Die Partei

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Georg Herwegh: Die Partei (1843)

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Du drückst den Kranz auf eines Mannes Stirne,
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Der wie ein Schächer jüngst sein Blut vergoß,
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Indessen hier die königliche Dirne
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Die Sündenhefe ihrer Lust genoß;
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Ich will ihm den Cypressenkranz gewähren,
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Düngt auch sein Blut die Saat der Tyrannei —
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Für
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Doch gegen

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Die noch die Mutter aller Siege war!
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Wie mag ein Dichter solch ein Wort verfehmen,
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Ein Wort, das alles Herrliche gebar?
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Nur offen wie ein Mann: Für oder wider?
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Und die Parole: Sklave oder frei?
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Selbst Götter stiegen vom Olymp hernieder
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Und kämpften auf der Zinne der Partei!

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Sieh hin! dein Volk will neue Bahnen wandeln,
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Nur des Signales harrt ein stattlich Heer;
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Die Fürsten träumen, laßt die Dichter handeln!
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Spielt Saul die Harfe, werfen
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Den Panzer um — geöffnet sind die Schranken,
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Brecht immer euer Saitenspiel entzwei,
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Und führt ein Fähnlein ewiger Gedanken
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Zur starken, stolzen Fahne der

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Das Gestern ist wie eine welke Blume —
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Man legt sie wohl als Zeichen in ein Buch —
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Begrabt's mit seiner Schmach und seinem Ruhme
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Und webt nicht länger an dem Leichentuch!
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Dem Leben gilt's ein Lebehoch zu singen,
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Und nicht ein Lied im Dienst der Schmeichelei;
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Der Menschheit gilt's ein Opfer darzubringen,
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Der Menschheit, auf dem Altar der

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O stellt sie ein die ungerechte Klage,
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Wenn ihr die Angst so mancher Seele schaut;
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Es ist das Bangen vor dem Hochzeittage,
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Das hoffnungsvolle Bangen einer Braut.
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Schon drängen aller Orten sich die Erben
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An's Krankenlager unsrer Zeit herbei;
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Laßt, Dichter, laßt auch ihr den Kranken sterben,
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Für eures Volkes Zukunft nehmt

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Ihr müßt das Herz an Eine Karte wagen,
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Die Ruhe über Wolken ziemt euch nicht;
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Ihr müßt euch mit in diesem Kampfe schlagen,
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Ein Schwert in eurer Hand ist das Gedicht.
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O wählt ein Banner, und ich bin zufrieden,
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Ob's auch ein andres, denn das meine sei;
46
Ich hab' gewählt, ich habe mich entschieden,
47
Und

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Georg Herwegh
(18171875)

* 31.05.1817 in Stuttgart, † 07.04.1875 in Lichtental

männlich, geb. Herwegh

revolutionärer deutsch-schweizerischer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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