Johann Kepler

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Eduard Mörike: Johann Kepler (1838)

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Gestern, als ich vom nächtlichen Lager den Stern mir
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Lang' betrachtete, den dort mit dem röthlichen Licht,
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Und des Mannes gedachte, der seine Bahnen zu messen,
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Von dem Gotte gereizt, himmlischer Pflicht sich ergab,
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Durch beharrlichen Fleiß der Armuth grimmigen Stachel
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Zu versöhnen, umsonst, und zu verachten bemüht:
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Mir entbrannte mein Herz von inniger Wehmuth; ach!
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Wußten die Himmlischen dir, Meister, kein besseres
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Wie ein Dichter den Helden sich wählt, wie Homer von
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Göttlichem Adel gerührt, schön im Gesang ihn erhob.
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Also wandtest du ganz die Kräfte nach jenem Gestirne,
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Sein gewaltiger Gang war dir ein ewiges Lied.
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Doch so bewegt sich kein Gott von seinem goldenen Sitze,
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Holdem Gesange geneigt, den zu erretten, herab,
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Dem die höhere Macht die dunkeln Tage bestimmt hat,
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Und euch Sterne berührt nimmer ein Menschengeschick;
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Ihr geht über dem Haupte des Weisen oder des Thoren
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Euern seligen Weg ewig gelassen dahin!

(Mörike, Eduard: Gedichte. Stuttgart, 1838.Aus: Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich aus Wikisource (Wikimedia Foundation Inc.) übernommen und durch das Deutsche Textarchiv (DTA) aufbereitet und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Eduard Mörike
(18041875)

* 08.09.1804 in Ludwigsburg, † 04.06.1875 in Stuttgart

männlich, geb. Mörike

deutscher Lyriker der Schwäbischen Schule, Erzähler und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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