Heidenlied

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Georg Herwegh: Heidenlied (1843)

1
Wie lebten doch die Heiden
2
So herrlich und so froh!
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Das war ein Volk von Seiden,
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Wir sind ein Volk von Stroh;
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Entführt' ein Ochs ein schönes Kind
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Zuweilen auch — doch glaubet mir:
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Sie Heiden waren nicht so blind
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Nicht halb so blind, als wir.

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Die Heiden, 's ist doch schade
10
Um solch
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Sie hießen Vier gerade
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Und nahmen Fünf für krumm;
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Auch hatt' die Jungferschaft ein End',
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Sobald die Magd ein Kind gebar,
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Dieweil das N. T.
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Noch nicht erfunden war.

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Sie thaten, was sie mochten,
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Die Frechheit war enorm;
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Sie siegten, wenn sie fochten,
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Auch ohne Uniform;
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Sie hatten keine Polizei
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Und tranken lieber Wein, als Bier;
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Wie waren doch die Heiden frei,
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Die Heiden! — aber Ihr?

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Und von Achill und Hektor,
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Wie's im Homerus steht,
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Bis zu dem letzten Rektor
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Der Universität,
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Da gab's kein Buch in ganz Athen —
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O schreckliche Verworfenheit!
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Man wurde vom Spazierengeh'n
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Und von der Luft gescheidt.

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Wie wußten sie die Tatzen
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Den Pfaffen abzuhau'n!
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Die durften nur nach Spatzen,
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Nicht nach den Weibern schau'n;
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Den Prinzen gar erging es schlecht,
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Die fanden kaum ein Nachtquartier;
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Wie hatten doch die Heiden recht,
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Die Heiden! — aber Ihr?

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Die Heiden, ach! die Heiden,
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Die keine Christen sind,
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Sie spinnen doch die Seiden
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Für manch ein Christenkind;
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Drum lebe hoch das Heidenpack,
46
Und jeder ächte Heidenstrick,
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Homerus mit dem Bettelsack
48
Und ihre Republik!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Herwegh
(18171875)

* 31.05.1817 in Stuttgart, † 07.04.1875 in Lichtental

männlich, geb. Herwegh

revolutionärer deutsch-schweizerischer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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