Abbildung etlicher thorheiten, so sonderlich auf universitäten paßiren

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Abbildung etlicher thorheiten, so sonderlich auf universitäten paßiren (1709)

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Beh nur! geh, verbuhlte dirne!
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Ich begehre keinen kuß:
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Ob an deiner geilen stirne
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Gleich manch schiff zerscheitern muß.
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Die sich dir zum selaven machen,
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Sind wahrhafftig auszulachen.

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Heisst das nicht rechtschaffen rasen,
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Wenn ein kerl sich so verliebt?
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Ungeacht man seiner nasen
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Einen bock zu riechen giebt;
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Wenn wir auf so faule pfützen
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Unser

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Doch, es läßt bey nah noch kahler,
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Wenn der thor die schritte mißt:
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Wenn der aufgeblasne prahler
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Hundert kerl’ und degen frißt;
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Da sich doch vor seinen flüchen
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Selbst die mäuse nicht verkriechen.

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Unterweilen großzusprechen,
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Ist gar eine schlechte kunst:
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Aber mit dem hälse-brechen,
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Ist es manchmahl lauter dunst;
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Denn vor einem guten prügel
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Hengt herr Rodomont die flügel.

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Doch ist das nicht auch ein jecke,
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Der um einen pfenning beißt?
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Der mit einem ball voll d …
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Dorten nach dem hunde schmeißt?
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Der den beutel fleißig spicket,
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Und ihm selbst die schuhe flicket?

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Aber sagt, ist der viel klüger,
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Der den teufel
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Weil ihn irgend ein betrüger
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Um den beutel was vexirt;
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Und die gelder zum verprassen,
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Nicht will länger bey ihm lassen?

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Hat er sich dazu besoffen,
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Denn geht erst der bettel an.
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Alles, was ihn itzt betroffen,
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Hat der arme stein gethan;
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Darum muß er, sich zu rächen,
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Seine kling an ihm zerbrechen.

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Manchmahl kommt zu grossem glücke
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Noch die häscher-schaar darzu,
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Und bringt die begoßne ficke
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In ein finstres loch zur ruh;
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Weil die steine vor den hieben
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Sonst nicht auf der gaffe blieben.

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Die zu … einsprechen,
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Denen solte zwar mein kiel
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Auch allhier den jecken stechen:
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Doch es wäre gar zu viel;
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Weil ohn dem die trüben zeiten
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Sie zuletzt anheim begleiten.

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Aber die versoffnen schweine,
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Die mir stets den kopff voll schreyn:
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Wenn sie von vier-pfennig-weine
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Voll courag’ und feuer seyn;
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Müssen auf ihr schreyn und speyen
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Eines auf die schnautze kreyen.

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Leute, die so offte göcken,
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Kriegen einen leeren kopff:
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Und ertappt man sie im blöcken,
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O! so steht der arme tropff
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Bey dem allgemeinen spotte,
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Wie ein sünder von der sprotte.

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Recht! spricht ein gelehrter knauser,
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Die haluncken sind es werth;
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Doch geduld, du grkllen-lauser!
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Dir ist auch noch was beschert,
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Die gelehrten bäncklein-sänger
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Sind die ärgsten müßig-gänger.

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Sich mit tausend grillen schlagen,
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Ist kein ehren-werther fleis,
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Wenn dein kopff gleich alle fragen
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Aus dem Scot’ und Thomas weiß,
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Ja das gras selbst wachsen höret;
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Heißt es doch: Du bist bethöret.

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Doch ich irre, weil ich höre,
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Daß der herr … ist,
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Und des Stagiriten lehre
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Mit dem grösten beyfall liest.
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Denn ich rede von studenten,
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Und nicht von so grossen

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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