Der staats-mantel, oder die einbildung

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Der staats-mantel, oder die einbildung (1709)

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Es ist ein wort bey den gelehrten,
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Das heisset man
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Als solches meine freunde hörten,
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So fragten sie: Was heist denn so?
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Ich sprach: Ich wills euch kürtzlich sagen,
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Es heist ein mantel auf latein,
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Den alle solche leute tragen,
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Die in der welt was groses seyn.

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Den mantel trugen schon die alten,
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Denn dieses war ihr ehren-kleid:
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Die nach-welt hat die tracht behalten,
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Und diese währt biß diese zeit.
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Der mantel decket alle mängel,
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Und weil sich mancher drein verhüllt!
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So kommt es, daß gar offt ein pengel
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So viel, als ein gelehrter, gilt.

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Wie mancher gilt mit seinen lehren
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So viel, als ein propheten-kind:
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Er lässet keine worte hören,
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Die nicht, als wie orackel sind:
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Er ist, wie dort der hohe priester:
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Die welt erschallt vor seinem ruhm;
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Und meritirt kaum einen küster:
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Das macht, er hat den mantel um.

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Ein ander, der das recht verstehet,
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Der tritt, als wie ein gott, herein,
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Und wenn man nur von weitem gehet,
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So muß der hut herunter seyn;
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Ach! solte man den mantel rauben,
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Der seine schande decken muß,
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So würde man wahrhafftig glauben,
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Er wäre kaum

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Manch medicus lebt sehr bequeme,
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Und macht die kasten ziemlich schwer:
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Man dächte, pest und hunger käme,
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Wann dieser nicht zugegen wär;
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Doch öffters trifft man in den messen
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Wohl einen land-betrüger an,
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Der hat so viel, als er vergessen:
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Drum sehet, was der mantel kan.

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Wohlan! bey so gestalten sachen
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Schmählt auf die neue kleidung nicht:
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Es läst kein mensch ein neues machen,
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Weil es das alte noch verricht;
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Wir sind den vätern nachgeschlagen,
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Die kinder machens eben so:
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Den mantel, den wir alle tragen,
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Der heist und bleibt

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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