Begegnung

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Eduard Mörike: Begegnung (1838)

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Was doch heut Nacht ein Sturm gewesen,
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Bis erst der Morgen sich geregt!
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Wie hat der ungebetne Besen
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Kamin und Gassen ausgefegt!

5
Da kommt ein Mädchen schon die Straßen,
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Das halb verschüchtert um sich sieht;
7
Wie Rosen, die der Wind zerblasen,
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So unstet ihr Gesichtchen glüht.

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Ein schöner Bursch tritt ihr entgegen,
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Er will ihr voll Entzücken nahn:
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Wie sehn sich freudig und verlegen
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Die ungewohnten Schelme an!

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Er scheint zu fragen, ob das Liebchen
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Die Zöpfe schon zurecht gemacht,
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Die heute Nacht im offnen Stübchen
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Ein Sturm in Unordnung gebracht.

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Der Bursche träumt noch von den Küssen,
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Die ihm das süße Kind getauscht,
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Er steht, von Anmuth hingerissen,
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Derweil sie um die Ecke rauscht.

(Mörike, Eduard: Gedichte. Stuttgart, 1838.Aus: Haider, Thomas: Deutsches Lyrik Korpus (DLK) v5.0, 2022. Ursprünglich aus Wikisource (Wikimedia Foundation Inc.) übernommen und durch das Deutsche Textarchiv (DTA) aufbereitet und angereichert; als DLK-Ausgabe bearbeitet und kuratiert. Lizenz: Verbreitet unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Lizenz (CC BY-SA 4.0). Änderungen: Textkorrekturen, Anreicherung mit Metadaten und Textannotationen sowie Konvertierung durch Textopus.)

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Eduard Mörike
(18041875)

* 08.09.1804 in Ludwigsburg, † 04.06.1875 in Stuttgart

männlich, geb. Mörike

deutscher Lyriker der Schwäbischen Schule, Erzähler und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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