Auf den glücklichen geburts-tag Jhro Hochfürstl. Durchl. Carl Philipp, Pfaltzgr. am Rhein. G. W. B. U. H

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Auf den glücklichen geburts-tag Jhro Hochfürstl. Durchl. Carl Philipp, Pfaltzgr. am Rhein. G. W. B. U. H (1709)

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Gott lob! daß ich den tag, den schönen tag gefunden,
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Der dich der welt geschenckt, und mir die süssen stunden
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Jtzt schenckt, o grosser Carl! in den ich deinem ruhm
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Zum opffer bringen kan, was ihm zum eigenthum
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Aus mir, ja aus der brust der gantzen welt, gehöret,
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Ein hertze, das den glantz von deiner tugend ehret.
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Zwar wird mein flöten-thon vor dich zu niedrig seyn:
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Du bist in allem groß, ich bin in allem klein.
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Doch wenn die furcht schon will den vorsatz hintertreiben,
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So heisset mich dennoch die liebe von dir schreiben.
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Ein jeder redet wohl, wo so viel tugend steht:
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Zu preisen dich, o Held! ist jeder ein poet:
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Die Musen dörffen nicht die schwachen sinnen stärcken.
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Was andre suchen weit, find ich in deinen wercken:
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Ich schau in einem tag in dir mehr wunder an,
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Als ich zu deinem lob im jahre schreiben kan.
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Eh’ ich dich seh, als kind, machst du dich schon zum helden:
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Eh’ ich dich ehr’ als held, will mir dein thun schon melden,
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Daß du ein halb-gott bist: Du sitzst im sternen-dach,
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Eh’ dir mein schneller sinn folgt auf der erde nach.
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Kaum kan ich deinen ruhm am Donau-strom erreichen;
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So prangst du schon am Rhein mit neuen sieges-zeichen.
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Wo es am schärffsten geht, da reist dein helden-sinn
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Vor allen anderen des kaysers schwager hin.
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Du streitest nur um ehr, und schätzest dich vergnüget,
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Wann deine tapfferkeit vor fremde wohlfarth sieget:
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Du schweigst alleine still, wann jeder von dir spricht;
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Was jeder an dir sieht, siehst du alleine nicht.
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Und wann in schmeicheley die meisten sich ergetzen,
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Kan auch ein sittsam lob dein zärtlich ohr verletzen.
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Durch dieses hast du dir gemachet eine bahn,
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Die zwar ein jeder sucht, doch keiner finden kan;
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Und sind sie jemand schon, hast du den lauff vollendet,
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Eh’ er den schweren fuß zum ersten schritt gewendet.
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Ja eh’ ein lorbeer-zweig um deine stirn vergrünt,
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Hast du den andern schon längst wiederum verdient.
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Der erden gröster gott vergöttert dein geblüthe;
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Doch aber noch vielmehr dein himmlisches gemüthe:
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Dein haus ist hoch genung; Doch wenn es möglich wär,
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Daß es könt höher seyn, so käm es von dir her.
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Ja wenn annoch die zeit, die goldne zeit, regierte,
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Da weißheit und verdienst allein zum throne führte,
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Und sich des purpurs pracht nur schloß in tugend ein;
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So würdest du schon längst ein grosser könig seyn;
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Doch ob dich schon kein reich zu dieser ehr erhaben,
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So bist du es gleichwohl nach deinen hohen gaben.
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Wer, grosser Carl! dich kennt, wer dich nur siehet an,
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Der nennt alsbald mit lust sich deinen unterthan.
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Je wen’ger dünckst du dich, je mehr du bist erhoben:
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Was vor ein fremder wird dich sehen, und nicht loben?
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Indem sich deine gunst so gnädig auf ihn kehrt,
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Als wie das tieffste thal der sonnen strahl durchfährt,
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Und dennoch, ob er schon die niedrigkeit berühret,
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Von seiner majestät dabey doch nichts verliehret.
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O groß-gesinnter Held! hier schweigt die feder still,
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Dieweil das hertze selbst zu sylben werden will,
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Ja gar die seel zum reim, wenn sie bey sich erweget,
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Wie lieblich deine gunst mich zu bestrahlen pfleget.
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Wie offt hab ich gesagt: Rom liebte den August,
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Doch Titus ward auf ihn genennt des landes lust;
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Diß aber weiß ich wohl, daß niemand auf der erden,
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Wie unser grosser Carl, geliebt wird jemahls werden.
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Und wenn ich diß gesagt, klag ich mich selber an,
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Daß ich zur gnüge nicht dein lob ausbreiten kan,
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Und daß in meiner brust nicht tausend hertzen leben,
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Um tausend hertzen dir zum opffer hinzugeben.
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Wiewohl, der himmel schon hat meinen wunsch ersetzt,
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Wenn er dir eines schenckt, was man vor tausend schätzt,
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Indem Theresia ihr edles hertz dir giebet,
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Und dich, o krieges-gott! der liebe mutter liebet.
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O schön! o gleiches paar! du stellest uns in dir
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Der tugend ebenbild, der schönheit abriß für:
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Was man in einem sucht, kan man in beyden finden,
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Weil sich in deinem ja verdienst und lohn verbinden.
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Was aber säumst du doch, zu zeigen uns das glück,
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Das durch verzug ein jahr uns macht zum angenblick?
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Ach! laß die pfeiler nicht von unsrer hoffnung wancken,
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Und tröst uns in der that, und nicht nur in gedancken!
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Ey brich, o werther tag! ey brich doch einmahl an,
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Damit ich bald an dir vergnüget sagen kan:
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Daß ich zwey gute tag in Schlesien gezehlet,
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Der unsern Carl uns schenckt, der unsern Carl vermählet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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