Fussreise

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Eduard Mörike: Fussreise (1838)

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Am frischgeschnitt'nen Wanderstab,
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Wenn ich in der Frühe
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So durch Wälder ziehe,
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Hügel auf und ab:
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Dann wie's Vögelein im Laube
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Singet und sich rührt,
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Oder wie die goldne Traube
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Wonnegeister spürt
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In der ersten Morgensonne:
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So fühlt auch mein alter, lieber
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Adam Herbst- und Frühlingsfieber,
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Gottbeherzte,
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Nie verscherzte
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Erstlings-Paradieseswonne.

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Also bist du nicht so schlimm, o alter
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Adam, wie die strengen Lehrer sagen:
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Liebst und lobst du immer doch,
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Singst und preisest immer noch,
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Wie an ewig neuen Schöpfungstagen
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Deinen lieben Schöpfer und Erhalter.

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Möcht' es Dieser geben,
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Und mein ganzes Leben
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Wär' im leichten Wanderschweiße
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Eine solche Morgenreise!

(Mörike, Eduard: Gedichte. Stuttgart, 1838.Aus: Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich aus Wikisource (Wikimedia Foundation Inc.) übernommen und durch das Deutsche Textarchiv (DTA) aufbereitet und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Eduard Mörike
(18041875)

* 08.09.1804 in Ludwigsburg, † 04.06.1875 in Stuttgart

männlich, geb. Mörike

deutscher Lyriker der Schwäbischen Schule, Erzähler und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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