Des Deutschen Krieges Fünfter Theil

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Georg Greflinger: Des Deutschen Krieges Fünfter Theil (1657)

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AlS diese große Schlacht/ wie dann in vielen Jah- ren
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Kein Mensch dergleichen hat im Deutschen Land’ er-
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Da solche Mänge blieb/ zum Ende war gebracht/
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Gieng alles Schweden-Heer mit der Cur-Sachsen Macht
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Gerad auf Leipzig hin/ woselbst drey tausend Krieger
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Sich hatten eingesetzt/ die der beglückte Sieger/
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Gustavus/ alsobald zur früen
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Mit Ernst ermahnen ließ. Sie schlugen es nicht ab/
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und baten doch üm Zeit/ sich dessen zu berahten.
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Der König gieng es ein. Daß gleichwol ohne Thaten
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Die Zeit nicht übergieng/ ließ er Cur-Sach sens Schaar
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Vor Leipzig haltend stehn/ biß daß es über war/
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und gieng mit seiner Macht dem Feinde nachzusetzen/
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Der rund üm Mörseburg/ die Scharten außzuwetzen/
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Den Mars zu Hilffe bat. Hier gieng es wieder an
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Daß von des Käysers Volck bey dreymal tausend Mann
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Zu Pferd in Band und Schwerdt der tapfren Schweden
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fielen/
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Hier sah man abermahl nach Gut im Blute wühlen/
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Wovon manch armes Blut ein reichliches genoß.
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Nach diesem galt es Hall und dessen festes Schloß/
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Die Stadt ergab sich gern/ das Schloß hielt hart dargegen/
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Must’ aber endlich auch die Waffen niederlegen
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und gut Gustavisch seyn/ weil kein Entsatz nicht war.
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Hierzwischen wurd es auch mit Leipzig alles klar/
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und muste sich der Feind allda mit Gut und Leben/
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So starck und reich er war/ den Sächsischen ergeben.
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Drey tausend war er starck/ drey Tonnen Goldes reich.
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Diß war nun abermal dem Feind ein großer Streich/
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Worüber Stadt und Land in großen Freuden stunden/
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Dann beyde waren nun von einem Joch entbunden/
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Das unerträglich war. Weil GOtt ein Danck gefällt/
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So wurd’ auch überall ein Danckfest angeställt/
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Für solchen großen Sieg dem HERren Dauck zu sagen/
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Der durch ein kleines Volck kan große Hauffen schlagen.
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Indessen hatte sich auch Erfurt in die Hand
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Der Schweden eingesetzt/ worauf das Franckenland
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und Königshofen erst/ ein Platz von großer Stärcke/
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Sehr schnell bemeistert wurd’. Es halffen krine Wercke
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Die auf dem blatten Land und hohen Bergen sind/
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Der Schweden große Flut/ die durch gewündschtem Wind
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Sehr schnell getrieben kam/ zu dämmen und zu halten/
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Es war kein Hertz so heiß/ es muste da erkalten
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Wann es die Schweden sah. Was hatte Fugger nicht/
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Was Altring/ andre mehr/ für Hauffen aufgericht/
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Das Reich vor ärgern Stoß der Schweden zu bestützen/
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Umbsonst/ sie drungen durch mit donndern und mit blitzen.
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Daß alles forchtsam wurd’ und mancher schon entlieff
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Eh man jhm recht mit Ernst nach seiner Hauben griff.
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Damit kam Schweinfurt auch zu des Gustavus Händen/
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Der es als einen Paß am Mäyn an allen Enden
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Sehr starck verschantzen ließ/ und dann nach Würtzburg
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gieng/
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Woselbst der Raht aus Forcht in Demuth Jhn empfieng
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und Jhm die Schlüssel gab. Was aber in dem Schlosse
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Zu der Besatzung war/ das wehrte sich und schosse
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Sehr grausam nach der Stadt. Diß trieb den König an
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Das böse Nachbar-Hauß mit etlich tausend Mann
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und vielem Feuerwerck auf guten Sinn zu bringen/
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Er ließ auch alsobald das gantze Schloß beringen
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und große Stürme thun/ die Pforten sprungen auf/
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Da mit so gieng es an/ da fiel der helle Hauf
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Mit würgen auf das Schloß/ da musten Hirt- und Her-
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Weil keine Gnade war/ zu todten Körpern werden/
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Worauf das gantze Schloß zn plündern wurd’ erlaubt/
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Was es für Beuthen gab wird leichtlich nicht geglaubt.
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Da haben sie das Geld mit Hüten zu gemessen/
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Damit wurd alle Müh und Arbeit gantz vergessen.
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Diß glücklich außgericht/ besatzte man den Ort/
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und fuhr/ noch andern Sieg zu haben/ weiter sort.
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Ein Theil verfügte sich nach Wertheim an dem Meyne/
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Ein Theil nach Mildenberg/ von seinem milden Weine
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Vielleichte mild genannt/ und schlugen alles todt
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Was in den Waffen war. So gar hatt’ alle Noth
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Aus sonderbarer Rach die Käysrischen ümgeben/
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Daß ihr ergrimmter Feind/ der Schwed/ ihr Blut und Le-
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Wie keines Menschen hielt. Des Käysers Volck vernahm
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Daß Wertheim schlecht besetzt von Schweden wär’/ und
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kam
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Fast in drey tausend starck deßwegen angezogen/
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Auf sie Versuch zuthun/ wurd’ aber sehr betrogen.
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Der Anschlag wurd entdeckt/ dem Wertheim Hilf gethan/
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und in den Büschen rumb ein etlich tausend Mann
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Sehr heimlich eingesetzt. Ein Ort zu überraschen
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Darf Leuthe/ welche nicht aus ihren Schulen waschen/
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Sonst ists verlohren Ding. Wie nun des Käysers Schar
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Auf Wertheim unbesorgt in vollem Zuge war/
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Da kam von dort und da ein Schwarm auf sie geflogen/
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Daß sie gantz blutig hat den kürtzeren gezogen.
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Zwey hundert blieben todt/ das meiste kam zur Flucht/
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Wurd’ aber hin und her vom Sieger auf gesucht/
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So/ daß nicht viel entkam. Es sind auch zweymal sieben
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Von Fahnen und dabey ein großes Gut geblieben/
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Das gute Beuthen gab. Es nahm auch diese Zeit
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Herr Houbald Obrister/ mit List und Tapferkeit
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Die Vestung Hanau ein/ ein Ort sehr schwer zu kriegen/
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Er aber kunte sie so wunder-schnell besiegen.
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Eh man von jhm vernahm/ da war er schon davor/
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und eh ein Schuß geschah/ da war er schon im Thor.
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Aus welcher Vestung er die angelegnen Oerter
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Cur-Mäyntz/ die Wetterau und mehr durch scharffe Wör-
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Zur hohen Schatzung trieb. Es kam auch dieser Zeit
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Nicht weit von Rotenburg zu einem scharffen Streit/
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In dem die Käysrischen ein tausend Mann verlohren.
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Diß kam zu Mergentheim den andern kaum zu Ohren/
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Verließen sie die Stadt eh daß sie jemand trieb.
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Diß war den Schwedischen gewiß nicht wenig lieh/
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Daß sich so mancher Platz/ ohn’ alles widerstehen/
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Dann also war es auch mit Ascheburg geschehen/
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In jhre Hände gab. Bey dieser feinen Stadt/
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Die bald das schönste Schloß im gantzen Deutschland hat/
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Zog der beglückte Schwed mit zwantzig tausend Streitern/
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Dem Kern von seinem Heer/ theils Fußvolck und theils Rei-
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Der höltzern Brücken zu/ und gab sich übern Mäyn/
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Kam auch nicht lang darauf zu Sachsenhausen ein/
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Das Franckfurth öffnen ließ. Was wolt’ es widerstehen/
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Da war vor solche Macht kein Widerstand zu sehen
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Der jhr gewachsen war. Es gieng auch selber mit
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Dem König an die Hand/ ließ freyen Ritt und Schritt
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Durch seine Pforten hin/ und nahm 600. Schweden
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In Sachsenhausen ein. Von allem viel zu reden
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Bedörffte lange Zeit. Als Franckfurt Schwedisch war
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Stundt Höchst/ die nechste Stadt an Franckfurt/ in Ge-
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Der König ließ es auch den Abend noch beschiessen/
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und haben sich daselbst dreyhundert geben müssen/
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Den Schweden Dienst zu thun. Damit so war der Mäyn
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In Schwedischer Gewalt. Nun gieng es an den Reyhn.
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So bald es mit dem Höchst am Mäyne war geschehen
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Ließ man das müde Volck ein wenig ruhig gehen/
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Das langst dem Mäyn und Reyhn sich frölich nieder gab/
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Wo Wein und Brod und Vieh/ Gut/ Geld und ander
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Haab/
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Was solchem Volcke dient/ nicht weit zu holen waren/
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und hatten sich darzu sehr wenig zu befahren.
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Der Feind war aus dem Feld/ in Städten war wol was/
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War aber voller Forcht. So kam auch über das
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Mit zwölffmal’ tausend Mann der tapfre Fürst von Cassel
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Dem großen König zu/ der mit dem Stück-Geprassel
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und andren Ehren mehr jhn groß willkommen hieß/
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Und sich mit jhm sehr froh in Franckfurt sehen ließ.
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Indessen gieng ein Theil auf tausend Spanniarten/
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Die Wallof/ einen Paß/ dem Ringgau zu/ bewahrten.
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Es kam zu einem Stret/ in dem der Schweden Hieb
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Den Feind so trefflich traff/ daß fast die Helffte blieb.
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Wie nun die Schweden sich allhier so lustig hielten/
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und über jhren Feind fast täglich Meister spielten/
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Gieng Tylli groß von Macht und Grimm auf Nürnberg
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hin/
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und schloß die schöne Stadt/ daß keines was darin
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Heraus/ und was heraus hinein nicht kunte kommen.
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Der König hatte das durch Boten kaum vernommen
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Entschloß er Hilf zu thun/ und ließ das Hessen-Heer
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Auf das vor Nürnberg loß/ er eylte selbst auch sehr
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Mit seiner Macht hinnach/ den Feind hinweg zu treiben/
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Graff Tylli aber wolt’ ihm also lang nicht bleiben/
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Gieng durch/ verließ die Stadt. Sie hielt jhn auch nicht
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groß/
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Dann solcher bösen Gäst ist jeder gerne loß/
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Man kan sie nimmermehr erfüllen oder stillen.
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Hierauf veränderte der König seinen Willen/
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Und machte sich vor Mäyntz/ nahm aber/ eh der Reyhn
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Von jhm wurd’ angetast/ die gantze Bergstraß ein/
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Wo sonder Widerstand jhm alles offen stundte/
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Wo er auch alles voll von Wein und Früchten fundte.
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Die Bergstraß ist ein Land da Milch und Hönig flüßt/
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Das voll von Wein und Frucht und schönen Plätzen ist.
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In dem der tapfre Schwed sich an dem Reyhnstrohm machte/
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Geschah es/ daß der Heß fich in den Ringgau brachte/
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Nahm auch dit Wetterau/ deßgleichen Friedberg ein/
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Woselbst viel Spannische verwällt gewesen seyn.
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Nach dem diß alles war ins Königs Hand gekommen
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Wurd’ unverweilt ein Zug recht über Reyhn genommen.
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So bald der Vortrab sich bey Stockstadt übergab
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und jhn der Feind ersah/ da hielt er solchen ab
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So viel jhm möglich war/ es kam zu großem Streite/
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Daß also dieser Held von Schweden seine Leuthe
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In großen Nöthen sah/ dieweil des Feindes Schar
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Fast dreymal mächtiger/ darzu in Vortheln war/
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Worob des Königs Hertz fast schmertzlich sich betrübte/
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Dann es die Seinige wie seine Glieder liebte.
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Noch gleichwol wehrte sich der Vortrab wie ein Löu/
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Biß daß sein Nachdruck kam/ der jhn von Nöhten frey/
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Hergegen seinen Feind voll Forcht und Schrecken machte/
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Darzu auch also bald zum schnöden fliehen brachte.
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Diß glücklich außgericht/ wurd’ in dem gantzen Heer
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Ein Beten angehört/ daß GOtt zu seiner Ehr’
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und seines Kirchleins Trost ein mehrers wolle geben/
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Worauf man alles sah sich übern Reyhn erheben.
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So bald die gantze Macht den Reyhn hinüber war/
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Stundt’ Oppenheim/ die Stadt/ in eußerster Gefahr/
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Kam auch mit Sturm an sie/ das Schloß hierbey inglei-
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Diß zwung die Lottringer aus Worms hinweg zu weichen/
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und sich nach Franckenthal zu geben. Diß gethan/
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Kam alles rund üm Mäyntz/ die Stadt zu schlüßen/ an/
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Worauf auch alsobald die groben Stücke brüllten/
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und alles in der Stadt mit Forcht und Schrecken füllten.
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Was solte solche thun/ da war kein andrer Raht/
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Weil kein Entsatz erschien/ als Schwedische Genad.
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Es kam auch anders nicht/ sie muste sich ergeben/
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Weil bey so großem Ernst und Sturm ihr Gut und Leben
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In großen Nöthen war. Der Spanjer must heraus/
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und der beglückte Schwed hergegen in das Hauß.
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Als Mäyntz erobert war/ da war es auch mit Bingen
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und Königstein gethan/ ein Ort nicht bald zu zwingen.
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Wir sehen aber wol/ wann uns das Hertze wund/
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So ist der gantze Leib geschwächt und ungesund.
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Hier folgten andre mehr/ als Baccherach am Reyhne/
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Hier wachsen/ düncket mich/ die allerbesten Weine.
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Es hat auch Baccherach den Nahmen vom Altar
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Des Bachus/ wie man sagt. Ich weiß nicht/ ob es wahr/
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Das weiß ich aber wol/ was hier für Wein zu finden.
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O edler Trauben-Safft voll Krafft uns zu entzünden/
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Daß wir ein größers thun als unsre Krafft vermag!
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Hier folgte Boppert nach/ und was der Schweden Schlag
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Nicht gern erwarten wolt’. Es ist fürwar zu reden/
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Daß mancher solchen Haß und Grollen auf die Schweden
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Getragen/ daß er nicht mocht harren fie zu sehn/
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Wie in der
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Daß man ein Ort verlief/ eh sich ein Schwed erzeigte/
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Weßwegen mancher Platz sich zu den Schweden neigte.
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Es war anjetzt das Fest der Weyhnacht für der Thür/
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So fiel auch sonsten viel von den Gesandten für/
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Die Franckreichs/ Engelands/ Cur-Pfaltz/ der Herren
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Staten/
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Cur-Cöllens/ Nürenbergs und andrer Werbung thaten/
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Darum Gustavus sich zu Mäyntz die hohe Zeit
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Zu feyern/ und hernach den Fremden gut Bescheid
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Zu geben/ was enthielt. Wir lassen jhn hierinnen
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und fehen/ was sein Heer im Felde mag beginnen.
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Der Reyhn-Graf machte sich zum festen Franckenthal/
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Er kam so bald nicht an/ siel eine große Zahl
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Von solcher Vestung aus/ in Meynung jhn zu schlagen/
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Wo nicht/ aufs wenigst jhn von solcher abzujagen.
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So gut jhr Anschlag war/ so übel war jhr Glück.
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Es traff sie alles selbst/ daß sie sich schnell zu rück
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und märcklich mit Verlust der jhren musten geben/
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Er bracht’ auch eine Hilf aus Spanien üms Leben.
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Diß war noch unverschmertzt/ kam ein halb tausend Mann
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Von Hertzog Bernhards Volck sehr still bey Mannheim an
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und tödtete die Wacht/ die unbehutsam wachte/
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Worauf es auch die Stadt in seine Klauen brachte/
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und alles nieder hieb was in Besatzung war.
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Diß war kein schlechter Ort. Ein andre Schweden-Schar/
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Die der Gustavus Horn/ Feld-Marschall/ klüglich führte/
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Bemeisterte Heilbron/ der kluge Krieger spürte
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Was diese schöne Stadt für ein bequämer Paß/
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Weßwegen auch der Feind sehr starck zu Pferde saß/
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Dem Ort Entsatz zu thun/ kunt’ aber nicht geschehen/
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Der Ort must an den Horn/ der Feind zu rücke gehen.
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Nun wurd’ auch Franckenthal und Heydelberg beschränckt/
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Auchma ncher Käyfrischer durchs Bauer-Volck gekränckt
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und üm den Halß gebracht/ weil solches solche Plagen
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ung grotze Tyranney nicht länger mocht’ ertragen.
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Jetzt war der Schweden Häupt/ deßgleichen sein Gemahl
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und König Friederich mit einer großen Zahl
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Von jhren Dienenden nach Franckfurt wiederkommen/
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und von der gantzen Stadt sehr herrlich aufgenommen.
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Verblieben auch daselbst zusammen eine Zeit/
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Biß daß der Ströhme Größ und wilde Strengigkeit
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Sich milder sehen ließ/ beschlossen mittler weile/
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Was maßen man den Krieg dem lang verjagten Theile
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Zum bästen führen konnt’. Es kam die frohe Zeit
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Des Frühlings an/ und daß der Stöhme Strengigkeit
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Durch heitre Lufft vergieng/ da brach der Löu von Schweden/
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Der große Held Gustav nach vielen unterreden
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Von Fronckfurt wieder auf/ und zog nach Creutzennach/
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Wie er dann auch mit Sturm in seine Pforten brach/
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und alles würgen ließ/ was man in Waffen fundte.
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Als aber dessen Schloß jhm tapfer widerstundte/
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Durch
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Worauf der Feind darin üm Gnade hat gerufft/
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Die jhm auch wiederfuhr. War also dieser Enden
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Fast alles/ Städt’ und Land/ den Schweden in den Hän-
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Biß auf das Heydelberg/ die Vestung Franckenthal
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und biß auf Philipsburg/ das ander allzumahl
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War in der Schweden Macht. Wir lassen nun den König
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Zu Franckfurt in der Ruh/ woselbsten jhm nicht wenig
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Zu Ehren wird gethan/ und gehn ins Sachsenland/
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Zu sehen/ was alda anjetzo für ein Stand/
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Ob es den Käysrischen daselbst was bässer gehet/
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Als es am Reyhn und Mäyn anjetzt mit jhnen stehet?
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Es sahe dieser Kräyß was die gethane Schlacht
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Für Forcht und Schrecken hatt’ ins gantze Reich gebracht/
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Ja/ daß sich niemand nun von solchem dorffte trauen
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In einer rechten Schlacht mit Schweden rum zu hauen.
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Deßwegen er ein Heer von sechsmal tausend Mann
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Zu Fuß’ und Pferde warb/ hielt auch beym König an
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um einen guten Held demselben vorzusetzen/
289
Der jhm den tapfren Todt/ des Feindes raub und schä-
290
Zu tödten/ überließ. Er kam auch in das Feld/
291
Zu welchem sich der Fürst und hochberühmte Held
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Georg von Lüneburg mit seinem Hauffen machte/
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Der ein fünf tausend Mann allein zu Felde brachte.
294
Ein großes war es daß der Brehmer Bischoff that/
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Der etlich tausend Mann für sich geworben hat/
296
Weil der von Gronßfeld jhn von allen Seiten plagte/
297
Auch seine treue Leuth’ aus Verden weg verjagte/
298
So gab er sich zur Wehr.
299
Zog General Bannier mit großen Hauffen auff
300
Von eylfmal tausend Mann zu Fuß und vielen Pferden/
301
Des öden Magdeburgs ein andrer Herr zu werden.
302
Jetzt gab sich Wißmar auch/ worauf dasselbe Heer/
303
Das es belägert hielt/ und keinen Feind nicht mehr
304
In Mecklenburg vernahm/ sich nach dem Brehmer machte/
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Daß also dieser Herr ein Heer zusammen brachte
306
Das sich acht tausend schrieb/ und Verden wieder nahm/
307
Bald aber auch darauf zu einem Streiche kam/
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Den jhm des Käysers Volck am Weserstrohm versetzte/
309
Daß man des Brehmer-Volcks drey hundert Geist-loß
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schätzte/
311
Jetzt gab sich Dömitz auch/ woraus 400. Mann
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(zweyhundert machten sich zum Pappenheim hinan)
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Mit jhren Waffen sind nach Mecklenburg gekommen/
314
und haben auch daselbst des Fürsten Dienst genommen.
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Es kam auch Magdeburg nunmehr an den Bannier/
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Nach dem des Käysers Volck mit einer List von hier
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Sich hatte weg gemacht. Jetzt wurd’ es gut befunden/
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Daß man den schlauen Held/ den Mann von hundert Wun-
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Vom Hause Pappenheim aus diesen Landen trieb/
320
Worauf der Held Bannier nach seiner Lincken hieb/
321
Der Fürst vou Lüneburg zur Rechten/ beyde thaten/
322
Was Helden zugehört/ doch ohne wolgerahten
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Jhm eines anzuthun/ er gieng sehr schlau dahin/
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und brachte dieser Zug dem Lande schlecht Gewinn.
325
Indessen machte sich ein ander Hauff an Verden/
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und muste solcher Ort nun wieder Käysrisch werden.
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Sie tobten auch anjetzt im gantzen Stifft herüm/
328
und war durchs gantze Land ein großes
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Vom Pappenheim erregt/ der Lüneburg bedröute/
330
und sich fast überall am Weserstrohm außstreute.
331
Bannier that was er kunt uud hielt jhn in dem Zaum/
332
Wie dann der Hessen Held jhm auch sehr wenig Raum
333
In seinem Rücken ließ/ darzu noch einen Hauffen/
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Der nach dem Pappenheim aus Cöllen kam gelauffen/
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Jhm Hilf zu thun/ vertrieb. Er nahm auch Paderborn/
336
Jtzt gieng auch Göttingen/ die feste Stadt/ verlohrn/
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und Goßlar noch darzu/ die beyde Gut und Leben
338
Zu retten/ sich an den von Weymar musten geben/
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Der Hertzog Wilhelm hieß/ und jetzt ein Feldherr war.
340
Mit welchem des Banniers beglückte Krieges-Schar
341
Zugleich zu Felde gieng. Genug von Nieder-Sachsen.
342
Was seh ich dort üm Prag für einen Streit erwachsen/
343
Wir wollen auch hinzu. Als Leipzig über war
344
und Meissen Feindes loß/ gieng der Cur-Sachsen Schar
345
Den nechsten Weg auf Prag/ als auf des Krieges Quäl-
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Besah/ bezwung es auch
347
Worauf das meiste Land sich an Cur-Sachsen hieng/
348
Dieweil es unter jhr des Glaubens Schutz empfieng/
349
Des Glaubens/ welchem es gezwungen muste fluchen/
350
und seinen
351
Der Cur Fürst kam auch selbst von Dreßden ab nach Prag/
352
und hielte da was Hof/ auch einen Danck-Fest-Tag/
353
An welchem überall in Prag des Luthers Lehre
354
Sehr froh geprediget und unserm GOtt zu Ehre
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Manch Lied gehöret wurd. Anjetzund nahm man ab
356
Die Häupter von dem Thurm und that sie in ein Grab/
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Die Häupter/ die das Häupt von Böhäimb ab ließ schlagen/
358
Die ließ der Sachsen Held geehrt zu Grabe tragen.
359
Nach diesem machte sich ein Hauff nach Eger hin/
360
Eh jhn der Raht ersah/ da war er schon darin/
361
Dann jhn die Bürgerschafft sehr gern hatt’ eingelassen.
362
Ob wol der Raht befahl die Waffen zu erfassen/
363
So war doch keiner da/ der jhm Gehöre gab/
364
und also nahm man auch den Elenbogen ab.
365
Es wurd auch Budeweiß von dem von Thurn berungen/
366
Man hat es aber nie bey dieser Zeit bezwungen.
367
Nach dem der
368
Was sich den Norden Löu im Deutschland unterfieng/
369
und was die Raute that/ da wolt er auch nicht feyern/
370
und übern Käyser her. Denselben zu besteuern/
371
Must’ eine große Macht nach solchem Lande zu/
372
Damit begab er sich auch wieder in die Ruh.
373
In dessen hatte man die Herren Jesuiten
374
Aus Prag hinweg gejagt/ weil derer Sinnen wüten
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Der Rauten gifftig schien/ dargegen kam die Schar/
376
Die Glaubens wegen lang aus Böhäim flüchtig war/
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Mit Freuden wieder ein/ kam also hier zu Lande
378
Die alte Glaubens Art fast zu dem alten Stande.
379
Bey dieser Zeiten Lauf hielt alles Pabstum Raht/
380
Was Art dem Lutherthum/ das nun viel Wunder that/
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Gewehret könnte seyn/ da wurd’ aus allen Seiten
382
Ein großes Geld gereicht/ das bey so großem streiten
383
(dann Geld erhält den Krieg) nicht muß gesparet seyn.
384
Diß alles reichte man dem Herrn von Wallenstein/
385
Ein neues Heer damit ins freye Feld zu bringen.
386
Er aber/ der nicht längst durch viel in vielen Dingen
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Sehr groß beleidigt war/ gab hier ein scheel Geschicht/
388
Diß alles ungeacht war gantz kein sparen nicht/
389
Dem Scheelen süße Wort und anders mehr zu geben/
390
Biß er sich lencken ließ/ und all sein Widerstreben
391
Gantz ab und tod erschien. Er nahm es endlich an/
392
und warb in kurtzer Zeit ein dreyßig tausend Mann/
393
Bey welchem Böhäim sich in großer Angst befundte/
394
Auch der Cur-Sachsen Macht in stetem Lärmen stundte.
395
Bald hatte dieser Sieg/ bald wieder Niederlag/
396
Bald jener eben so. Ein jeder sah auf Prag.
397
Und darum gab es auch üm Prag viel harte Stöße/
398
Die gleichwol/ wie man weiß/ von allzu grober Größe
399
Niemals gewesen sind. In dem der Waffen-Schmied
400
In voller Arbeit war/ erscholl das Wörtlein Fried/
401
Und wolte man anjetzt zu Torgau Friede machen.
402
Weil aber jhrer viel hier üm das jhre sprachen/
403
So wurde nichts daraus/ daher der Drummelschlag
404
An allen Orten war. Wir wenden uns von Prag
405
und gehen in das Reich/ zu sehen/ was die Waffen
406
Des mächtigen Gustavs allda für Wercke schaffen/
407
Der nunmehr Nürenberg/ die wolgebaute Stadt
408
und Aug des Deutschen Lands/ zu seiner Seiten hat/
409
Die unlängst auf die Schar des Tylli/ der sich spitzte
410
Derselben Herr zu seyn/ aus jhren Bechern blitzte/
411
Darzu ein großes Volck für Schweden werben ließ/
412
Das unter dem von Solms zu dem von Weymar stieß.
413
Es war vom Helden Horn das Bamberg eingenommen/
414
Aus dem er täglich ließ sein Volck für Forchheim kommen/
415
Das ein sehr fester Ort und annoch Jungfer ist.
416
Hierwider machte sich Graf Tylli sehr gerüst
417
Dem Ort Entsatz zu thun/ und Bamberg frey zu machen/
418
Dann Bamberg und sein Land hatt’ alle bäste Sachen
419
In Forchheim eingesetzt. Der Tylli kam heran/
420
und tödtete dem Horn ein etlich hundert Mann/
421
Daß er gezwungen sich von Bamberg must’ erheben/
422
und solches seinem Feind’ als Stärckern wieder geben.
423
Dann Bamberg ist ein Ort der groß und unbewallt/
424
Ja ohne Graben ist/ ein großer Aufenthalt
425
Der Pfäff- und Möncherey/ die gröste Stadt in Francken/
426
Sehr zierlich auf gebaut und rund herum von Rancken
427
auch süßem Holtze voll/ benetzt sich mit dem Mäyn.
428
Und weil sehr große Berg auf einer Seiten seyn/
429
Als ist es unbequäm dieselbe zu beschützen.
430
Kan anders nichts als nur zu guten Tagen nützen.
431
Hergegen aber ist das Forchheim eine Stadt/
432
Die klein und eben liegt/ auch starcke Wercke hat/
433
Ist auch/ wie vor gesagt/ stets unbesiegt geblieben.
434
Wie nun Gustavus Horn aus Bamberg war vertrieben
435
Zog er nach Schweinfurt hin/ wo seines Volckes war/
436
Umb welche Gegend er sein halb-zerstreute Schar
437
Sich wieder samlen ließ/ und/ weil jhn niemand triebe/
438
Daselbst biß zu des Häupts von Schweden Ankunft bliebe.
439
Indessen hielte sich der Tylli auch in Ruh/
440
und lag von Bamberg an biß bald an Amberg zu.
441
Bey welchem Lager sich die Nürenberger Weyden
442
und derer Städtichen ein großes musten leyden/
443
Weil man sie feindlich hielt/ und weil auch diese Stadt/
444
Die Schwedisch Volck einnahm und warb/ nicht Tyllisch
445
that.
446
Als aber der August-Gustavus wolt’ ich sagen/
447
Dem Horn zu Hilffe kam/ des Tylli nechstes schlagen
448
Zu rächen/ machte sich Graf Tylli aus dem Staub/
449
und gab den Schwedischen die gantze Pfaltz zum Raub.
450
Jetzt
451
sehen/
452
Wo jhm nicht wenig ist von Ehr und Hilff geschehen.
453
Er hatte noch nicht voll zween Tage da verbracht
454
und seinen Leib erfrischt/ gieng er mit aller Macht
455
Des Tylli Hauffen nach/ noch eins mit jhm zu wagen/
456
Er aber ließ sich fort biß an die Donau jagen.
457
Worauf der König sich nach Donawerth begab/
458
und nahm die feine Stadt fast sonder Anstoß ab.
459
Damit so galt es Räyn/ den festen Paß nach Beyern/
460
Der an dem Leche ligt/ da muste Tylli steuern
461
So viel jhm müglich war/ er thats als ein Soldat.
462
Gustavus aber wust hierzu noch bässern Raht
463
Des Ortes Herr zu seyn/ als Tylli den zu schützen.
464
Hilf GOtt! wie sah man hier die Donnder-Stücke blitzen.
465
Wie donnderde der Goth biß er hinüber kam/
466
Bis daß des Tylli Macht die Flucht vom Leche nahm/
467
Die sich in einem Wald’ am Lechischen Gestatte
468
Zur großen Gegenwehr jhm widersetzet hatte.
469
Wie praßlete der Wald/ wann der Cartaunen Knall
470
Der strengen Kugel Macht/ der dicken Bäume Fall/
471
Das Pferd- und Mensch-Geschrey/ der Mußquetirer
472
paffen/
473
Der Sterbenden ihr Weh/ das schlagen auf die Waffen
474
Sich gräulich hören ließ. Der Wald erschlug so viel
475
Als das Geschütze that. Bey diesem Jammer-Spiel
476
(dann also nennet man der groben Stücke morden)
477
Sind über tausend Mann dem Feind’ erwürget worden.
478
Es traff den Tylli selbst/ wie jhm den bald hernach
479
Aus Schmertzen eines Schuß’s das große Hertz zerbrach/
480
und starb in Ingolstadt. Die Warheit sol es melden/
481
Daß dieser tapfre Graf ein Kern von vielen Helden
482
Alhier gewesen sey/ der große Schlachten that/
483
und große Sieg’ erhielt. So bald als Reyn/ die Stadt/
484
Der Paß nach Bäyern zu/ so gantz verlassen stundte/
485
Der Schwed auch über das sich jhr am Halse fundte/
486
Begab sie sich des Streits/ und ließ den König ein/
487
Worauf viel andre mehr an Jhn gekommen seyn.
488
Dann jetzo war das Thor in Bäyern aufgeschlossen/
489
Auch Augspurg eingekriegt eh daß es eins beschossen
490
und recht bedröuet wurd’. Es sah die Niederlag/
491
Des Tylli Flucht und Tod/ und daß der Schweden Schlag
492
Nicht wolt’ erwartet seyn/ Es sah an allen Enden/
493
Wo schon nicht stracks/ doch nechst sich in der Schweden
494
Händen.
495
So gieng das Deutsche Rom
496
Der von der Bürgerschafft mit hoher Ehr und Pracht
497
Wurd’ in die Stadt geholt. Die Päbstler musten weichen
498
und den Verstoßenen die Schlüssel wieder reichen/
499
Worob die Bürgerschaft in großen Freuden war.
500
Indessen machte sich des Bäyer Fürsten Schar
501
Zur Vestung Ingolstadt/ daselbst den Fuß zu setzen/
502
und allen Fleiß zu thun die Scharten außzuwetzen.
503
Der König folgte nach/ der Beyer nahm die Flucht/
504
Worauf man allen Weg zur Vestung hat gesucht/
505
Derselben Herr zu seyn. Man ließ die Stücke pflantzen/
506
Beschoß es/ nahm jhr auch zwey wolgelegte Schantzen/
507
Half aber alles nichts. Man weiß/ daß Ingolstadt
508
An Vestungen nicht viel von jhres gleichen hat.
509
Kam jhr ein Donnder zu/ sie donnderte dargegen/
510
Wovon das bäste Pferd sich muste niederlegen/
511
Das den Gustavus trug/ mit welches weisser Haut/
512
Die man daselbst gefüllt im Waffen-Hause schaut/
513
Sehr groß geprahlet wird. Gustavus war in Nöthen.
514
Man sah auch jhr Geschütz den Held von Durlach tödten/
515
Der sehr betauert wurd’. In dem dieß hier verlieff
516
That der ergrimmte Löu von Bäyern einen Griff
517
Nach Regenspurg/ und brachts
518
Worauf Gustavus Horn/ der solchem vorzubauen
519
Befehlcht/ und fleißig war/ sich wieder rückwerts gab/
520
und ließ der König nun von Ingolstadt gantz ab/
521
Weil er den Ort zu starck und wol bemannet fundte/
522
Dargegen jhm der Weg nach Mönchen offen stundte/
523
Wie er dann alsobald sich auch dahin erhob/
524
und lag der schönen Stadt
525
Aus der er großes Geld und hundert Stücke brachte/
526
Die jhm ein Bauersmann aus Einfalt kuntig machte.
527
Auf welches dieser Held sein Kriegs-Heer mustern ließ/
528
Dabey er sich auch selbst sehr freundlich brauchen ließ/
529
und war sein stetes Wort: Jhr Freund’ und Cammeraden/
530
Jhr lieben Brüder jhr/ jhr redlichen Soldaten.
531
Wit welchen Worten er des Volckes Hertz bezwung/
532
Daß fast ein jeder sich für jhn zum Tode drung.
533
Nach dieser Musterung gieng er mit allen Helden/
534
Die wir zwar eben nicht mit Nahmen können melden/
535
In einen Tempel ein und danckte seinem HERrn/
536
Daß er sein Heer mit jhm so glücklich und so ferrn
537
Herum geführet hatt’ und manchen Sieg gegeben.
538
Er ließ auch predigen/ daß bey der Menschen Leben
539
In solcher Lehre nicht allhier geschehen war.
540
Daher der Pöfel sich/ die arm-verführte Schar/
541
Sehr groß verwunderte/ das wir/ als Lutheraner
542
An Christum gläubeten/ weil jhre Kriegsvermahner
543
und Priester jhnen uns so schändlich bilden ein/
544
Als solten wir auf sie pur-lautre Türcken seyn/
545
Die weder GOttes Wort noch eine Tugend liebten/
546
Die sich alleine nur in Lust und Lastern übten.
547
So scheußlich werden wir im Pabsthum abgemahlt/
548
Daher gesengt/ gebrennt/ gesotten und gepfahlt/
549
Geköpfet und erhenckt/ und ob schon dieses Morden
550
Nunmehr gestillet ist/ ists doch begangen worden.
551
Wohin? Verlauf dich nicht. Die Predig war gethan/
552
Worauf das Norden-Häupt auf seiner freyen Bahn
553
Dem Pöfel etlich Gold und Silber ließ verstreuen/
554
Der solches mit Glück zu dem großen König schreyen
555
Zum Denckmahl samlete. Dann es ist einmal Ja/
556
Es leugnets auch kein Feind/ der diesen König sah
557
Kunt’ jhm nicht feindlich seyn/ sein Antlitz war zu prächtig/
558
und GOtt/ der Helden Held/ in diesem Helden mächtig.
559
Gleich wie
560
Vor der Carthager Häupt der Dido schönen Thron/
561
Aus Mormor/ Silber/ Gold und Helffenbein erbauet/
562
Mit vielen Helden wurd’ erfreulich angeschauet:
563
Nicht anders/ eben so/ wurd’ auch Gustavus hier/
564
In des von Bäyern Stadt/ die eine rechte Zier
565
Von Deutschen Sitzen ist/ mit vielen tapfren Fürsten/
566
Die alle nach der Lust der Ablast pflag zu dürsten/
567
Erfreulich angeschaut. Da waren Friederich/
568
Der Pfaltzgraf an dem Reyhn/ Augustns/ welcher sich
569
Von Sultzbach Fürsten schrieb/ Bernhardus von den
570
Sachsen/
571
Ein Held/ der ewig sol mit seinem Lobe wachsen/
572
und andre große mehr. Wir lassen diese Freund’
573
und gehen in das Feld/ zu sehen/ was der Feind
574
Für einen Sieg erlangt/ der sich mit tausend Pferden
575
Aus Regenspurg begiebt/ der Schweden Tod zu werden/
576
Die üm das Freisingen sich haben eingesetzt/
577
Er wolte Schaden thun/ wurd’ aber selbst verletzt.
578
Dann jhn die Schwedischen mit einem starcken schüßen/
579
Als den Verrahtenen/ sehr böß willkommen hießen.
580
Diß trieb jhn wiederum in seinen alten Platz.
581
Den Schaden gut zu thun/ verfügte sich Graf Kratz
582
Mit zehen tausend Mann vor Weissenburg/ und kratzte
583
Die Schweden da so starck/ weil man sie spat entsatzte/
584
Daß er die Stadt gewann. Weil aber kurtz zuvor
585
Der Oberst Schlammersdorf des Landsbergs seinem Thor/
586
und noch ein ander Heer/ dem gantzen Oberlande/
587
Dem Füßen/ Ravensperg und mehrern nach dem Strande
588
Des schmalen Boden Sees wol hatten obgesiegt/
589
Als war an Weissenburg ein wenigs eingekriegt.
590
Es hatten sich anjetzt bey zehen tausend Bauern/
591
Den Schweden widersetzt/ die gleichsam wie die Mauern
592
Für das Tyroler Land und ihres wolten seyn/
593
Auf diese haueten drey tausend Schweden eiu/
594
und zwungen sie mit Macht den Waffen abzustehen.
595
Diß mochte nicht für voll ein Monat seyn geschehen/
596
Verboste sich diß Volck und fiel mit großer Stärck
597
In etlich tausend starck an die in Ravenspergk/
598
Schlug alles grausam todt/ was Schwedens Nahmen
599
führte.
600
Daher der Oberste/ der nun zu
601
Das auch gut Schwedisch war/ ein etlich tausend Mann
602
Zu Hauffen samlen ließ/ dann es kam Zeitung an/
603
Daß sich ein Käysrischer aus Elsas mächtig machte/
604
Den Bauern Hilf zu thun/ diß alles aber brachte
605
Den Bauern anders nichts als
606
und kam fast all jhr Haab in einen großen Brand/
607
Dann sie der Schweden Faust bey hunderten entleibte/
608
und ihre Dörffer noch durch Brand zur Lufft versteubte.
609
Wer hat es je gehört/ daß sich ein Bauern-Krieg
610
Sehr wol geendet hat? Bekomt er einmal Sieg
611
So folgen neunmal Schläg. Es wollen bey dem Schla-
612
Vernunft und Glücke seyn/ das grobe Flegel-tragen
613
Ist viel zu schlecht darzu. In dem diß hier verlieff
614
That eine Feinds Parthey auf Speyer einen Griff/
615
und zwung die Schwedische den Recht-Platz zu verlassen/
616
Worauf sie also bald sich allem anzumassen
617
Kein groß bedencken trug/ beplünderte die Stadt/
618
und nahm nicht einen aus/ wie viel er Titul hatt.
619
Hergegen wars mit Mäyntz und Mannheim wohl bestället/
620
und wurden nebenst Worms von Schweden starck bewället.
621
So schien auch der Verlust an Speyer wol ersetzt/
622
In dem das Bennfeld wurd’/ ein Ort sehr starck geschätzt/
623
Von dem Gustavus Horn mit großem Sturm eröbert.
624
Es wurden auch anjetzt viel Spanier gestöbert/
625
und in den Sand gebracht/ die man aus Niederland/
626
um eine Hilf zu thun/ hatt’ an den Reyhn gesand/
627
Die Axel Oxenstirn/ der Cantzler von den Schweden/
628
Von dessen Raht und That Europa weiß zu reden/
629
Sehr schlecht willkommen hieß. Er war nicht nur ein Raht
630
und Cantzler/ sondern auch ein tapferer Soldat/
631
Wie diese Spannier das Zeugniß werden geben/
632
Die über Halß und Kopf sich musten rückwerts heben.
633
Jetzt fiel auch Brandenburg mit einer Schweden Schar
634
In Schlesien/ und zwung was jhr entgegen war/
635
Großglogau/ Sprotau/ Steyn und Sagen/ Freystadt/
636
Jauer/
637
und wurd’ jhr alles das zu zwingen wenig sauer/
638
Weil alles zaghaft war. Dagegen fiel der Held
639
Von Pappenheim mit Macht in das Casseler Feld/
640
Must’ aber bald darauf dasselbe wieder meyden
641
und in das Niederland/ dem Mastrich/ das im Leyden
642
und letzten Zügen war/ ein Trost und Hilf zu seyn/
643
Diß alles ungeacht nahm Holland solches ein/
644
und ließ an jhn das Feld. Ja/ was noch mehr zu sagen/
645
Es wurd auch nun der Sachs aus Prag hinweg geschlagen
646
Durch den von Wallenstein/ der eine große Macht
647
Von 60000. Mann nun frisch hatt’ aufgebracht.
648
Das Eger folgte Prag/ und dem der Ellenbogen/
649
Worauf der Wallenstein nach Nürenberg gezogen/
650
Dem sich des Beyers Heer sehr bald zur Seiten gab/
651
Den König/ seinen Feind/ aus seinem Bäyern ab
652
und vor das Nürenberg/ als seine Stadt/ zu bringen/
653
Wolwissend/ daß er jhr für allen andern Dingen
654
Würd Hilff und Beystand thun. Es gieng auch alles an/
655
Der König säumte nicht mit eben so viel Mann
656
Als Wallenstein vermocht auf Nürenberg zu gehen/
657
Der guten Stadt für jhm auch kräftig bey zu stehen.
658
So stundten nun allhier zwey Heer von großer Macht/
659
Auf hundert tausend Mann und noch vielmehr geacht/
660
Die sämptlich wolgeschickt zum ernsten Fechten waren/
661
Die Proben wiesens aus. Als aber beyden Scharen/
662
So wol der’ guten Stadt/ die Seuch und Hungers Noth
663
(ich hatte selber da mehr Gold als liebes Brod)
664
Hart auf dem Halse lag/ daß manche tausend starben/
665
Als brach der König auf/ eh jhm noch mehr verdarben/
666
und griff
667
Worbey Bernhardus hat gleich wie ein Löu gethan/
668
Der auf dem Berg hinauf/ wo sich der Feind enthielte/
669
und grausam in den Thal mit groben Stücken spielte/
670
Mit seinen Scharen drung/ und meynte/ daß der Dachs
671
Solt’ aus dem Loche gehn/ der tapfre Weymar-Sachs
672
Wolt’ in dem Felde sich mit seinem Feinde schlagen/
673
Er aber Wallenstein begehrt es nicht zu wagen/
674
Enthielt sich auch im Loch und brauchte für die Spitz
675
Auf seinen Gegentheil das donndernde Geschütz.
676
Als nun der König sah daß sich der Feind nicht regte/
677
und nur mit Stücken sich jhm grausam widerlegte/
678
Daß große Mänge blieb/ Bannier/ der große Held/
679
Verwundt/ und Torsten Sohn/ der sich hernach der Welt
680
Sehr tapfer hat bezeugt/ vom Wallenstein gefangen/
681
und daß sehr wenig wär auf dißmal zu erlangen/
682
Bewog es jhn den Feind zu lassen/ und zu sehn/
683
Wohin er/ wann er weg/ sich rüstete zu gehen.
684
Hierauf zertheilte sich der Feind/ und gieng der Bäyer
685
Nach seinem Bäyern zu/ das überige Feuer/
686
Von Schweden eingelegt/ zu dämpfen/ nahm auch Räyhn
687
Fast ohne großen Sturm in wenig Tagen ein.
688
Sa bald der König sah wohin sich dieser kehrte/
689
Erhob er sich geschwind/ damit er jhm verwehrte/
690
Was mächtigers zu thun. In dem als diß verlieff/
691
Daß der ergrimmte Löu hier nach dem Bäyer griff/
692
Fiel der von Wallenstein durch Francken in das Meißen/
693
Dem aber Bernhards Schwerd heroisch nach zu schmeißen/
694
Sich nichts bedämpfen ließ/ wie solches der Croat
695
um Coburg/ Schwabach/ Roth und sonst gefühlet hat.
696
Viel hundert kamen hier um ihr verteufelt Leben/
697
Viel hundert musten sich hier auch gefangen geben/
698
und nach den Bergen zu/ die in dem Schweden sind/
699
In denen man viel Stahl und gutes Kupfer find/
700
Für ihren Raub daselbst in Banden stets zu graben/
701
Die Marck und Bein bey uns vorher durchwühlet haben.
702
Wie nun der Schweden Held vernahm/ was Wallenstein
703
Vor einen Anschlag hatt’/ und daß es muste seyn/
704
Dem Sachsen Hilf zu thun/ weil man auf allen Seiten
705
Sehr schnell zusameu kam/ denselben zu bestreiten/
706
Dann auch der Pappenheim jhm in sein Land ein kam/
707
Ein audrer aber gar sein Leipzig wieder nahm/
708
Verließ er diesen Theil und eilete nach Meißen/
709
Nechst seinem Bernhard sich mit jhnen rum zu schmeißen.
710
Es wurde dieser Zug so schnell und streng geschätzt/
711
Als wann ein grimmer Löu nach einem Raube setzt.
712
Wann du von Weißenfels nach Leipzig wilst verreisen/
713
Wird unterwegens sich ein kleines Städtlein weisen/
714
Das schön zu Felde ligt und in die Ferne gleist/
715
Hat auch ein kleines Schloß das beydes Lützen heist/
716
Ist uns vor dieser Zeit nicht viel bekannt gewesen/
717
Nun aber kan man es bey allen Völckern lesen.
718
Dann Lützen/ Lützen ist der unbeglückte Platz
719
Wo alles Schweden-Reichs geliebster Trost und Schatz
720
und wo des Jsraels sein Josua geblieben.
721
O der verfluchten Faust/ die diese That betrieben
722
und Jhn erschossen hat! Dann wie des Feindes Heer
723
Zur Schlacht gewillt erschien/ ermahnten Sach und Ehr’/
724
Ob man schon dieses Theils am Volcke zu dem schlagen
725
Ein großes schwächer war/ mit solchem es zu wagen.
726
Daher der König sich nach seiner alten Art
727
Sich dort und da erwieß mit seiner Gegenwart/
728
Dem Volcke Muth und Sieg in seine Faust zu bringen/
729
Weil jeder seines Volcks mit dreyen solte ringen/
730
So mächtig war der Feind. In dem er Hilff und Raht
731
Zu geben emsig war/ und dieses alles that
732
Was Helden zugehört/ gerieth er ohne wissen
733
In eine Feinds Parthey/ die Jhn mit vielen schüssen
734
Aus seinen Sattel warf/ daß jhn sein Geist verließ.
735
Wie aber Samson dort die Säulen nieder rieß/
736
Daß sich sein Feind mit jhm dem Tode must’ ergeben/
737
Also geschah auch hier. So bald des Helden Leben
738
Sein Ende hatt’ erreicht/ that der berühmte Fürst
739
Bernhardus wie ein Löu/ den nach der Rache dürst/
740
und schry: Das Häupt ist todt/ wir wollen auch nicht leben/
741
Jhr Brüder lasset uns Jhm das Geleite geben.
742
Greifft seinen Würger an/ wie meine Rechte thut/
743
und nehmt gerechte Rach üm euers Königs Blut.
744
Damit so sahe man aus Menschen Löuen werden/
745
Die jhres Königs Blut mit schrecklichen Geberden
746
Zu rächen dröueten/ und brüllten/ daß die Lufft
747
Voll Rauch und Nebel wurd’/ es wurde Rach gerufft
748
So lang man Feinde sah/ daß also diese Löuen
749
Den Feind zerstreueten/ und jhm das große Freueu
750
Ob jhres Königs Fall vergällten. Diese Schlacht
751
Hat auch den Pappenheim/ den Helden/ umgebracht/
752
Den man so ungern hat im Pabsthum eingebüßet/
753
So ungern als man hier den König hat gemisset.
754
Wurd’ also dieser Sieg zu Lützen hoch erkaufft.
755
Es lag das weite Feld mit Feinden voll gehaufft/
756
Und wann die düstre Nacht nicht hätte Schutz genommen
757
So wäre Wallenstein sehr kahl nach Hause kommen.
758
Es blieb ihm ohne das ein trefflich großer Hauff
759
Von vielen tausenden mit dem Geschütz im Lauff.
760
Hat also Bernhard dich/ O König! wol gerochen/
761
Daß man biß diesen Tag von deines Feindes Knochen
762
Das Feld bestreuet siht. Was jauchtzet man zu Gath/
763
Was hüpfet Ascalon/ Philister eure Stadt
764
Daß dieser Josua das Leben hat verlohren/
765
Der unserm Jsrael zum Helffer war erkohren!
766
Bezäumet euren Mund und jauchtzet nicht zu sehr/
767
Dann Pappenheim ligt auch/ so ist auch euer Heer
768
Zur schnöden Flucht gebracht/ ist schon Gustav gestorben/
769
So ist doch Bernhard noch zum Streiten unverdorben/
770
und andre Helden mehr. Was euch der Himmel droht/
771
Das führt er auch wolaus/ ist schon Gustavus todt.
772
Man lese/ wo man dich von vielen Kugel-Wunden/
773
Gustavus/ theurer Held/ entseelet hat gefunden:
774
Hier hat der Schweden Häupt für Deutschland seinen Geist
775
Geopfert/ den GOtt liebt/ den alle Nach-Welt preist.

(Celadon von der Donau [i. e. Greflinger, Georg]: Der Deutschen Dreyßig-Jähriger Krjeg. [s. l.], 1657.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Georg Greflinger
(16201677)

* 01.01.1620 in Regensburg, † 01.01.1677 in Hamburg

männlich

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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