1
Eh aber Magdeburg zu solchem Blut und Bran-
de/
2
Zu solcher Schand und Schmach/ zu solchem Jam-
3
Als kaum in einer Schrifft von Brand und Blut bekannt/
4
(gOtt tröste) kommen war/ war Käyser Ferdinand
5
Wie auch das gantze Reich/ die jenen außgenommen
6
Die Evangelisch sind/ gen Regenspurg gekommen/
7
Zu rathen/ auf was Art die Lutherische Lehr
8
und dero Josua mit seinem tapfren Heer
9
Zu dämpfen (dann sie war dem Pabste viel vergiffter
10
Als Saracenen Gifft) auch die begehrten Stiffter
11
Zu kriegen möchten seyn. Mit Augspurg wars gethan/
12
Mit der berühmten Stadt. Nun solten mehr daran.
13
Als nun die anderen/ die solches solten fühlen/
14
Vermerckten/ wie der Pabst mit jhnen wolte spielen/
15
Versamleten sie sich gen Leipzig/ hielten Raht
16
Was hier zu machen wär’. Es war nunmehr zu spat
17
Mit Federn viel zu thun/ man muste zu den Waffen
18
und mit gesamter Hand der Freyheit Schutz verschaffen.
19
Es kam dem Käyser vor/ der bald daewider schrieb.
20
Weil aber jederman bey seiner Meynung blieb/
21
Der an der Forderung/ die-am- gar-nichts-zu-geben/
22
Als sah man überall die Lantzen hoch erheben.
23
Chur Sachsen häuffte Volck/ Chur Brandenburg nahm an/
24
Zur Folge sammlete bey achtmal tausend Mann
25
Der tapfre Weymar-Fürst Bernhardus für die Hessen/
26
Auch andre wolten sich in diesem nicht vergessen.
27
Als Käyser Ferdinand dergleichen Rüstung sah
28
Gieng/ wie man schätzen kan/ jhm das nicht wenig nah.
29
Er schrieb/ vermahnte/ trieb/ und doch war kein Gehöre/
30
Hierauf begab er sich sehr starck zur Gegenwehre/
31
Des Gegentheils Gewalt gewaltig abzuthun/
32
Worzu jhm Magdeburgs-Eroberung/ die nun
33
Jm Blut und Asche lag/ nicht wenig Hertzens machte.
34
Es gieng auch wie es jhm des Käysers Hertz gedachte
35
Bey vielen glücklich an. Dann da kam Fürstenberg
36
und bracht aus Wälischland nicht eine schlechte Stärck
37
An wolversuchtem Volck auf Würtenberg und Schwaben/
38
und zwung sie ungesäumt/ daß sie den Bund begaben/
39
und jhr geworben Volck erliessen. Diß gethan/
40
Kam er mit seiner Macht im Lande Francken an/
41
und stillet’ auch daselbst was sich im Bunde fundte/
42
Daß also dieses Orts sich nichts empören kundte.
43
Hierauf begab er sich zum Tylli/ der schon lang
44
Von Wien beordert war/ Chur Sachsen in den Zwang
45
und Hessen in den Sturtz mit seiner Macht zu bringen/
46
Weil sie die Feder nicht vermochte zu bezwingen
47
So solt’ es Tylli thun/ dann diesem war getrant
48
Daß er nicht fählen könnt. Er hat auch seine Haut
49
Gewaltig angesetzt/ und große Sieg’ erworben/
50
Nun aber war sein Glück mit Magdeburg gestorben.
51
Dann bald darauf gerieth sein Lager in den Brand/
52
und niemand wuste wie. Wodurch so manches Band/
53
Das viel aus Magdeburg beschloß/ ist aufgegangen/
54
Dann Magdeburg wurd halb erwürgt und halb gefangen.
55
Nach diesem zog er auf und fiel in Hessen ein/
56
Was sein verrichten war/ sol dann berichtet seyn/
57
Wann wir die Schwedischen vorher besuchet haben/
58
Die allem Lande nun genug zu schaffen gaben.
59
Es wurd’ auch dort und da denselben Hilf gethan/
60
Da kam Graf Hamilthon mit etlich tausend Mann
61
In vielen Schiffen an aus Engelland geschicket/
62
Er war auch trefflich starck bethalert und bestücket/
63
Nechst dem auch Franckreich sich zu großer Hilf erbot
64
Mit Volck und anderm mehr/ das der Soldaten Noth
65
In eine Freude kehrt. Des Geldes war kein schonen/
66
Es kam zu Tonnen an/ und auch zu Millionen/
67
Dann Geldt erhält den Krieg. Deßgleichen that der Zaar
68
Aus Moßkow/ der nunmehr mit Schweden einig war/
69
Entbote Volck und Korn/ durch einen seiner Großen
70
Aus Fürstlichem Geschlecht iu seinem Reich entsproßen/
71
Der groß nach jhrer Art von Pracht in Pommern kam/
72
Den der Stettiner Volck mit grosser Ehr’ annahm.
73
Der König kam auch selbst dahin jhn zu empfangen/
74
Wobey es trefflich hoch von Pracht ist zugegangen.
75
Der König hörete was sein Verrichten war
76
In freyen Feldern an/ vernehmend/ was der Zaar
77
Aus Moskow sägen ließ/ bedanckt er dessen Willen/
78
und wolte Deutschland nicht mit solchem Volck’ anfüllen
79
Das seines Glaubens Feind. Es war wol andrer Raht
80
Wann Volck gebrechen solt’/ als man auch in der That
81
Hernach gesehen hat. In dem der kluge König
82
Dem Russen Antwort gab und über das nicht wenig
83
Jhm Lust und Ehr’ anthat/ nahm Baudis Werben ein/
84
Woselbst viel Tyllische verwällt gewesen seyn.
85
Viel wurden fest gemacht/ die meisten musten sterben/
86
Als es im Kriege geht. Als Baudis diß mit Werben
87
Beging/ fiel Banners Volck den Dohm zur Havel an/
88
Gewann jhn und erschlug auch etlich hundert Mann
89
Jm Städtlein Havelberg/ (ein wolverwahrtes Wesen/
90
Ist jetzo sehr verschwächt/ und wird nicht bald genesen.)
91
Hierauf gieng Banner selbst zum festen Platz Gripswald/
92
(diß war der Käysrischen jhr letzter Aufenthalt
93
Durch alles Pommerland) begehrt es aufzugeben.
94
Perusi/ der es hielt/ begehrte da sein Leben
95
Zu enden/ oder dann den wolverschantzten Ort
96
Zu halten. Diß gesagt/ fuhr Banner etwas fort
97
Jhn mit Geschütze/ Schwerdt und Brand heraus zu treiben.
98
Perusi/ dessen Hertz hier Lebenslang zu bleiben
99
Vielleicht gewillet war/ beschützete die Stadt/
100
Wie sichs geziemet/ als ein Ritter und Soldat/
101
Wie er dann beydes war. Man lebe was zu loben.
102
Es trug sich aber zu/ daß dieser Held von oben
103
Ein Schwedisch Häuflein sah/ das seiner Mauern Vieh
104
Zu nehmen kommen war/ da fiel er unter sie/
105
Wust’ aber nicht davon daß in dem Grund’ und Büschen/
106
Ein großer Hauffe war/ auf jhn herfür zu wischen
107
Wann er die andern trieb. Eh’ als er sichs versah/
108
War rings um ihn herum ein großer Hauffen da/
109
Die ihm den Paß zu rück und auch das Leben nahmen/
110
Worauf sie bald hernach auch in die Vestung kahmen/
111
Damit war Pommern frey. In dem es war gethan
112
Kam der Gustavus selbst/ in Meynung/ diesen Plan
113
Zu stürmen. Als er sah/ daß solcher seinen Leuthen
114
Schon in den Händen war/ belobt’ er solcher streiten
115
Sehr Königlich/ und gieng darauf nach Gustrau zu/
116
Die Fürstenj Mecklenburgs zur alten Ehr und Ruh/
118
Wie es dann auch geschah mit mancherley ergetzen.
119
Dann nun war Mecklenburg fast alles wieder rein
120
Biß auf die Wißmar-Stadt und Rostock. Die allein
121
Bezeigten noch Gewalt/ die doch nach wenig Zeiten
122
Sich auch zerbrächen ließ/ dieweil der Schweden Streiten
123
Ein stetes Siegen wurd’. Es bracht auch eben nu
124
Des Königs Ehgemal acht tausend Mann herzu/
125
Wovon vier tausend Mann besagte Städt’ umfingen/
126
Vier tausend aber fort jns Königs Lager giengen/
127
Das um alt Brandenburg herum geschlagen war.
128
Nach dem der Schweden Held das fromme Fürsten Paar
129
Vom Lande Mecklenburg von neuen hatt’ erfreuet
130
und heim gebracht/ darzu jhr Volck/ das wie zerstreuet
131
In großer Jrre gieng/ gesamlet/ schied er ab/
132
Worauf er alsobald sich nach dem Lager gab/
133
Mit seiner Gegenwart sein Kriegs-Heer zu ergetzen.
134
Bald ließ er durch die Elb an Tangermünde setzen/
135
Das bald besieget wurd’ und alles im Gewehr
136
Erwürget/ diesem nach nahm er das gantze Heer
137
Mit sich nach Werben zu/ hier zwischen zweyen Flüssen
138
Der Havel und der Elb’ ein Lager zu beschlüssen/
139
Daß auch sehr bald geschah. In dem man dieses that
140
Befiel der tapfre Horn zu Grünberg in der Stadt
141
Achthundert Käysrische/ die meisten musten sterben.
142
Wir lassen nun das Heer der Schwedischen zu Werben
143
In festen Schantzen stehn/ und gehn dem Tylli zu/
144
Zu sehen was er doch dem Cassel-Hessen thu.
145
Wirhaben vor gedacht/ daß Hessen/ gleich wie Sachsen/
146
Cur-Brandenburg und mehr/ der Feinds Gewalt gewach-
147
und unverzagt zu seyn/ viel Volcks geworben hab/
148
Und weil dann keiner nicht dasselbige begab/
149
Wieviel vom Käyser wurd’ an sie darum geschrieben/
150
So solten sie mit Macht zu solchem seyn getrieben.
152
Nach diesem Hessen trieb. Was hier wurd’ umgebracht
153
An Gütern/ Menschen/ Vieh/ durch Thüringen und Meis-
154
Eh er an Hessen kam/ wird niemand löblich heissen.
155
Und eben dieses bracht am Hartzwald einen Schwarm
156
Von bösen Bauren auf/ der grausam im alarm
157
Viel hundert niederschlug/ daß auch die Todten lagen/
158
Als hätte Tylli sich mit Schweden rüm geschlagen/
159
und eine Schlacht verlohrn. Als er an Hessen stieß
160
und dessen Oberherrn durch einen sagen ließ:
161
Freund oder Feind zu seyn/ die Waffen abzulegen/
162
Fünff tausend Käysrische im Lande zu verpflegen/
163
Zur Contribution sehr bald bereit zu seyn/
164
und was noch anders war. Da war die Antwort: Nein.
165
Wir gehen keines ein. Wird jemand uns belasten/
166
So stehen wir gefast jhn wieder anzutasten.
167
Was war dem Tylli mehr befremdt als dieses Wort?
168
Auf welches er auch bald ergrimmt durch Hessen fort
169
und über Cassel wolt’. In dem er in Bereitung/
170
Das Land zu stürmen/ war/ bekam er böse Zeitung/
171
Wie sein verlassen Volck zur Elbe durch die Macht
172
Der Schweden meistentheils wär um den Hals gebracht/
173
Wie sich Gustavus hätt’ um Werben starck bewället/
174
Wie schlecht es Rostock gieng/ wie Wißmar wär ümstället/
175
Gripswald schon gar besiegt/ und wie die jene Schar/
176
Die mit Perusi hier in der Besatzung war/
177
Durch eine Schwedische Verfolgung/ weil ihr reisen
178
Der Abred’ ungleich war/ wär alle durch das Eisen
179
Gefallen. Diß und mehr bewog des Tylli Sinn/
180
Daß er von Hessen ließ und nach der Elbe hin
181
Mit grossem Eifer gieng/ am Schweden sich zu rächen/
182
Eh er noch weiter möcht ins Deutsche Reich einbrächen.
183
Ach welche Freude kam nunmehr ins Hessen-Land/
184
Als dieses Wetter war von jhnen abgewandt!
185
Man stellte Danckfest an/ es jauchtzten groß und kleine.
186
Ein Theil der jagte nach und machte schnelle Beine/
187
Da gab es Schläg’ und Beuth’. Als durch das gantze
189
Das Danckfest war gethan fiel man mit starcker Hand
190
An Hirschfeld/ nahm es ein und machte große Beuthen.
191
Nach diesem fieng man an auch Fulda zu bestreiten/
192
Das auch erobert wurd’/ und muste solche Stadt
193
Ein trefflich großes Geld/ das es versprochen hatt’
194
Als Hertzog Christian üm solche war gelegen/
195
Erlegen/ dieses war der Anfang von dem Segen
196
Des Cassel-Hessen-Kriegs. Auf/ auf und laß uns nach
197
Zu sehen wie der Held Graff Tylli seine Rach
198
Verübe. Seine Reis’ ist schnell/ er wil sich rächen/
199
Sich oder seinen Feind darob an Kräfften schwächen/
200
Es traff jhn aber selbst. Er kam so bald nicht an
201
und hielt bey Stendel Stand/ der tapfre Schweden-Mann
202
Fiel in der Nacht auf jhn und schlug jhm seiner Reiter
203
Bey sieben hundert Mann/ hätt’ jhn die Nacht noch weiter
204
Zu gehen nicht gehemmt/ er hätte dieß allein
205
Jhm viel zu wenig noch zum Siege lassen seyn/
206
Es hätten jhm noch mehr vom Feinde müssen sterben.
207
Mit diesem zog er sich nun wiederum nach Werben/
208
In seinen festen Platz/ und hielt sich da gantz still.
209
Wie böß auf diesen Schlag des großen Tylli Will
210
und Hertze sich erwieß/ ist schwerlich außzusagen/
211
Nun wolt er nichts als nur sich mit dem König schlagen.
212
Er kam/ uud schickte doch vorher ins Königs Heer
213
Ein abgefäumtes Paar/ die solten seiner Ehr
214
und Siege Schmiede seyn und das Geschütz vernageln/
215
Damit der tapfre Goth im Zorn nicht könnte hageln
216
und jhm zum Schaden seyn. Das außgeschickte Paar
217
Kam an/ und sagt’ es aus/ worum es kommen war.
218
Um einen größern Lohn vom König zu empfangen/
219
Als Tylli selbst verhieß/ da es war außgegangen/
220
Da war die List entdeckt. Der König säumte nicht
221
und hielte das Geschütz dem Feinde zu gericht
222
Nach Creutz-art loß zu gehn. Das gantze Heer war rüstig
223
und hielte dennoch sich wie schlaffend. O wie listig/
224
Des Feindes seine List zu schimpfen! Tylli kam
225
und fiel das Lager an. Als er kein Stück vernahm
226
Gedacht er/ seine List die wäre sieghafft worden
227
und rückte baß darauf. Da gieng der Knall von Norden/
228
Da giengen alle Stück um jhn erschrecklich her/
229
Als wie der Hagel tobt/ und wie das wilde Meer/
230
Wann es der Nord erregt. Da flogen Pferd und Reiter
231
In freyer Lufft herum. Da sah der tapfre Streiter/
232
Graff Tylli/ wie sein Glück so schändlich jhn verließ
233
und in die große Zahl der
234
Bey diesem Hauptgefecht hat Bernhard wol erwiesen/
235
Der tapfre Weymar-Fürst und Held/ was er nach diesen
236
Für Thaten würde thun/ er kam aufs dritte Pferd/
237
Kam doch gesund davon/ als langes Lebens werth.
238
Diß war der erste Ritt und Dienst/ den er dem König
239
Aus Schweden hatt’ erzeigt/ der jhn dann auch nicht wenig
240
In Ansehn hat gebracht. Nach diesem neuen Sieg
241
Zog er den Hessen zu/ derselben neuen Krieg
242
Zu fördern. Jetzund gieng Graf Tylli recht in Meißen/
243
Diß hatt’ jhn Wien nunmehr zum andernmahl geheißen/
244
und plagte Leuth und Land. Weil aber dieser Zeit
245
Der Cur-Fürst noch nichts that/ sich auch in keinen
247
Zu lassen/ sehen ließ/ als ließ jhn Tylli fragen:
248
Was endlich seiner Macht noch wäre nachzusagen?
249
Db er des Käysers Feind/ wo nicht/ ob er sein Heer
250
Dem Käyser lassen wolt’/ auf daß der Friedenstör/
251
(wie er den König nannt’) eh er der Deutschen Erden
252
Noch weiter donnderde/ könnt aufgeschlagen werden/
253
und was er anders mehr von jhm an Proviant
254
und Einnahm seines Volcks in alles Meißner-Land
255
Bedröuend fordern ließ. Hier ist zur Antwort worden:
256
Wir sehen täglich an das Brennen/ Rauben/ Morden
258
Die man von Türcken nicht und derer Anhang gläubt/
259
So ligt den Hirten ob die Heerden zn beschützen.
260
Dieweil nun eure Macht/ die überal zu blitzen
261
Jhr Fug und Macht ertiche/ gantz Deutschland sehr be-
262
und sonder Zweifel auch auf uns zn kommen denckt/
263
Als haben wir befugt das Schwerdt zur Faust genommen/
265
Dafür bewehrt zu seyn. Hier ist kein Proviant/
266
Hier ist kein Einlaß nicht für euch in unser Land.
267
Verüber jhr Gewalt/ jhr solt Gewalt erfahren.
268
Es komme nicht drazu. Wir sind von langen Jahren
269
Dem Käyser treu gewest/ und hoffen bässern Lohn
270
Als uns gedrohet wird. Diß war ein solcher Thon
271
Der bey den Käysrischen
273
Zum Käyser solte thun/ fiel mitten in das Land
274
und bracht es schändlich um durch Rauben/ Mord und
276
Der Cur Fürst schrieb an jhn dergleichen abzuställen/
277
Wo nicht/ so müst er wol Piq-gegen Piquen fällen/
278
Den Seinen Hilff zu thun. Diß alles ungeacht
279
Fuhr Tylli grausam fort/ daß Sachsen seine Macht
282
Must’ Arnheimb seines Heers Regent zum König hin/
283
Der noch bey Werben lag/ zu bitten/ daß er jhn
284
In dieser Kriegs-Gefahr nicht gäntzlich wolte lassen/
285
Vielmehr im Anzug seyn sich seiner anzumassen.
286
Der König gieng es ein/ und meldete dabey:
287
Das hab’ ich lang gedacht/ daß diese Tyranney
288
Auch euch betreffen würd. Ich hab’ es lang garathen
289
Sich zeitlich vorzusehn. Man lernet mit dem Schaden.
290
O hätten sich die Päß uns eher aufgethan!
291
Man sähe Magdeburg nun nicht so scheußlich an.
292
So hätten wir nechst GOtt mit unsern Sieges-Waffen
294
Gott räche diesen Mord und wilde Tyranney
295
und stehe kräfftiglich durch uns den andern bey/
296
Die glelche Noth bedroht. Wir wollen helff- und rathen.
297
Da samlet’ er den Kern der tapfersten Soldaten
298
Bey funfzehntausend Mann und gieng durch Wittenbergt/
299
Cur-Sachsen Hilf zu thun/ die durch des Tylli Stärck
300
In großer Schwachheit war und zimlich aufgerieben.
301
Es ligt ein Städtigen in Meissen/ nahmens Tüben/
302
Hier kam der Chur Fürst selbst für des Gustavus Mund/
303
Wie auch Cur Brandenburg/ und machten einen Bund/
304
Den Feind gesamter Hand von jhnen weg zu schmeissen.
305
Indessen dummlete Graf Tylli sich in Meissen
306
und zog vor Leipzig hin/ begehrete die Stadt.
307
Was solte solche thun? Die unerhörte That
308
An Magdeburg verübt und auch auf sie gedröuhet/
309
Wer hette solchem Grimm von Menschen nicht gescheuet?
310
Trieb Forcht und Schrecken ein. Zu dem war kein Entsatz
311
So eylends vor der Hand. So stund auch um den Platz
312
Ein grausam streitbar Heer von dreißig tausend Seelen/
313
Die kamen allesamt die gute Stadt zu quälen.
314
Und also brachte man die Stadt zur Ubergab.
315
Da zog jhr Feind hinein und jhr Geliebter ab.
316
Hier zwischen einigte sich Schweden mit Cur-Sachsen/
317
und weil der Cur Fürst sich dem Feind also gewachsen
318
Erachtet/ hielt er an/ der König möchte doch
319
Zur Schlacht gewillet seyn/ weil ohne die das Joch
320
Von seinem Lande sich nicht würde lassen brächen/
321
Er hoffte daß jhn GOtt würd’ an den Feinden rächen.
322
Der König aber war hier zu von schlechter Lust/
323
Dann es war jhm des Feinds sein Vorthel wol bewust/
324
Drum hielt er es für gut jhm etwas nachzusehen/
325
und wann ein Vorthel wär auf solchen loß zu gehen.
326
Diß alles ungeacht lag er dem König an
327
Zur Schlacht gewillt zu seyn/ der dann die nechste Bahn
328
Mit jhm auf Leipzig nahm/ des Feindes Macht zu brächen
329
und das vergoßne Blut von Magdeburg zu rächen.
330
Graf Tylli merckende/ das Sachsen nicht allein
331
Auf jhn im Anzug war/ dann es war jhm der Schein
332
Von solchem viel zu groß/ ließ keine Zeit zerrinnen/
333
Wind/ Höcht und anders mehr zum Vorthel zu gewinnen/
334
und dann erst loß zu gehn. Sein Wollen gieng jhm an/
335
So daß jhm guter Wind und ein bequemer Plan
336
Zu seinem Vorthel wurd. Es stund auch sein Geschütze
337
Nach seiner Lust gepflantzt/ mit Donnder und mit Blitze
338
Den starcken Gegentheil zu grüßen. Welch ein Gruß/
339
Darüber mancher Held sein Leben enden muß.
340
Diß alles war dem Häupt aus Schweden schwer zu wen-
341
Noch gleichwol traut er GOtt und ließ an allen Enden
342
um seine Feinde gehn den Vorthel/ Höcht und Wind/
343
und was für Dinge mehr zum Siege dienlich sind/
344
Eh es zum Schlagen käm’ auf seinen Theil zu haben/
345
um welche beyde Theil ihr Hertz zu sehen gaben.
346
Nichts minders thaten auch die Sachsen/ derer Macht
347
Den lincken Flügel hielt. Es kam zur großen Schlacht/
348
und zwar mit Sachsen erst. Dann Tylli ließ sich düncken
349
Das Hertz der neuen Macht das würde leichtlich sincken/
350
Brächt er nur die zur Flucht/ so wär es halb gesiegt/
351
So hätte Schweden schon mit jhm halb außgekriegt.
352
Seht/ wie der schlauhe Held sein Glück an Fingern zählte/
353
Das erste gieng jhm an/ das ander aber fählte.
354
Damit Chur-Sachsen sich zur Schlacht nicht ställen kunt
355
Hielt Tylli viel Gefechts. Er hielt es für den Grund
356
und Eckstein seines Siegs sie erst zur Flucht zu bringen.
357
Hilf GOtt! was ließ er nicht hier für Granaten springen/
358
Wie blitzt und donndert er bey zweyen Stunden lang/
359
Da weder diß noch das sie auf die Flucht bezwang
360
Gieng eine Macht auf sie von gantz geharnschten Reitern/
361
Hiemit so sahe man viel tausend sich zerscheitern/
362
Den da den dort hinauß.
363
Viel ruffte: Haltet Fuß/ kehrt um und wehret euch/
364
Erzeigt euch einen Mann/ thut Thaten ihr Soldaten.
365
Umbsonst/ Sie giengen durch/ da folgten die Croaten
366
und hieben unter sie/ daß viel im stiche blieb/
367
Vier Fahnen/ zwey Geschütz: In dem man diese trieb
368
Ließ Tylli mit der Post den Sieg nach Wien vetmelden/
369
Es war noch viel zu früh. Der Kern der bästen Helden
370
War noch nicht angetast. Es war noch nicht gethan.
371
Gustavus sahe das mit trüben Augen an/
372
und ruffte so zu GOtt mit tief-gebeugten Knyen:
373
Sol dann/ O HErr/ dein Volck vor deinen Feinden fliehen/
374
Gib deinem Namen Ehr’ und Sieg/ GOtt unser Hort/
375
Wir streiten für dein Volck und für dein heilig Wort/
376
Beweise deine Macht zu deines Nahmens Ehren.
377
Nach diesem ließ er sich vor seinen Völckern hören:
378
Jhr Brüder also stehts/ viel bässer in den Tod
379
Als in die schnöde Flucht. Es hat hier etwas Noth/
381
Gott hat wol öffter viel durch wenig Volck geschlagen.
382
Hier ist kein ander Heyl als GOtt und unser Schwerdt/
383
Der seinen König liebt/ voraus für Kirch und Herd
384
Zu fechten willens ist/ der folge meinen Thaten.
385
Diß Wort kaum außgesagt/ befiel er die Croaten
386
und schlug sie in die Flucht/ daß viel geblieben seyn/
387
Da brachte man die Stück und Fahnen wieder ein.
388
Diß Sieghafft außgericht entschloß der tapfre Streiter
389
Samt dem von Arnheimb nun mit aller Macht der Reiter/
390
(dann noch der meiste Theil von Sachsens Reuterey
391
Dem König standhaft war und ferner alle Treu
392
Zu leisten hoch versprach/) in seinen Feind zu brächen/
393
Weil anders seine Macht und hohes Hertz zu schwächen
394
Kein ander Mittel war. Merck aber diß dabey:
395
Es nahm der kluge Held bey solcher Reuterey
396
Verdeckt viel Fußvolck mit/ und nichts dann Musquetirer/
397
Von diesen allen war er selbst der erst’ und Führer
398
Dem Feind ins Hertz zu gehn. Er kam/ der Feind hielt
400
That große Gegenwehr/ biß sich der König wand
401
Halb da halb dort hinaus/ da giengen die Musqeten/
402
Da waren alle Feind’ in unverhofften Nöthen.
403
Das erste Glied lag blat/ das ander auf dem Kny/
404
Das dritte stund gerad/ und also hatten sie
405
Des Tylli Reuterey zum fliehen angestrenget/
406
Worauf der König sie gewaltig hat bedränget/
407
umbringet und gewürgt. Mit diesem war die Spitz
408
Vom Degen abgezwickt. Nun galt es das Geschütz/
409
Auch dieses fiel jhm heim/ nun sechszehn tausend Seelen
410
Zu Fuß/ er siegt auch hier und schickte theils den Hölen/
411
Theils nach den Banden zu. Der sich hat weg gebracht
412
Der that es einig nur durch Hilff der finstern Nacht/
413
Die endlich dem Gewürg’ ein Ende muste geben/
414
Sonst hätte niemand sich zu Fuße bey dem Leben
415
Zu halten Zeit gehabt. Auf solches ließ der Held
416
und große Sieges-Fürst im Blut-gefärbten Feld’
417
Ein Danck-Fest seinem GOTT/ als Siegs-Erhaltern/ hal-
418
Man sah jhn selber auch die tapfren Hände falten
419
und mit gebeugtem Kny dem Höchsten danckbar seyn.
420
Nach solchem lieferte man jhm die Fahnen ein/
421
Gefangene/ Geschütz und was aus solchem Streiten
423
Zu sehen lustig macht. Von Fahnen zwölfmal zehn
424
und dreymal drey darzu. Von Generalen zwen.
425
Von Fürsten einen/ und von Grafen/ weiß ich/ sieben/
426
Wobey der Feinde fast in achtmal tausend blieben.
427
Von Stücken fünfmal fünf mit aller Zubehör.
428
Mit welchem Löuen-Muth und Königlicher Ehr’
429
In dieser Schlacht den Sieg der König hab’ erfochten
430
Wird keiner Zeit genug von Weisen eingeflochten.
431
Des Feindes Macht war groß/ versucht/ unabgeschwächt/
432
Von vielen Siegen keck/ und hatte zum Gefecht’
433
Ein vorthelhafftig Ort/ auch Zeit sich zu beschicken/
434
Des Königs aber war entblöst von bästen Stücken/
435
Vom Reisen abgematt/ darzu denselben Tag
436
Gantz nüchtern/ blieb es auch/ biß daß der große Schlag
437
Sein Ende hatt’ erreicht. Der König selbst im gleichen/
438
Der auch nur einen Trunck von Wasser jhm zu reichen
439
Sehr oft geruffen hatt. Hier war nur eitel Blut/
440
Seht was ein König nicht üm seine Leuthe thut!
441
Kein Mensch erzehlts genug/ wie gleich und in dem Bogen
442
Viel vieler Kugel Art üm jhn herum geflogen/
443
Darüber er sich doch nicht einmal hatt’ entsetzt/
444
und blieb auch/ wie man weiß/ hier gäntzlich unverletzt/
445
Da er doch weder Helm noch einen Harnisch führte/
446
Wobey man seinen Muht als eines Löuen spürte.
447
Was nenn’ ich jhn allein/ der ungeharnischt war/
448
Es war es ins gemein auch seine gantze Schaar.
449
Dargegen war der Feind vom Häupte zu den Füssen
450
In Eisen eingepackt. Hierbey ist auch zu wissen/
451
Daß eben diesen Tag/ an dem diß Blutbald war/
452
Das arme Basewalck im abgewichnem Jahr
453
Erschrecklich leyden must’/ es ist nicht außzusprächen/
454
Wie man gehauset hat mit Weib- und Kinder schwächen/
455
Mit Morden und mit Brand. Hier siht man GOttes
457
Kommt sie gleich langsam an/ so bleibt sie doch nicht nach.