Tag und Nacht

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Eduard Mörike: Tag und Nacht (1838)

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Schlank und schön ein Mohrenknabe
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Bringt in himmelblauer Schürze
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Manche wundersame Gabe,
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Kühlen Duft und süße Würze.
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Wenn die Abendlüfte wehen,
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Naht er sachte, kaum gesehen,
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Hat ein Harfenspiel zur Hand.

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Auch der Saiten sanftes Tönen
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Kann man nächtlich lauschend hören;
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Doch scheint Alles seiner Schönen,
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Ungetreuen zu gehören.
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Und er wandelt, bis am Haine,
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Bis am See und Wiesenraine
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Er die Spur der Liebsten fand.

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Wohl ein Lächeln mag sich leise
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Dann ins ernste Antlitz neigen,
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Weiße Zähne, schneeig-weiße,
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Sich wie Sternenlichter zeigen.
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Doch ihn faßt ein reizend Bangen,
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Kommt von Ferne Sie gegangen,
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Und er sucht sein dunkel Haus.

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Liebchen tritt von Bergeshöhen
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In das Thal: da wird es Freude!
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Wald und Flur wie neu erstehen
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Vor dem Kind im Rosenkleide;
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Alles drängt sich nach der Süßen,
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Alt und Jung will sie begrüßen,
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Nur der Knabe bleibet aus.

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Und doch ist ein tiefes Ahnen
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Von dem Fremdling ihr geblieben;
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Wie ein Traum will sie's gemahnen
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An ein früh gehegtes Lieben.
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Glänzen dann auf allen Wegen
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Schmuck und Perlen ihr entgegen,
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Denkt sie wohl, wer es gebracht.

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Schnell den Schleier vorgezogen,
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Steht das Töchterchen in Thränen,
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Und der Mutter Friedensbogen
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Neigt sich thauend ihrem Sehnen;
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Erd' und Himmel haben Frieden,
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Aber ach,
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Sind getrennt, wie

(Mörike, Eduard: Gedichte. Stuttgart, 1838.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Eduard Mörike
(18041875)

* 08.09.1804 in Ludwigsburg, † 04.06.1875 in Stuttgart

männlich, geb. Mörike

deutscher Lyriker der Schwäbischen Schule, Erzähler und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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