Gedancken des gefallenen und wieder durch Christum erlösten menschen

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Gedancken des gefallenen und wieder durch Christum erlösten menschen (1709)

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O Heilige Dreyeinigkeit!
2
Wie seelig war ich doch, als ich zur göldnen zeit
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Dein theures ebenbild, so würcklich war, als hieß!
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Da warest du mein gut, mein ruhm, mein paradies.

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Ach aber! ach die goldne zeit
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Ward bald zu finstrem bley, als ich der unschuld kleid
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So liederlich verschertzt, das wahre gut verflucht,
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Und in des satans hand gut, ehr und lust gesucht.

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Da gieng dein ebenbild dahin;
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Daß ich itzund ein bild der bösen schlange bin,
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Weil ich ihr lügen-wort der wahrheit vorgesetzt,
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Und den, der alles ist, als lauter nichts geschätzt.

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Ach! wär ich nichts, ich sünden-knecht!
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So wär ich, als ein nichts, von dem erzürnten recht
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Und von dem urtheil frey, das der, so alles ist,
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Jtzt, leider! über mich verdammten sünder liest.

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Werd ich von deinem zorn erwürgt?
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Ist nirgends keine klufft, die mich vor dir verbirgt?
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Ach nein! Dein donner schlägt auch in den abgrund ein,
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Und wen du treffen wilst, kan nirgend sicher seyn.

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Der grimm hat seinen freyen lauff.
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Weh mir! wo soll ich hin? Der himmel thut sich auf.
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Weh mir! nun bin ich hin! Nun muß ich untergehn!
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Denn welch geschöpffe kan vor seinem schöpffer stehn?

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Doch irr ich? oder seh ich recht?
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Mich deucht, (o süsser blick vor mich verworffnen knecht!)
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Des höchsten liebe läst den thron des himmels stehn,
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Und will mir unverhofft mit trost entgegen gehn.

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So ist es: GOtt erniedrigt sich,
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Und wird, o wunder-werck! ein armer mensch, wie ich.
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Das wort nimmt fleisch und blut in einer jungfrau an:
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Damit ich durch das wort im geiste leben kan.

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O unvergleichlicher entschluß!
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Das leben kommt und stirbt, weil ich sonst sterben muß.
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Gott nimmt durch seinen tod dem tode seine macht,
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Und stürtzt der schlangen wuth, die mich zu fall gebracht.

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Die unschuld selbst zahlt meine schuld,
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Und GOttes eyfer stillt die leidende geduld,
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Den eyfer, den mein fleisch, den meine missethat,
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Und mein verruchtes hertz allein entzündet hat.

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Die lust, den ehrgeitz, und den neid,
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Büßt JEsus, der mich liebt durch unverdiente schmach,
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Durch strenge dürfftigkeit und hartes ungemach.

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Nun schau ich recht, o Heilge Drey!
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Daß deines hertzens grund ein brunn der liebe sey:
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Indem du deinen feind so unaussprechlich liebst,
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Und dich dem büssenden in Christo wiedergiebst.

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Wiewohl ich bleib ein klotz und scheit,
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Wo mir dein starcker geist nicht krafft zur busse leiht:
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Denn satan bildet sich durch hochmuth, geitz und lust
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Noch immer, wie zuvor, in meiner offnen brust.

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Drum hilff, daß des erlösers geist
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In mir den götzen-bau des teufels niederreist:
54
Daß ich durch busse, glaub und liebe davon frey,
55
Und dir zum ebenbild aufs neu geschaffen sey.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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