Des Deutschen Krieges Dritter Theil

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Georg Greflinger: Des Deutschen Krieges Dritter Theil (1657)

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Der Friede war anitzt mit Dennemarck geschlos- sen
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und niemand hatt
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Denn Deutschland fiel hierauff nur tieffer in den Krieg/
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Der Käyser aber selbst kam jetzt von seinem Sieg.
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Als nun kein Feind mehr war im Felde zu befinden/
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Fieng man mit Städten an. Von vielem überwinden
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Wuchs endlich so ein Hertz/ das jhm nicht anders dacht’/
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Als daß gantz Deutschland wär’ ein Dienst-bot seiner Macht.
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Es kam das gantze Heer ins Pommerland gegangen/
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Da hatte Wallensteins sein Hertz sich unterfangen
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Ein Meister von Stralsund und Herr der See zu seyn/
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Die man die Oost-See nennt. Dann weil des Glückes
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Schein
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und auch sein tapfres thun jhn hatt’ empor geführet/
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So daß die gantze Macht von jhm allein regieret
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und umbgeführet wurd/ erhob er sich fast sehr.
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War dieses viel/ so war diß andre noch vielmehr/
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Daß er gantz Mecklenburg zum Lehen hatt’ empfangen.
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War dieser alte Stamm vielleicht mit Tod’ abgangen
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Der hier zu herrschen hatt? Ach nein! man bund’ jhm auf
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Daß er dem Käyser hätt in dieser Kriege Lauf
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Viel widriges gethan/ hier von ist viel geschrieben/
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und darumb hat man jhn aus Mecklenburg getriben
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und diesen eingesetzt. Er hatte grosse Macht
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Die alle für Stralsund wurd’ in den Stand gebracht/
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Die Vestung/ welche sich ihm sperrte/ zu besiegen/
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und solte sie am Schloß des Himmels feste liegen/
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Wie seine Rede war. Stralsund kam in die Noth/
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und ob schon Ferdinand dem Wallenstein gebot’
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Auf solche nicht zu scharff mit seiner Macht zu dringen/
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So fuhr er gleichwol fort/ in Meynung sie zu zwingen.
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Was gibt ein solcher Mann/ der selbst wil Käyser seyn/
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Auf eines Käysers Wort? Man warff viel Feuer ein/
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Man stürmete darauf/ man drohte Schwerdt und Feuer.
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Stralsund hielt tapfer aus/ und gab dem grimmen Freyer
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So viel/ als solcher ihr. Er aber ließ nicht nach.
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Da aber diß und das zur Gegenwehr gebrach/
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Befohle sich Stralsund dem Könige von Schweden/
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Von dessen Tapferkeit man damahls schon zu reden
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Jm Oost und Westen pflag- Es hatt’ auch Christian/
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Der Dehnen Held/ hierbey vor jhm sehr viel gethan
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Mit Volcke/ Kraut und Loth. Gustavus nam die Schrei-
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Stralsund zu schützen und den Feind von jhr zu treiben
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Mit allem Willen auf. Weil aber diefer Zeit
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Er mit Sarmatten in einem Waffen-Streit
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Nicht weit von Dantzig lag/ wo sich auch Arnheim funde
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und mit Sarmatien jhm feindlich widerstunde/
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Es war des Käysers Will/ als gab er/ jhre Noth
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Zu mindern/ eine Mäng’ an Speise/ Kraut und Loth/
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Darbey was Volck und Trost selbst selbst bald anzukom-
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Dann aller Vorrath hatt’ aufs eusserst abgenommen/
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Weil die Belägerung fast in das ander Jahr
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Mit großem ungestühm hierümb beständig war.
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So bald in Pohlen war der Krieg zum Ende kommen
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Wurd’ über Meer ein Zug vom König vorgenommen/
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Der hoch-bedängten Stadt sehr bald und in Person
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Gewündschte Hülf zu thun. Viel sagen viel davon/
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Das er ohn
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und andre sagen so: Wann einer wird bedränget
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und zwar gantz unverschuldt/ wie diese Stadt Stralsund
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und alles Pommerland/ das auch des Kaysers Mund
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Gantz außer aller Schuld erkannt hat/ wie zn sehen/
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Hat da ein Freund nicht Macht demselben beyzustehen
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Auch gäntzlich unersucht. Es war dem Kayser frey
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Den Pohlen Hülff zu thun. So kam es ja wol bey
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Daß Schweden andern halff. Viel andre wollen reden
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Von vieler
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Durch Kayserliche Macht so lang hatt’ angethan.
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Es kam ein zimlich Heer vor dem Gustavus an
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Aus Schweden außgerüßt/ das kam auch bald zu Lande/
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Wodurch die gute Stadt aus dem betrübten Stande
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Zur alten Freyheit kam. Man sagt/ daß das Geschrey
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Vom Schwedischen Entsatz die Kayfrische Parthey
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Hab’ ab der Stadt gebracht. Hilff Gott in welcher Freude
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Befunde sich Stralsund/ die nun aus allem Leyde
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Durch GOtt und Gothisch Volck gewündscht befreyet war.
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Der sie nur neulich wolt’ in eußerste Gefahr.
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Vnd in den ärgsten Tod ergeben/ gab den Rücken
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So wunderlich kans GOtt mit einem Feinde schicken.
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Worauf die freye Stadt mit Schwedischer Gewalt
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Nach Rügen überfuhr/ woselbst ein Auffenthalt
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Von vielen Feinden war/ die Feinde musten leyden
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und oft bey hunderten aus diesem Leben scheyden.
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Die Insel wurde rein. Hier kam in jhren Freund
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Ein Muth/ hergegen Forcht und Schrecken in den Feind/
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Die der Gustavus sol sehr groß vermehret haben.
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Der auch/ weil GOtt und Wind jhm gut Geleite gaben/
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Mit einem grossen Heer sehr bald an Rügen kam/
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Wo er der Seinigen jhr Glück sehr froh vernam.
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Ais er das Land betrat begab er das Getümmel
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Des Volcks/ fiel auf die Kny und ruffte so gen Himmel?
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Du grosser Sieges-Fürst/ du starcker Zebaoth/
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Du aller Helden Held/ und aller Götter GOtt/
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Du Herscher über Meer/ des Himmels und der Erden/
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Kan dir nunmehr genug von mir gedancket werden?
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Daß du so glücklich mich mit meiner Krieges Macht
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Durch das ergrimmte Meer hast an das Land gebracht-
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Ich dancke dancke dir aus meiner Seelen-grunde/
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Dein Lob sol allezeit O HERR in meinem Munde
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Vor allen Völckern seyn. Ich bitte dich auch sehr/
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Du wollest/ was ich noch von meinem Krieges-Heer
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Jm Rücken habe/ mich mit Freuden lassen sehen/
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Du wollest auch O HErr bey unsern Waffen stehen
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Die deines Nahmens Ehr und deiner Kirchen Heyl
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Zu retten/ wir zur Hand genommen. HErr zertheil
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Der Feinde Macht für uns. Du wirst uns siegen lehren/
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Zu deines Häufleins Trost und deines Nahmens Ehren.
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So fieng nun dieser Held den unerhörten Krieg
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Mit ernstem beten an. Viel beten/ halber Sieg
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War seines Mundes Lehr. Als man die Zeitung hörte
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Wie sich Gustavus selbst dem Feind ins Auge kehrte/
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Wurd’ alles Land bestürtzt/ die Feinde wurden zag/
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Die Freind hergegen froh/ und war an diesem Tag
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An welchem er vom Meer in obbesagtes Rügen/
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Das ein beflossen Land bey Pommern/ war gestiegen
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Von wegen Luthers Lehr’ jhr erstes Jubel-Jahr/
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Worbey der tapfre Held selbst auch sehr eufrig war.
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Was jener Wunder Krieg von dem gesaget worden/
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Daß sich ein großes Heer mit streiten aus dem Norden
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Nach Süden hab
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Vom Südischen erlangt/ was dieser Wunder-Krieg
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Bedeutet habe/ sol anjetzt erkläret werden.
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Gustavus sah die Noth und mächtigen Beschwerden
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Die Deutschland und voraus das gute Pommerland
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und Mecklenburg erlitt. Es war ein folcher Stand
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Der zu erbarmen war
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Sein Siegs-gewohntes Schwerdt durch GOttes Krafft
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bearmte
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und nach dem Joche hieb/ das von der Päbstlerey
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War auf den Halß gelegt. Viel kamen freudig frey/
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Der erste Schlag gerieth auf Wollgast und gelunge/
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Wo das erzürnte Schwerdt in alle Feinde drunge/
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Die Einnahm war mit Sturm. Als andre dieser Art
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Vernahmen/ wie gestreng des Königs Gegenwart
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Verfuhr/ verliessen sie die Schantzen an der Schweine/
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Dem Hafen vor Stettin/ und brauchten jhrer Beine.
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Durch solches kam Stettin in einen freyen Stand/
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Dann dieses Kriegs-Volck war ein Feind an jhrer Hand
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und jhres See Ports Schloß. Als Wollgast war eröbert/
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Biß auf das Schloß/ der Feind auch aus Wöllin verstöbert
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und auch aus
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Zur Zuflucht/ nahm darauf die Reise nach Stettin.
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Als aber sich ein Sturm vom Südischen mit dröuen
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und aller Macht erhob die Flotte zu zerstreuen/
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Es kam auch zu der That/ so daß bald dort ein Schiff
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Gen Himmel flog/ bald da ein anders in die Tieff/
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Als in den Höllenschlund/ mit schrecklichem Getümmel/
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Sah dieser fromme Held mit Seufftzen nach dem Himmel/
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Fiel auch sehr hachbetrübt mit Andacht auf die Kny
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und ruffte so zu GOtt: Du hast mich ja noch nie/
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Wann meine Seele dich/ mein GOtt/ hat angeflehet/
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Verlassen/ hilf auch jetzt. Du sihest wie es stehet/
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Bedräue Merr und Wind und segne meinen Zug
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Zu deines Namens Ehr. O HERR es sey genug/
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Hör auf mit deinem Zorn! Diß Königliche Flehen
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Wurd’ auch sehr bald erhört/ der Sturm must untergehen
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und muste zu der Reis’ ein lieblich Wetter seyn.
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Man kam nicht weit davon mit schwangern Segeln ein.
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Das Volck wurd’ außgesetzt aus sechsmal zwantzig Schlf-
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Bey zehen tausend Mann/ die zu den Waffen griffen.
161
Stettin ergab sich jhm/ dann da war keine Macht
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Die jhm gewachsen war. Das Volck wurd’ außgebracht
163
und an den Wall verlegt/ die Stadt noch mehr bewället
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und allerley daselbst zum Feldzug angestellet.
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Gustavus setzte fort/ nam diß und jenes ein/
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Worzu viel Pommern selbst bedient gewesen seyn.
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Sie wolten lieber was als alle Last ertragen.
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Bald wurd’ ein Theil mit Macht erbärmlich todt geschla-
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Bald listiglich beringt und in den Dienst gebracht.
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Halff keiner Schlangen List/ so halff des Löuen Macht.
171
Die List war übergroß. Sie hilfft auch viel im Kriegen.
172
Der König hielte diß für ein geringes siegen
173
Wann er ein hundert Mann von seinem Heer verlohr
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und ein halb tausend schlug. Wie vielmals gab er vor:
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Ein Mensch der koste viel biß er zum Kriege tauge/
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Darumb ein jeder Herr im Krieg ein wachend Auge
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Nach solchem haben sol. Wie er dann selber that/
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Er schonte seines Volcks/ und wann er eine Stadt
179
beschloß/ so sah er nach den Feind darin bey Leben
180
Zu halten/ der sich dann must unter jhn begeben/
181
Hiemit so wurd’ er starck/ der Feind hergegen schwach.
182
Es halff auch viel darzu/ daß er geheimb und wach
183
In allen Händeln war. Er pflag auch offt zu sagen:
184
Das Hembd/ das ein Soldat am Leibe pflegt zu tragen/
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Sol unberichtet seyn des Jenen/ was er denckt/
186
Weil vielmahls aller Sieg an einem Anschlag henckt/
187
Auch alles
188
Dann von dem Rahtschlag kommt es endlich zu den Tha-
189
Wird der dem Feind entdeckt/ so wird die That zu nicht
190
und wird zum öfftern dem die Spitz ins Aug gericht
191
Der vor entdecktem Raht die Feinde wolte jagen.
192
Nach dem die Kaysrischen der Schweden List und Schla-
193
Der Vommern
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Betracht- und fühleten/ ergrimmte derer Wehr
195
Auf alles in dem Land/ auf Menscheu/ Vieh und Felder/
196
Man würgte klein und groß/ durch Städte/ Dörff- und
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Wälder/
198
Der Brand war überall. Man sah auch scharff dahin
199
Des Königs loß zu seyn/ zu welcher That Quintin
200
Sich zwar gebrauchen ließ/ die aber zu begehen
201
War GOtt jhm selbst im Weg/ als welcher alles sehen/
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Verhind- und fördern kan. Es kam auch eine Stund’
203
In der Gustavus sich vom Feind umbringt befund’
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Und in der höchsten Noth/ der aber von den Seinen
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Fast über seines Sinns und aller Feinde meynen
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Gewündscht erlöset wurd’ und zwar mit seinem Sieg’.
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Ein Feld-Herr/ der gleich frey im allerschärffsten Krieg
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und lustigstem Panquet/ als dieser ist gewesen/
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(fürwahr man kunt’ es jhm aus seinen Augen lesen
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Daß er ein König war und ein behertzter Held)
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Kommt leicht einmahl in Noht. Der diß hatt’ angestellt
212
War eben auch Quintin. Es wolte nirgends gehen
213
Wie es die Käysrischen gern hetten angesehen.
214
Drumb brauchten sie aus Zorn sich vieler Tyranney/
215
Von welcher Basewalck die Stadt ein Zenge sey
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und Bekün ja vorauß/ wo sie für bittren Thränen
217
Jhr außgestanden Leyd vermögen zu erwehnen.
218
Gustavus machte fich mit Bannern von Settin
219
und schiffte nach Stralsund/ woselbst jhn Mund und Sinn
220
Von den Erlöseten dreymahl willkommen hiessen.
221
Worauf die Käysrischen umb Gartz zusammen stiessen
222
Woselbst jhr Lager war/ und meynten an Stettin
223
Ein mächtiges zu thun/ sie zogen hertzhafft hin
224
Sehr traurig aber ab. Hergegen gieng der König
225
Auf Damgart einen Paß/ gewann jhn/ wo nicht wenig
226
Des Kayserlichen Volcks/ das theils in einem Thurm/
227
Theils in den Schantzen lag/ in einem grossen Sturm
228
Durch Schwerdt und Brand vergieng. Von allem viel zu
229
sagen
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Wil unsre Kürtze/ die wir brauchen/ nicht vertragen.
231
Wir schweigen manchen Streit/ der sich begeben hat
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und offt mit grosser Macht/ in welchem stets der Schad
233
Auffs Käysers Seyten fiel. Sein Heer wurd’ jmmer rin-
234
Hier halffen viel darzu der mächtige Bezwinger/
235
Den man den Hunger nennt/ darzu die Winterzeit/
236
So/ daß das gantze Heer/ durch Hunger/ Kält und Streit
237
Bezwungen/ endlich sich aus Pommern must’ erheben
238
und solches seinem Feind’ und Herren wieder geben/
239
Zwar lär und kahl genug. Es wich das gantze Heer/
240
Behielt auch überall in Pommern nun nicht mehr
241
Als Collberg und Gripswalt. Auch die auß jhren Händen
242
Zu reißen/ dann es war hieher auf
243
Ein großer Raub geführt/ wurd’ aller Fleiß gethan.
244
So daß man Collberg auch sehr zeitich eingewann.
245
Nach dem die Käysrischen umb Pommern waren kommen
246
Wurd jhre Reise schnell auf Franckfurt zugenommen
247
Das an der Oder liegt. Die Schweden folgten nach/
248
und waren jhnen stets mit würgen auf dem Dach.
249
Man nahm auch
250
Seelen/
251
Vier tausend musten sich in Band und Kerckern quälen/
252
Weil Tylli eben so vorher in einer Stadt/
253
Neu-Brandenburg genannt/ bey tausend Schweden that.
254
Hier war Graff Tylli schon des Kaysers Feld-Herr worden
255
und Wallenstein entsetzt/ weil solcher in dem Orden
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Der Maximinischen sich mercklich sehen ließ/
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und widern Käyser sich in vielem mehr verstieß.
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Als Franckfurt über war und Landsberg gleicher massen
259
Wurd auch Alt-Brandenburg vom Feinde bald verlassen/
260
und darauf Magdeburg vom Tylli gantz beschränckt/
261
Die alte Jungfer die/ und umb den Krantz gekränckt.
262
Was
263
Vielleichte weil sie sich nicht Päbstisch wolte nennen/
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Dem Käyser that sie nichts. Es waren dero Werck
265
und Mauren wol bewahrt. Herr Dietrich Falckenberck
266
Vom Schweden hingeschickt/ stritt wol/ auch alle Bürger/
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und zwar sehr lange Zeit. Ach aber ach! der Würger
268
Wurd’ endlich jhrer Macht zu starck/ die schöne Stadt/
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(weh dir verfluchter Mund/ der sie verrahten hat
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Es gieng verrähtrisch zu/) fiel endlich durch die Schärffe/
271
Wann ich die Augen nun auf deine Mauren werffe
272
So werff ich auch zugleich viel Thränen in den Sand
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umb deinen hohen Fall und unerhörten Brand/
274
Du vormahls schöne Stadt. Dein Schmuck ist wegge-
275
Du bist auf einen Tag umb dreyssig tausend kommen
276
Die Bürgerliche Leut in dir gewesen sind/
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Theils hat die Glut verzehrt/ die schrecklich und geschwind
278
Die gantze Stadt besaß. Theils fielen durch die Waffen/
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Theils schlung der Elbstrom ein. Was vor des Würgers
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raffen
281
Entwich/ fiel in die Glut. Was aus der Glut entkam
282
Fiel in den strengen Fluß/ der alles Leben nam.
283
Was derer keines fraß/ das führte man gefangen/
284
Mit denen alle Schand und Tyranney begangen
285
und außgeübet wurd. Ein Priester am Altar
286
Lag in viel Stücke da. Die arme Weiber-Schaar
287
Wurd Hunden gleich zu hauff gekuppelt und zum schänden
288
Ins Lager außgeführt. Viel schlossen sich mit Händen
289
und stürtzten sich zugleich in tieffe Brunnen ein/
290
Der Räuber jhrer Ehr und Keuschheit frey zu seyn.
291
Was in die Keller floh verdorb durch Rauch und Flam-
292
Dann alles Magdeburg das schmeltzete zusammen.
293
Es blieb allein der Dohm und etwas vor der Stadt
294
Wo eine kleine Schaar sich noch gerettet hat.
295
Der Bischoff muste sich verwundt gefangen geben.
296
Der tapfre Falckenberg kam in dem Sturm umbs Leben.
297
Dann ob er gleich den Feind in allen Gassen sah
298
Go stritt er gleichwol noch und schlug bald hie/ bald da
299
Denselben wieder ab. Worzu jhm seine Schaaren
300
Nechst vieler Bürgerschafft behertzt zur Seyten waren.
301
Sein Muht war unverzagt biß eine Kugel kam
302
und jhm im schärffsten Streit das tapfre Leben nam.
303
Hiemit fiel auch die Stadt
304
Da gieng es leyder an mit stechen/ schüssen/ hauen.
305
Der Raht floh auf sein Hauß/ das Rahthauß kam in Brand
306
und kam also der Raht mit jhm in gleichen Stand.
307
Die Tempel eben so/ man hat in einem Tempel
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Bey funfftzig Weibliche geköpft/ ist ein Exempel
309
Darüber man bestarrt/ das niemals ist erhört.
310
Da hat das warme Blut so häuffig her geröhrt/
311
Daß endlich eine Bach im Tempel war zu sehen/
312
Man muste hin und her auf todten Körpern gehen.
313
Dort lag ein Kind und sog der todten Mutter Brust/
314
Hier eines in der Glut/ dort/ welches wol bewust/
315
Nam ein verteuffelt Paar ein Kind bey seinen Füßen
316
und riß den Leib entzwey. Dort sah man eines spießen/
317
Hier schmiß ein anderer ein anders an den Stein
318
Daß das Gehirne flog. Hier werden Zeugen seyn
319
Die Sonne/ welche lang gantz traurig hat gesehen/
320
Nach dem diß Blutbad war in Magdeburg geschehen.
321
Die Erde/ welche hier durch so viel Menschen-Blut
322
Wurd überfärbt/ und auch die Elbe/ derer Fluth
323
Vors erste blutig gieng/ vors ander für den Leichen
324
Wie vor nicht lauffen kunt’. Ein jedes gab ein Zeichen
325
Des traurens über dich/ erbarmens-werthe Stad/
326
Nur der/ der deiner sich also bemeistert hat/
327
War gäntzlich Felsen-gleich. Wir lesen von dem Heyden
328
und Helden Scipio/ daß er zu einem Leyden
329
Ob der Carthager Brand und grossen Niederlag
330
Sehr groß bewogen schien/ da er doch jhrer Plag’
331
und Flammen Stiffter war. Hier aber war es Freude.
332
Wie hertzlich dieser Fall die Schwedischen zum Leyde
333
und auch zur Rache tieb/ kan nicht beschrieben seyn/
334
Den König ja vorauß. Die Schweden nicht allein/
335
Die gantze Christenheit/ und wer nur Menschen liebet
336
Wurd über diesem Fall von Magdeburg betrübet.
337
Gustavus schwur es hoch/ und hielt es bald darnach
338
An allen Feindlichen die allerschärffste Rach/
339
um jhre Grausamkeit in Magdeburg/ zu üben.
340
Daß er sie nicht alßbald hat von der Stad geerieben
341
Ist er in keiner Schuld/ wie zu beweisen ist.
342
Nu liebe Stadt/ die du verräthrisch und mit List
343
Erobert worden bist/ GOtt tröste dich und heile
344
Die Wunden deines Leibs/ dem abgelebten Theile
345
Wird sonder Zweiffel nun sehr wol im Himmel seyn/
346
Dein Leyd ist uns mie dir/ betrübte Stadt/ gemein.

(Celadon von der Donau [i. e. Greflinger, Georg]: Der Deutschen Dreyßig-Jähriger Krjeg. [s. l.], 1657.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Georg Greflinger
(16201677)

* 01.01.1620 in Regensburg, † 01.01.1677 in Hamburg

männlich

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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