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Mein freund! ich frage dich: Ists wohl der rede werth,
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Daß die erzürnte laus dir in die leber fährt,
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Indem ich blos allein zum zeit-vertreib geschrieben,
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Und du an ehr und gut gantz unbeschädigt blieben?
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Denn was in solcher schrifft zum possen vorgebracht,
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Hat dich gewiß nicht kranck, geschweige todt, gemacht.
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Was gilts? wenn andern man dergleichen schreiben wollen,
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Wie hättest du alsbald so treulich helffen sollen!
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Ich glaub auch sicherlich, daß keinem ausser dir
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Dergleichen lapperey empfindlich käme für.
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So ists, wer gerne tantzt, dem ist gar leicht zu pfeiffen:
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Dein gantzes naturell ist murren, klagen, keiffen,
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Drum mag bald etwas seyn, das dein geblüth erhitzt.
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Wenn eine fliege nur etwas zu lange sitzt,
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Bist du schon sorgen-voll, daß bey so langem harren
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Sie möge dir den kalck von deinen wänden scharren.
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Ja, brummst du bey dir selbst, es kan gar licht ge-
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Daß man auf solche art die wand muß löchricht sehn.
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Du zürnest bitterlich, wenn molcken um die lichte
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Umschwärmend kommen an, dir fliegen ins gesichte,
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Du schlägest hefftig zu, und sprichst: Wenn man be-
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Wie sehr die nahrung wird durch solch ein aas ge-
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Und wie viel talg nicht bleibt an seinen flügeln hangen.
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Was man bey einem licht kan sehen und erlangen,
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Da braucht man solcher zwey. Legst du dich dann zur
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Bringst du die gantze nacht mit solchen dingen zu,
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Die nicht der mühe werth: Denckst, was in dreyßig jahren
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Dir noch vor ungemach einst könne wiederfahren:
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Und was ein ander läßt auf GOtt und zeit beruhn,
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Wilst du durch aberwitz und eigne sorgfalt thun.
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Was, sprichst du bey dir selbst, ist aus des nachbars garten
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Vor mich nicht vor verlust und schade zu gewarten?
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Die reiser, so er hat nicht weit von meiner wand
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Gar ordentlich gepflantzt, die können nach der hand
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Als bäume, die belaubt, in vollem wachsthum stehen:
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Ey, wenn sie nun den thau und regen lassen gehen,
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Auf meine gute wand, so mags nicht anders seyn,
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Sie fällt in kurtzer zeit biß auf den grundstein ein.
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Was leiden und gefahr hab ich noch zu vermuthen,
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Wenn grosser regen kömmt, daß mich die strengen fluthen
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Nicht nehmen gar dahin? Schon zweymahl ists ge-
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Daß man bey einem haar mich untergehen sehn.
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Der hencker hat sein spiel, wie balde kan sichs fügen,
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Daß mir ein grosser storch kan an die scheune fliegen.
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Wie wenn mein kleinster sohn ein schwalben-nest zer-
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Und diese schwalbe mir hernach die kühe sticht:
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So könt ich ja fürwahr bey so gestalten sachen
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Gar keine butter nicht, und wenig käse machen.
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Diß sey von diesem gnung. Kommt dann die erndte-zeit,
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Die sonsten jedermann vergnüget und erfreut,
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So hast du deine last, durchrennest felder, fluhren,
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Besiehst der menschen tritt, und zehlst der mäuse spuhren.
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An deinem acker ist fürwahr kein leerer rein,
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Er muß, wie du vermeinst, gantz abgeschnitten seyn;
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Wird denn nach deinem wunsch, und über sein verhoffen,
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Ein solcher armer dieb erhascht und angetroffen,
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Ist keine gnade da, er muß mit dir herein,
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Und kan nach deinem sinn nicht gnung bestrafet seyn.
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Will sich das feder-vieh nur etwan unterstehen,
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Aus bloser unvernunfft auf deine saat zu gehen:
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So schwingest du den stock, und wirffst aus aller macht,
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So lange, biß davon etwas ist umgebracht:
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Du rupffst die federn aus, die rache zu vollenden,
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Und streust sie hier und da herum an allen enden,
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Damit daß huhn und ganß zu ihrem schrecken sehn,
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Was hier mit ihnen sey vor eine schlacht geschehn.
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Fängt das getreide nun allmählich an zu reiffen,
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Dann pflegst du stück vor stück gar fleißig durchzustreiffen:
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Und daß du wissen kanst, ob halm und korn gesund,
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So ziehst du beyde sie gar zierlich durch den mund.
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Kommt denn die zeit heran, zur erndte selbst zu schreiten,
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Wie bist du denn bemüht, die seile auszubreiten:
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Und wenn nun diß geschehn, vermeinest du, du hast
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Getragen allzustarck des tages hitz und last.
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Entschlüsset man sich denn, getreidig einzuführen,
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So siehst du fleißig drauf, kein körngen zu verliehren,
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Und wo in deinem sinn dir deren eins entfällt,
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So ist in deinem sinn die erndte schlecht bestellt.
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Zeigt denn der schöne herbst die reichen garten-früchte,
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So wird dein kurtzer schlaf um so viel mehr zu nichte:
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Ey dieses kan den kopff dir gar zu sehr verwirrn!
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Da zehlst du eigentlich die äpffel und die birn.
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Und wenn ein wenig wind die leichten blätter rühret,
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Was wird vor grosse noth so gleich bey dir gespühret!
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Fällt dann ein pfläumgen ab, durch maden weich ge-
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Hast du dich allbereit an bettel-stab gebracht.
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Und wenn es nur alsdenn in deiner macht bestünde,
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Du schlügest dich auch wohl mit maden und dem winde,
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Die, deiner meinung nach, dich allzuhart verletzt,
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Daß vieler zeiten zeit den schaden nicht ersetzt.
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Was aber, was hilfft das, was nutzen solche grillen?
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Gewißlich glaube mir, daß man um deren willen
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Dich selten gerne sieht, weil jeder auf dich passt,
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Was du wohl abermahl vor eine klage hast.
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Die fehlen nimmermehr; Doch aber must du wissen,
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Daß diese fehler dir vormahls dein glück entrissen:
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Ich hab es offt gehört, es stöst sich mancher dran,
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Dieweil ein jeder nicht solch knarren dulden kan.
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Doch nimm es, wie du wilt, was du allhier wirst finden,
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Die wahrheit wird dich selbst zu einem ja verbinden.