Die traurige Krönung

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Eduard Mörike: Die traurige Krönung (1838)

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Es war ein König Milesint,
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Von dem will ich euch sagen;
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Der meuchelte sein Bruders-Kind,
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Wollte selbst die Krone tragen.
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Die Krönung ward mit Prangen
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Auf Liffey-Schloß begangen.
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O Irland! Irland! warest du so blind?

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Der König sizt um Mitternacht
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Im öden Marmorsaale,
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Er freut sich seiner neuen Pracht
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Beim einsamen Pokale;
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Er spricht zu seinem Sohne:
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„noch einmal bring' die Krone!
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Doch schau, wer hat die Pforten aufgemacht?“

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Da kommt ein seltsam Todtenspiel,
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Ein Zug mit leisen Tritten,
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Vermummte Gäste groß und viel,
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Eine Krone schwankt in Mitten;
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Es drängt sich durch die Pforte
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Mit Flüstern ohne Worte;
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Dem Könige, dem wird so geisterschwül.

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Und aus der schwarzen Menge blickt
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Ein Kind mit frischer Wunde,
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Es lächelt sterbensweh und nickt,
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Es macht im Saal die Runde,

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Es trippelt zu dem Throne,
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Es reichet eine Krone
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Dem Könige, deß Herze tief erschrickt.

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Darauf der Zug von dannen strich,
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Von Morgenluft berauschet;
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Die Kerzen flackern wunderlich,
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Der Mond am Fenster lauschet;
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Der Sohn mit Angst und Schweigen
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Zum Vater thät sich neigen, —
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Er neiget über eine Leiche sich.

(Mörike, Eduard: Gedichte. Stuttgart, 1838.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Eduard Mörike
(18041875)

* 08.09.1804 in Ludwigsburg, † 04.06.1875 in Stuttgart

männlich, geb. Mörike

deutscher Lyriker der Schwäbischen Schule, Erzähler und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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