Iv. Der Zauberleuchtthurm

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Eduard Mörike: Iv. Der Zauberleuchtthurm (1838)

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Des Zauberers sein Mägdlein saß
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In ihrem Saale, rund von Glas.
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Sie spann beim hellen Kerzenschein,
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Und sang so glockenhell darein;
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Der Saal, als eine Kugel klar,
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In Lüften aufgehangen war
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An einem Thurm auf Felsenhöh',
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Bei Nacht hoch ob der wilden See,
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Und hing in Sturm und Wettergraus
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An einem langen Arm hinaus.
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Wenn nun ein Schiff in Nächten schwer
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Sah weder Rath noch Rettung mehr,
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Der Lootse zog die Achsel schief,
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Der Hauptmann alle Teufel rief,
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Auch der Matrose wollt' verzagen:
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O weh mir armen Schwartenmagen!
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Auf einmal scheint ein Licht von fern
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Als wie ein heller Morgenstern;
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Die Mannschaft jauchzet überlaut:
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Heida! jezt gilt es trockne Haut!
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Aus allen Kräften steuert man
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Jezt nach dem theuren Licht hinan,
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Das wächst und wächst und leuchtet fast
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Wie einer Zaubersonne Glast,
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Darin ein Mägdlein sizt und spinnt,
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Sich beuget ihr Gesang im Wind;
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Die Männer stehen wie verzückt,
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Ein Jeder nach dem Wunder blickt
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Und horcht und staunet unverwandt,
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Dem Steuermann entsinkt die Hand,
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Hat Keiner auf das Schiff mehr Acht,
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Bis es am Felsenriffe kracht.
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Die Luft zerreißt ein Jammerschrei:
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Herr Gott im Himmel, steh' uns bei!
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Da löscht die Zauberin ihr Licht;
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Noch einmal aus der Tiefe bricht
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Verhallend Weh aus Einem Munde:
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Da zuckt das Schiff und sinkt zu Grunde.

(Mörike, Eduard: Gedichte. Stuttgart, 1838.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Eduard Mörike
(18041875)

* 08.09.1804 in Ludwigsburg, † 04.06.1875 in Stuttgart

männlich, geb. Mörike

deutscher Lyriker der Schwäbischen Schule, Erzähler und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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