Als tit. Herr Professor Buddeus zu Halle d. 19 Jun. 1705 Doctor Theologiæ ernennet wurde, im nahmen einiger seiner haus-pursche

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Als tit. Herr Professor Buddeus zu Halle d. 19 Jun. 1705 Doctor Theologiæ ernennet wurde, im nahmen einiger seiner haus-pursche (1709)

1
Die weisheit der vernunfft ist kein geringes licht,
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Wenn der begierden dampff nicht ihren schein verdunckelt:
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Sie ist dem monden gleich, der in den nächten funckelt,
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Wenn keiner wolcken dunst die strahlen unterbricht:
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Sie lehrt die kleine welt sich durch die groß’ erbauen,
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Und läßt den schöpffer uns aus den geschöpffen schauen.

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Der mensch würd’ ohne sie kein rechter mensch nicht seyn:
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Sie weist ihm, was er ist: Sie giebt ihm sitten-regeln:
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Sie ist der see-compaß, nachdem die klugen segeln:
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Sie zeigt die strudel an, so uns den schiffbruch dräun:
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Sie macht den selbst-betrug, den falschen schein zu nichte,
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Und zieht der heucheley die larve vom gesichte.

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Doch wie des monden glantz noch keinen tag gemacht:
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Sein blasser schimmer auch mehr kält als feuer führet;
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So dämpfft der weisheit licht, so die vernunfft gebiehret,
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Wie sehr es immer strahlt, doch noch nicht alle nacht.
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Es zeiget zwar das grab, in das die seele springet;
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Giebt aber keine krafft, die uns zum leben bringet.

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Die sonne bringt allein den klaren tag zur welt;
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Das wort des Höchsten kan allein das hertz verklären.
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Was weder Socrates noch Seneca gewähren,
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Wird hier durch GOttes mund uns prächtig vorgestellt.
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Drum dörffen wir nicht mehr in labyrinthen schweben,
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Denn hier ist GOttes Sohn selbst wahrheit, weg und leben.

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Du hast, gelehrter Mann! diß besser ausstudirt,
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Als unsre federn es hier abzubilden wissen:
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Du hast uns die vernunfft so deutlich abgerissen,
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Und ihrer weisheit grund so gründlich aufgeführt:
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Daß Epictetus selbst die stoltzen segel streichet,

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Doch wer dich loben soll, muß ein Buddens seyn;
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Wir wissen unsern kiel nicht so geschickt zu schärffen:
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Die tugend kan ihr lob am besten selbst entwerffen:
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Sie darff der blumen nicht, so ihr die Musen streun:
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Das schweigen ist ihr kiel: Die thateu sind die schrifften,
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Die bey der klugen welt das schönste denckmahl stifften.

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Führt aber die vernunfft uns zu der menschheit an,
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So weiß uns die Sophie schon höher auszurüsten:
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Die himmlische Sophie, so uns zu wahren christen
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Durch die genade macht, die alles würcken kan.
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Denn ob wir gleich zu nacht den monden nicht verfluchen;
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So müssen wir den tag doch bey der sonne suchen.

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Fridriciana weiß, wie du ihn hier gesucht:
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Wie du, berühmter Mann! ihn auch vorlängst gefunden:
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Drum hat sie dir nunmehr den ehren-krantz gewunden,
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Den du bißher verdient. Diß ist der tugend frucht.
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Drum will das Saal-Athen, so deine grosse gaben
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Uns hier nicht gönnen will, dich itzt zum lehrer haben.

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In wahrheit dein verlust geht uns recht bitter ein:
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Wir hören dann nicht mehr die göldnen sitten-lehren.
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Denn Jena will von dir die wahre weisheit hören:
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Der eigensinn und wahn umsonst das ende dräun.
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Denn, solt’ auch sonne, mond und alle welt vergehen;
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So bleibt doch GOttes wort auf festem fusse stehen.

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Ehrwürdigster Patron! Wir ehron deinen schluß,
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Weil ihn vernunfft und schrifft nicht auszusetzen wissen:
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Läßt hier dein mund nicht mehr der weisheit ströme fliessen,
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Der weisheit, so der neid selbst weisheit nennen muß;
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So lässet deine lieb uns dennoch nichts entbehren.
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Denn was der mund versagt, das muß die hand gewähren.

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Was hat nicht schon die welt von dieser hand geschaut?
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Was hat die Cabbala dir nicht vor licht zu dancken?
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Allein diß kurtze blat faßt in so engen schrancken
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Die ehren-säulen nicht, so dir dein witz gebaut.
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Denn deine schrifften sind die rühmlichsten Colossen,
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Dieweil sie die vernunfft, nicht eitler stoltz, gegossen.

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Wohl dir, geehrter Mann! Der Höchste segne dich!
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Und lasse seinen geist den deinen täglich stärcken!
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So lehrst du, wie bißher, mit worten und mit wercken:
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Ein solches lehren hält den allerbesten stich.
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Und diesen, der mit krafft und nachdruck in den sachen
71
Der weisheit handeln soll, muß GOtt zum Doctor machen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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