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Solft du, wohl-edler Freund! schon in dem sarge liegen?
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Must du so unverhofft ein raub des todes seyn?
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Kan witz und jugend nicht die sterblichkeit besiegen?
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Und stürmt der rauhe nord auch in die lorbern ein?
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Wir wundern uns zwar nicht, daß in den sommer-tagen,
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Indem der sonne gluth die halbe welt erhitzt,
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Die harten donner-keil in bäum und häuser schlagen,
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Und wenn ein eichen-stamm nicht allzusicher sitzt;
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Daß aber itzt dein haupt des todes blitz empfunden,
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Nachdem ihn Themis nächst der lorbern werth geschätzt:
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Das sind uns allerdings gantz ungemeine wunden,
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Vor denen witz und muth sich in verwundrung setzt.
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Soll kein entbrannter schlag die frischen lorbern treffen?
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Ach! warum schützen sie Asträcus priester nicht?
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Es scheine: Der strenge tod will unsre klugheit äffen,
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Und kümmert sich nicht viel, was ihre regel spricht.
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Wir gründen uns umsonst auf alte sätz und bücher.
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Er hört nicht, was der mensch hier vor gerichte hegt;
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Die lorbern bleiben schon vor keinem donner sicher,
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Wenn sie gleich Phöbus selbst auf seiner scheitel trägt.
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Du bist, erblaster Freund! ein allzuklar exempel,
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Das uns nicht ohne schmertz der wahrheit überführt;
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Dich schützt kein lorber-krantz, kein hoher ehren-tempel,
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Kein buch, kein göldner ring, mit dem dich Themis ziert.
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Wir schauen deinen leib nur in die grufft versencken:
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Dein allzufrüher tod preßt tausend thränen aus;
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Doch stirbt die tugend nicht: Dein rühmlich angedencken
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Schwingt, als ein adler, sich biß an das sonnen-haus.
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Wer so, wie du, gelebt, kan ohnedem nicht sterben:
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Wer dich gekennet hat, kennt auch dein christenthum;
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Und wenn die lorbern gleich verdorren und verderben,
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So blüht und tauret doch dein wahrer ehren-ruhm.
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Die Themis will dir selbst ein schönes denckmahl stifften,
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Sie stellt uns deinen fleiß zu einem muster vor:
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Du schärfftest deinen witz in lesung kluger schrifften,
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Wenn mancher seine zeit durch müßiggang verlohr.
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Und darum kontest du mit ehren lorbern tragen:
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Fridriciana crönt die idioten nicht;
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Man muß die barbarey erst aus dem felde schlagen,
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Eh’ man die cron erlangt, so die gelahrheit flicht.
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Wer dich gehöret hat, der weiß, wie du gesieget,
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Und was der grosse Stryck dir für ein lob ertheilt.
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Wer weiß, ob nicht der trost, der hier verborgen lieget,
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Des vaters tieffen schmertz in etwas dämpfft und heilt.
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Es geht wohl bitter ein, wenn solche söhn’ erblassen;
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Doch wer mit ehren stirbt, der stirbt nicht allzufrüh.
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Dergleichen schlüsse sind zwar freylich schwer zu fassen:
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Und wer so viel verliehrt, lernt sie nicht ohne müh.
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Je doch, Betrübte! glaubt, ihr habet nichts verlohren:
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Denn das, was ihr beweint, umfaßt kein marmel-stein;
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Es war der edle geist nicht vor die welt gebohren,
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Die engel führten ihn ins reich der himmel ein.
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Verwandelt euch der tod die lorbern in cypressen;
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So wisset, daß sein geist an lauter freude denckt.
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Er kan den doctor-ring leicht auf der welt vergessen,
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Weil ihn der weite kreis der ewigkeit umfängt.
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Der erden leere pracht liegt unter seinen füssen:
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Sein ehren-kleid beschämt das höchste purpur-tuch:
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Und will er etwas mehr, als alle weisen, wissen,
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So öffnet ihm der HErr das göldne lebens-buch.
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Was aber schauen wir um deine scheitel gläntzen?
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O glantz! der ewig taurt, und mehr als himmlisch ist!
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Weg mit der cronen-pracht! weg mit den lorber-kräntzen!
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Man hat was köstlichers vor diese stirn erkiest.
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Durchaus-beglückter Freund! wir schauen manch exempel,
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Daß man in dieser welt mit eiteln tituln prangt;
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Du aber hast itzund in jenem ehren-tempel
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Von GOtt den höchsten grad der wahren ehr’ erlangt.