerweile
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Wurd er und tausend mehr von jhm dem Tod zu theile/
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Durch Pestilentz und Schwerdt. Der Bauer schlug dar-
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Die Kranckheit schonte nicht/ damit zerstob sein Hauff/
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Jhn nahm die Kranckheit weg. Anitzo will ich reden
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Was sonsten anders mehr bey Käysrischen und Schweden
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In andern Ländern sey geschehn. Ott Ludewich/
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Der Rheingraf/ der sehr starck von Deutsch- und Schweden
185
sich
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Jm edlen Elsas hielt/ hatt’ auch nicht wenig Glücke/
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Wie eins ein Bauerschwarm viel große Mörderstücke
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Bey seinem Volcke that/ da drung er unter sie
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und schlug 4000, todt. Die armen Esel die/
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Sind immer in dem Wahn/ wann sie nur dick zu hauffen
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und wolbeflegelt sind/ so müsse Mars entlauffen.
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Es trifft gar selten zu. Das Schwerdt ist viel zu stoltz/
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So dünn und kurtz es scheint/ daß es dem groben Holtz
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Jm freyen Felde weich’. Er schlug auch andre Scharen/
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Die jhm von Brysach auß in seinem Nacken waren.
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Wobey des Orts Regent von
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Sein Leben hat verlohrn/ zu früh/ auch nicht zu früh.
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Er war geschickt genug/ doch unbeglückt in Thaten/
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Hergegen hatt’ es hier dem Otto wolgerathen/
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Der Reinfeld/
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und fort dem Lothringer bey zehen hundert Mannn
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Bey Pfaffenhofen schlug/ auch gar in Lothring streiffte/
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Wo zwischen Franckreich auch viel Volcks zusammen häuff-
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und Nanzy überkam/ wodurch der Lothringer
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Des Landes ohnig wurd/ und ferner hin und her
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Als ein Vertriebner zog. So glücklich Otto siegte/
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So glücklich Baudis auch im Stiffte Cöllen kriegte/
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Besiegte Hammerstein/ nahm Dütsch in seine Hand/
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Gab Goldenau zum Raub/ Remagen in den Brand/
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und Lüntz in große Noth. Demselben abznwehren/
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Sah man ein Spannisch Heer sich jhm entgegen kehren.
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Weßwegen sich der Fürst von Birckenfeld erhob/
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Dem Baudis Hilff zu thun/ hiemit lag Baudis ob/
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Nahm ferners Sayin ein und Nordburg an der Eyffel/
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Deßgleichen Montabour. Er hätte sonder Zweiffel
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Roch weiter fort gerückt/ wann jhn Celada nicht/
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Der mit 12000. Man jhm in das Angesicht
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Zu ziehen rüstig war/ hätt’ einen Wall gegeben.
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Zu dem war keine Hilff aus Deutschland zu erheben/
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Weil man des Volckes da sehr hoch bedürfftig war/
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Dann Albrecht Wallenstein mit einer großen Schar
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Gantz neu zu Felde gieng. Desselben Macht zu dämpffen/
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und auch die Spanische zugleich recht zu bekämpffen/
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War nun kein möglich thun. Derhalben sinnte man
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Den fernern Streit mit Cölln dem Haus’
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Und kam des Baudis Volck hierauf nach Nieder-Sach- sen/
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Woselbst der Held Bannier ein Heer im vollem wachsen
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Auf frischen Beinen hatt. Er/ Baudis/ aber nahm
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Den Abscheid/ biß der Fied aus Prag zum Kriege kam/
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Da fieng er wieder an Cur-Sachsen beyzustehen/
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und auf das Schweden-Heer sehr feindlich loß zu gehen/
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Wie endlich folgen soll. Was that Cur-Sachsen nu?
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Was that Cur-Brandenburg? Nun will ich diesen zu.
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So bald die große Schlacht bey Lützen war geschehen/
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Begunten beyde Theil in Schlesien zu gehen/
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Mit deß von Thurn und dann des Tubadls Schweden-
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Sich stärcker außzuthun/ und wurden jhrer mehr
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Als zwantzig tausend Mann/ die alle streitbahr waren.
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Weil Carel Hannibal von Dohna große Scharen
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Von zehen tausend Mann aus Pohlen herwertz bracht’/
241
Als nahmen diese vier denselben Zug in acht
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und hieben tausend Mann bey Grota zu der Erden/
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Auch halb so viel bey Brieg derselben loß zu werden.
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Das gantze Heer zerstob. Hierauf so galt es Brieg/
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und folgends Franckenstein. Ein außgelesner Krieg/
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Wo stets gesieget wird. Sie wurden beyd’ eröbert/
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und wurde Franckensteins Besatzung so gestöbert/
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Daß nicht der dritt’ entkam/ zwey hundert blieben todt/
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Ein andre Feinds Parthey hatt’ auch nicht wenig Noth/
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Die Hulderich/ der Printz aus Dennemarck/ bestritte/
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Der aber bald hernach selbst auch den Tod erlitte:
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Man bat jhn auf ein Wort zur feindlichen Parthey/
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Er kam und scheute nichts/ war aller Sorgen frey/
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Weil man um diese Zeit von einem Frieden sagte.
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So bald er aber sich zu rücke wieder wagte/
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Bekam er einen Schuß/ daß er vom Pferde fiel
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und seinen Geist verlohr. Der gerne zancken wil
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Mag ein Verräther-Stück aus diesem Morde machen/
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Ich aber laß es seyn/ und handle meine Sachen.
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Nur dieses sag ich noch: Ach es war schad um dich/
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Du Königlicher Printz/ du tapfrer Hulderich!
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Nach dem die Sächsische so guten Fortgang kriegten/
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und nechst den Schwedischen bald diß/ bald das befiegten/
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Ermanneten sie sich in dreyßig tausend Mann/
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und boten jhrem Feind ein offnes Treffen an.
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Er aber/ Wallenstein/ von 40000. Knechten
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und mehrern starck/ hielt ein und hatte zu dem Fechten
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Jm Felde wenig Lust/ weil jhn die Lützner Schlacht
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und Hertzog Bernhards Art hatt’ ernstlich scheu gemacht.
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Als man jhm Stahl entbot’/ entbot’ er göldnen Frieden/
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Ließ aber mitlerzeit viel grimme Waffen schmieden/
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und unter Holckens Hand bey zehen tausend Mann
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Gantz Meißen überziehn. Diß trieb Cur Sachsen an/
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Jhr Volck aus Schlesien in Meißen einzubringen/
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Des Holckens seiner Macht den Vorthel abzuspringen.
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Wie nun die Schwedischen allein/ fiel Wallenstein
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Denselben als ein Bähr und Fuchs bey Steinau ein/
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und schlug 2000. Mann/ nahm beyde Generalen/
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Den Thurn und Tubald weg. Diß solte das bezahlen/
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Was jhm bey Lützen wnrd’/ und war der erste Sieg/
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Den dieser Wallenstein in allem Schweden-Krieg
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Erhalten hat/ der Mann/ vor dem gantz Deutschland zagte/
283
Wann er zu rasen kam/ und nach den Zeptern fragte.
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Hierauf so muste nun Graf Manßfeld von jhm hin
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und mit zehn tausend Mann Cur-Brandenburg beziehn/
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Wie Holck’ im Meißen that/ daß also diesen Landen
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Viel
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Entreißet/ tobet er/ wie man es hier vernahm/
289
Als der von Wallenstein bey Steinau Lufft bekahm.
290
Damit Cur-Brandenburg dem Feinde was gewachsen
291
Jm Felde möchte seyn/ berieff es von Cur-Sachsen
292
Jhr Volck/ und warb darzu was zu bekommen war/
293
Bot auch viel Land-Volck auf. Derselben große Schar
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Zu mehren/ und den Feind in seinen Platz zu treiben/
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Zog Bannier mächtig auf/ der Held/ von dem man schrei-
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und großes sagen wird/ so lang als Deutschland steht/
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und seines Königs Lob aus unserm Munde geht.
298
In dem man rüstig war den Feinden zu begegnen/
299
und bat/ daß GOtt der HEer die Waffen möchte segnen/
300
Dann Er/ der HErr/ giebt Sieg/ kam eine Zeitung ein/
301
Es hätte Gordons Spieß den großen Wallenstein
302
In Eger
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und mehrern lüstern war. Diß kriegte der zu Lohne/
304
Der den Gesalbten schlug. Nicht bässer hatt’ es Holck/
305
Den eine strenge Pest mit seinem halben Volck
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In Meißen nieder warff/ also/ daß alles Meißen
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Vom Feinde ledig wurd’/ eh jemand jhn zu schmeißen
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Vor seine Stirne kam. In dem diß hier verlieff/
309
Auch Hertzog Bernhard weit um sich in Bäyern griff/
310
Daß sich das meiste Volck in Böhäim must erheben/
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Darwider Dienst zu thun/ das nach des Albrechts Leben
312
Des Käysers erster Sohn/ der Dritte Ferdinand/
313
In seinem Zäumen hatt’/ ein Herr/ dem alles Land
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Ob seiner Gütigkeit soll zu Gehorsam stehen/
315
War Manßfeld gantz allein und leicht zu übergehen.
316
Man trieb jhn aus der Marck und nahm ihm wieder ab
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Was er gewonnen hatt’/ also/ daß er den Stab
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Nach Schlesien und fort nach Böhäim muste setzen/
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Hierzwischen hatte sich der Arnheim mit dem Götzen
320
Bey Lügnitz
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Jm Felde ligen ließ/ vom Leben abgethan.
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Worauf Cur-Sachsen sich mit Bannern einig machte/
323
und 40000. Mann vor Prag in Böhäim brachte/
324
Demselben ob zu seyn/ man schloß/ beschoß es auch/
325
und forderte den Feind nach Schwedischem Gebrauch
326
(ein Volck das gerne schlägt) ins freye Feld zu schlagen.
327
Weil aber niemand kam/ und es bey heißen Tagen
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Nicht gut zu Felde war/ dann es an Lufft und Bach
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Vor Menschen und vor Vieh und andern mehr gebrach/
330
Verließ man diesen Ort und gieng nach andern Plätzen/
331
Die dieses Reich vermag/ dieselbige zu schätzen.
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Was in dem tieffsten war/ das muste vor den Schein/
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Vor Kriegern kan noch Brod/ noch Gold verborgen seyn.
334
Jhr Stahl gräbt alles durch/ was ist hiervon zu sagen/
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Der Landsknecht ist ein Mensch/ und hat dergleichen Ma-
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Als ich und du/ und der/ er frist kein Haberstroh.
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Ein jeder suchet Geld/ der Landsknecht eben so.
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Wir lassen dieses Heer in Böhäim Beuthen machen/
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und gehen weiter fort/ zu sehen/ wie die Sachen
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In Nieder-Sachsen seyn. O wunderbahrer Krieg!
341
Ist auch Bestand dabey/ da immer Glück und Sieg
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Auf einer Seiten ist? Was unlängst Prag erlitte/
343
Erlitt’ auch Hildesheim/ das Hertzog Görg bestritte.
344
Dem Orte Schutz zu thun/ zog General Geleen
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Mit vielem Beystand auf. King hatt’ ihn kaum ersehn/
346
King/ ein berühmter Held/ da zog er ihm entgegen/
347
und schlug desselben Volck/ daß solches auf den Wegen
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Wie Holtz zersplittert lag. Worauf Geleen mit Rach
349
Das Höchster überfiel/ und alles was was er wach
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und wehrsam fund/ erschlug. Ein mehrers zu verhütten/
351
Zog Hertzog Görg auf jhn/ und schlug nach seinen Sitten
352
Denselben abermahls bey Boldern in die Flucht/
353
und nahm ihm Hamm darzu/ diß war die Sieges-Frucht.
354
Geleen zog nochmahls auf das Hildesheim zu freyen/
355
und ließ sich aber mals bey Steuerwald zerstreuen/
356
Das ihm Herr Andersohn/ ein Mann aus Schweden/ that.
357
Er kam zum vierdten mahl/ die höchst-bedrängte Stadt
358
Zu retten/ welches jhn zum vierdten mahl zerstreute/
359
Dann man bey Sachsenstätt’ ihm viel darnieder meyhte/
360
Daß er entfliehen must. Hierauf gieng Hildesheim/
361
Von allen Hülffen bloß/ in Schwedisches Gezäum/
362
Ein Ort von großem Werth. Anitzo will ich sehen
363
Wie es dem Bernhard mag/ dem tapfern Bernhard/ gehen.
364
Wir haben vor gedacht/ wie er der schönen Stadt/
365
Die von dem Regenfluß und Burg den Nahmen hat/
366
Geschwind hab obgesiegt/ und Stauff zur Lufft gespränget/
367
Nun aber wurd ein Schloß von seiner Macht bedränget/
368
Das Wiltzbnrg wird genannt. Der Beyer that Entsatz/
369
Es blieben aber wol drey hundert auf dem Platz/
370
und tausend im Verhafft. Ein gleiches ist den Scharen/
371
Die man Croaten nennt/ bey Eger wieder fahren/
372
Diß hatten Ros’ und Karpf/ zween Obersten/ gethan.
373
Nach diesem wolte man dem Cronach wieder an/
374
Wurd aber bald gewehrt/ weil Ferdinand/ der Dritte/
375
Des Käysers großer Sohn/ sein Regenfpurg bestritte/
376
und 60000. starck/ mit Altrings seiner Schar/
377
Die wieder muhtig gieng/ dafür in Waffen war.
378
Darum der gute Fürst/ vor solcher Mänge Waffen
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Der vielgeliebten Stadt gewündschten Schutz zu schaffen/
380
Sehr wach und eufrig war/ auch 20000. Mann
381
In einen Hauffen bracht’ und wagte sich hinan/
382
Der Stadt Entsatz zu thun/ must’ aber wieder weichen/
383
Dann es war seine Macht der andern nicht zu gleichen/
384
Woraus Gustavus Horn jhm bald zu Hülffe kam/
385
und einen andern Zug mit jhm in Bäyern nahm.
386
In welchem Zuge sie gantz Eicha flammicht machten/
387
Nach diesem Freysingen um Geld und Fahrniß brachten.
388
Auf solches gieng der Zug auf Landshut/ welche Stadt
389
Den höchsten Thurm bey uns nechst dem zu Straßburg hat.
390
Sie wurd’ in Ernst bedräut die Waffen abzulegen/
391
Sie aber schoß in Ernst jhr Kraut und Loth dargegen/
392
Damit gieng alle Macht in einem Sturm darauff/
393
Hierob kam Altringer und sein ergrimter Hauff/
394
Der Stadt Entsatz zu thun/ sah aber mit betrüben/
395
Wie jene dort und da die Stadt darnieder hieben.
396
Es gieng erbärmlich zu/ da waren Schwerdt und Glut/
397
Da war auch über diß des Jsers strenge Flut/
398
Die allesamt der Stadt ihr Volck sehr hoch bedrängten/
399
und über tausend Mann ersäufften/ würgt- und sängten.
400
Der in der Stadt verblieb verdorb durch seinen Feind/
401
Der sich ins Feld begab/ verdorb durch seinen Freind.
402
Dann wie die Bayrischen die Stadt verlohren sahen/
403
und keiner sich dem Feind in solcher dorffte nahen/
404
Da thaten sie als Feind. Was jener überließ/
405
Das nahmen diese weg. Der Altring schoß und stieß/
406
In Meynung seinem Volck hierinnen abzuwehren/
407
Umsonst/ es muste sich die Stadt zu Grunde kehren/
408
und Altring selber mit.
409
Daß jhm den weisen Geist aus seinem Cörper nahm.
410
Er war ein kluger Herr/ hatt’ aber wenig Glücke/
411
und gieng manch guter Raht in seiner That zu rücke.
412
Nach diesem allen gieng die Bäyerische Schar
413
Zur Donau wieder hin/ woher sie kommen war/
414
Das gute Regenspurg noch weiter zu bedrücken.
415
Die Schweden folgten nach und waren stets im Rücken/
416
Vermeynten auch der Stadt in Gut und Bluts-Gefahr
417
Noch eins Entsatz zu thun. Wie aber Altrings Schar
418
Zu spat vor Landhut kam/ kam diese gleicher maßen
419
Zu spat vor Regenspurg/ dann es in allen Straßen
420
Daselbst schon Käysrisch war. Es gieng am Pulver ab/
421
und dieser Mangel zwung die Stadt
422
Sie hat vier hundert und auch fünf und sechtzig Fälle
423
Aus jhr ins Käysers Heer und dessen fäste Ställe
424
Mit Sieg und Ruhm gethan. Sie wurde sieben mahl
425
Mit großer Macht gestürmt/ daß eine große Zahl
426
Von ihren Feinden blieb/ dann sie den sieben Stürmen
427
Von jhren Mauren auß/ Pasteyen/ Schantz- und Thürmen
428
Erschröcklich widerstundt’. Jhr Kriegs-Häupt war Lars
429
Kag/
430
Ein Held/ den auch sein Feind nicht anders nennen mag/
431
Als einen tapfern Mann. Es sey hierbey geschrieben/
432
Daß achtmal tausend Mann vor Regenspurg geblieben/
433
und umgekommen seyn/ und daß ein hundert Stück
434
Erschröcklich groß auf sie und jhre feste Brück/
435
Auf der drey Thürme stehn/ die viel zu schaffen gaben/
436
Mit Donnder-gleichen Macht auf sie gehagelt haben.
437
Daß funfzehn tausend Schüß aus Stücken auf die Stadt/
438
So lang sie Widerstand von jhren Wercken that/
439
Geschehen seyn/ ist wahr/ und würdig zu bemärcken.
440
Und wird derselben Mahl an Brücken/ Thürm- und Wer- cken
441
Nicht auß gelöschet seyn. Wie Hertzog Bernhard sah
442
Daß sein Entsatz zu spat/ und war er noch so nah/
443
Gieng er nach Augspurg zu/ woselbst er seine Scharen
444
Zertheilte. Die dem Horn in dem Gebiete waren/
445
Verreisten nach Tyrol/ der Spannischen Armee/
446
Die der Toledo bracht’ und damals in der Näh
447
Auf Deutschland loß zu gehn/ sich würcklich ließ vermercken/
448
Des Käysers seine Macht ein mehres zu verstärcken/
449
Ein Dorn und Damm zu seyn. Bernhardus aber gieng
450
Nach Lauingen/ woselbst er böse Post empfieng/
451
Daß Ferdinands Gewalt nach Donawerth und weiter
452
Zu gehen eilete/ wie dann 6000. Reiter/
453
Die man Croaten nennt/ mit Rauben/ Mord und Brand
454
und tausend
455
und auch an Donawerth gantz unversehens waren/
456
Hatt’ also Bernhard sich hier vieles zu befahren/
457
Zumahl weil Donawerth in Feindes Hände kam.
458
Daher er abermals den Horn zu Hülffe nahm/
459
Den Einbruch seines Feinds mit Macht zu unterbrechen/
460
Der schon bey Nördlingen sein Lager abzustechen/
461
und dessen Herr zu seyn/ sehr groß geschäfftig war.
462
Dem allen vor zu seyn/ kam Hertzog Bernhards Schar/
463
Des Horn/ des Birckenfelds/ des Durlachs seine Hauf-
464
und des von Würtenbergs/ sich um den Ort zu rauffen/
465
Hier wa: Lars Kag/ hier war der nunmehr Schwedsche Kratz/
466
und bracht ein jeglicher viel Völcker auf den Platz/
467
Zu sterben/ oder dann mit Ehren obzuligen.
468
Es ließ sich anfangs auch sehr herrlich mit den Siegen
469
Bey diesen Helden an/ wie dann bey Popfingen/
470
Gemünd und anderswo um Nördlingen geschehn.
471
Und sind bey Popfingen ein tausend Mann geblieben/
472
Die Hertzog Bernhards Volck mit Macht hat aufgerie-
473
Ein tausend bey Gemünd/ bey Aalen halb so viel.
474
Ich schweige wie gestreng der Ros’ aus Dünckelspiel/
475
Canofsky/ Commendant in Buchorn und bey Giengen/
476
Der Oberst Milneckhauß/ des Käysers Volck empfiengen.
477
In dem man beyderseits viel scharmuzierens trieb/
478
und sonder große Frucht viel Volcks darnieder hieb/
479
Kam
480
Des Käysers Hilf zu thun/ die vor sehr mächtig waren/
481
Der eine brachte mehr als sieben tausend Mann/
482
Der ander fast so viel zu dreyßig tausend an.
483
Nach dem sie Nördlingen zur höchsten Sorge brachten/
484
und die Belägerte viel Feuer-Zeichen machten/
485
Als Zeichen jhrer Noth und suchten also Schirm/
486
Zog Hertzog Bernhard an das mächtige Gestürm/
487
Zu ändern und zugleich an eine Schlacht zu gehen/
488
Sie ist auch bald darauf
489
In welcher Ferdinand den Lorber-Krantz empfieng/
490
und seines Gegners Macht fast gantz zu scheitern gieng.
491
Die gantze Reuterey wurd in die Flucht getrieben/
492
Das Fuß-Volck aber wurd’ erbämlich aufgerieben.
493
Durch Bley und Stahl erwürgt. Das mätzeln war so
494
groß/
495
(vorauß von dieser Schar/ die aus der Höllen Schoß
496
Entsprossen ist/ ein Volck/ das sonder allen Zweifel
497
Nichts anders ist und bleibt als Mensch-gestallte Teufel/
498
Diß
499
Das Mätzeln war so groß/ daß König Ferdinand/
500
Der fromme Ferdinand und Sieger muste sagen:
501
Hört auf/ es ist genug/ ihr habt genug erschlagen.
502
Ach freylich gar genug/ ein zehen tausend Mann/
503
Worbey der Sieges-Held sehr billich sagen kan:
504
Es ist genug/ hört auf/ die Menschen umzubringen/
505
Worauf 5000. Mann und mehr gefangen giengen/
506
Worbey Gustavus Horn/ Graf Kratz und Rosenstein/
507
Mit vielen Großen mehr verhafft gewesen seyn.
508
Hier fielen achtzig Stück und zehen tausend Pferde
509
Den Käysrischen anheim, Wie ich berichtet werde/
510
Hat dieser große Sieg dem Sieger mehrers nicht
511
Als funfzehn hundert Mann vom Leben hingericht.
512
Was diese Schlacht für Noth den Ländern hab erreget
513
Von Hunger/ Mord und Pest/ als es zu kommen pfleget/
514
Wo Mars das Zepter hat/ kan nicht beschrieben seyn/
515
und darum halt ich auch mit meiner Feder ein.

(Celadon von der Donau [i. e. Greflinger, Georg]: Der Deutschen Dreyßig-Jähriger Krjeg. [s. l.], 1657.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Georg Greflinger
(16201677)

* 01.01.1620 in Regensburg, † 01.01.1677 in Hamburg

männlich

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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