Der LXXIX Psalm

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Der LXXIX Psalm (1709)

1
Herr! schaue, wie die feind in deinem erbe toben!
2
Dein berg, o Heiliger! dein tempel ist entweihte
3
Die stadt Jerusalem ein bild der eitelkeit:
4
Der frommen leichen sind aus ihrer grufft gehoben.
5
Man wirfft die heiligen den tollen hunden vor,
6
Und das vergoßne blut schwimmt biß an Salems thor:
7
Der todten-cörper meng erfüllte feld und gassen,
8
Und niemand war allda, der sie begraben lassen.

9
So müssen wir ein spott der stoltzen nachbarn werden:
10
Die ungeheure schmach steigt über unser haupt:
11
Die ehre Zions liegt, die cronen sind geraubt:
12
Herr! lindre doch einmahl die schrecklichen beschwerden!
13
Wie lange soll dein zorn, als wie ein feuer, glühn?
14
Laß über Babylon das ungewitter ziehn!
15
Und brich auf diese los, die deiner stets vergessen,
16
Jerusalem verheert, und Jacob aufgefressen!

17
Vergiß der alten schuld, und zeig uns dein erbarmen!
18
Du siehest allzuwohl, wie wenig unsrer sind.
19
Hilff, treuer helffer! hilff! Denn Jsrael, dein kind,
20
Weiß keine zuflucht mehr, als, GOtt! zu deinen armen.
21
Rett uns, damit dein ruhm und nahmen ewig steht!
22
Rett uns, damit dein lob in Salem nicht vergeht!
23
Und laß der sünden-bruth, die dich, o Höchster! kräncken,
24
Durch deine hohe gnad ins meeres abgrund sencken!

25
Ach! warum wilst du nicht der heyden mäuler stopffen?
26
Die dir zu trotze schreyn: Wo ist nun euer GOtt?
27
Herr! räche doch vor uns den allergrösten spott,
28
Das abgefloßne blut, und unsre thränen-tropffen!
29
Laß der gefangnen ach nicht ohne kräffte seyn!
30
Halt das gezückte schwerd der rauhen mörder ein!
31
Und laß der nachbarn kopff, die deinen nahmen äffen,
32
Den angethanen schimpff noch sechsmahl schärffer treffen!

33
Wir aber, die wir dich als einen vater lieben,
34
Und in der tieffsten angst auf dich alleine sehn,
35
Wir, denen freud und lust itzund den rücken drehn,
36
Erheben deinen ruhm, weil unsre seelen gieben.
37
Wir wissen: Daß du uns nicht gäntzlich unterdrückst,
38
Und, als ein treuer hirt, einst deine schaf’ erquickst.
39
Drum wollen wir dich auch, wenn du der feinde toben
40
Zu boden legen wirst, mit stetem dancke loben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.