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Ich geb es leichte zu, Hoch-edler! daß die wunden,
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So deiner liebsten tod dir in das hertze schlägt,
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Allzuempfindlich sind: Ich hab es auch empfunden,
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Und weiß, was dieser schlag vor angst und pein erregt.
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Drum untersteh ich mich, dein klagen nicht zu tadeln;
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Denn welch gesetze lehrt uns unbeweglich seyn?
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Scharrt doch, was tugend, witz und nette sitten adeln,
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Ich kenne den verlust, und weiß, was du verlohren;
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Dergleichen perlen sind itzt kein gemeiner schatz:
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Ein tugend-reiches weib ist nicht so bald gebohren:
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Die tugend findet nicht in allen frauen platz.
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Man findet Helenen, die schwanen im gesichte,
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Und in der seele doch so schwartz, als raben, seyn;
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Denn die erfahrung macht des Plato satz zu nichte:
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Die tugend kehre stets in schönen leibern ein.
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Dein weinen ist gerecht. Weil deine Catharine,
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Dem geist und leibe nach, vollkommen schöne war;
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Ach! wäre sie doch noch! so kehrte sich die bühne
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Der süssen liebe nicht in eine todten-bahr.
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Drum, edle thränen! rinnt, die liebe will es haben:
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Dein grosser vater fällt selbst deiner wehmuth bey:
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Ach! daß wir doch, was fromm und seltsam ist, begraben!
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Ist in der gantzen welt nichts vor dem tode frey?
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Weiß denn Papinian hier keinen rath zu geben?
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Darff der gesetzte tag nicht abgeschrieben seyn?
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Hat denn die jugend nicht ein grösser recht zu leben?
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Und schlägt der donner auch in grüne myrthen ein?
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Ach leyder! ja er schlägt, und hat bereits geschlagen,
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Daß dein bestürtzter geist kaum bey sich selber ist.
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Dein schatz, dein holder schatz, wird in die grufft getragen,
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Wo man nur einsamkeit und finsterniß erkiest.
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Die rosen wandeln sich in traurige eypressen;
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Allein, was reiß ich hier die wunden weiter auf?
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Wo aug und traurigkeit gemüth und hertze pressen,
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Da läst man ohnedem den thränen ihren lauff.
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Und darum solt ich nur bewährte pflaster bringen;
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Doch wer die harffe selbst an bittre weyden hängt,
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Dem kan, Hoch-edler Stryck! kein rechter trost gelingen:
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Wie sehr man immerhin auf öl und balsam denckt.
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Zwar, wer wie Brunnemann die bibel in dem hertzen,
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Und also sich nicht blos mit menschen-büchern trägt,
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Dem fehlt es nicht an trost, obgleich die wuth der schmertzen
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Manch unterbrochnes ach! in geist und mund erregt.
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Er weiß, daß keine krafft verstimmter klage-lieder,
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Wenn sie auch Orpheus spielt, die todten wiederbringt:
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Und daß der freye geist nicht wie die starren glieder
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In die betrübte nacht des finstern grabes sinckt.
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Drum schaue, wo du kanst, doch auf die himmels-bühne:
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Mich deucht, dein hertze wird durch diesen blick erneurt:
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Weil dein verklärter schatz, die reine Catharine,
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Jhr frohes nahmens-fest bey tausend engeln feyrt.