Die stumme Sprache

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Hans Assmann von Abschatz: Die stumme Sprache (1704)

1
Wie können doch in einem Hertzen
2
Die Lieb und Furcht Geferten seyn?
3
Wie kan sich Freude neben Schmertzen
4
Und Lust bey Unlust finden ein?
5
Wie kan sich plagen und vergnügen
6
An einen Ort zusammen fügen?

7
Wer liebet/ weiß hiervon zu sagen:
8
Er redet/ wenn er stille schweigt:
9
Man darff nicht von dem Munde fragen/
10
Was seiner Augen Feuer zeigt.
11
Ein stiller Seuffzer bricht für Worte
12
Durch fest-gesperrter Lippen Pforte.

13
Er suchet Silvien mit Freuden/
14
Und findet bey ihr seine Pein.
15
Wenn sich die Augen an ihr weyden/
16
So schmacht das Hertz in Flammen ein.
17
Von ihrer süssen Augen Blitze
18
Empfindt sein Hertze Frost und Hitze.

19
Man kan auff seinen Wangen lesen/
20
Was Amor ihm ins Hertze prägt.
21
Im fall er anders soll genesen/
22
Muß Silvia dadurch bewegt
23
Ihm küssend auff die Lippen schreiben/
24
Ich will Silvanders eigen bleiben.

(Abschatz, Hans Assmann von: Poetische Ubersetzungen und Gedichte. Leipzig, 1704.Aus: Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich aus Wikisource (Wikimedia Foundation Inc.) übernommen und durch das Deutsche Textarchiv (DTA) aufbereitet und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Hans Aßmann Freiherr von Abschatz
(16461699)

* 04.02.1646 in Q7999247, † 22.04.1699 in Legnica

männlich

deutscher Barocklyriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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