Als Herr J. P. Artopœus an. 1706 d. 20 Jan. zu Halle Medic. Doct. wurde. E. G

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Als Herr J. P. Artopœus an. 1706 d. 20 Jan. zu Halle Medic. Doct. wurde. E. G (1709)

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Jhr! die ihr, von dem wahn des pöbels eingenommen,
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Das werck der medicin als gauckel-possen schmäht,
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Jhr habt vorlängsten zwar schon euren text bekommen;
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Jedoch, weil ihr noch offt durch staar und hülsen seht,
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So will die poesie ohn alles kopff-zerbrechen,
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Aus lieb euch noch einmahl das fell von augen stechen.
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Gefällt euch dieses nicht, so reist es selbst entzwey,
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Und sprecht die medicin von eurem schimpffen frey.

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Der ehrgeitz darff sie nicht zum werck der götter machen?
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Sie braucht zu ihrem ruhm nicht abgeschmackten wahn;
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Sie pfleget selbst den schwarm der alten zu verlachen,
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Und liebet einen schluß, den man beweisen kan.
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Die thiere haben sie vielleicht zuerst getrieben;
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Allein was diesen GOtt in die natur geschrieben,
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Das kommt, und wenn es euch auch noch so seltsam wär,
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Aus keinem andern rath, als GOttes weißheit, her.

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Jhr sprecht: Wie kan denn das ein göttlich wissen heissen,
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Wo ungewißheit sich zum grund und regel macht,
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Und wo zehn lehrer sich mit tausend grillen schmeissen,
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Wenn einer einen wurm von neuem vorgebracht?
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Allein, verzeiht es mir! Die höchst gewissen künste
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Sind auch zuweilen nichts als leere meinungs-dünste:
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Zudem so sagt uns doch, wo man bewiesen findt,
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Daß andre lehrer frey von allem zweifel sind?

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Erfahrung kan allhier schon gute meister machen,
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Und wenn vernunfft dabey nicht ausgeschlossen ist;
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So findet man durch sie den kern bewehrter sachen,
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Durch die ein augenblick offt bahr und grab verschliest,
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Drum, spötter! die ihr wolt dem tod apostel werben,
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Last erstlich euren wurm in dem gehirne sterben:
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Denn gebt beym Cous euch mit andern fragen an,
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Ob dieser euch vielleicht mit völckern dienen kan?

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Zwar wenn Pillificus stets leichen muß begleiten,
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Und mit der todten-post ein gut verständniß hat,
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So möchtet ihr vor ihn wohl ein quartier hereiten;
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Allein der nahmen macht nicht den gesundheits-rath.
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Sonst stünd ein grüner Mops, der wurtzeln graben lernen,
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Wie Aesculapius, vorlängsten bey den sternen;
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Schreibt aber ihn die kunst nicht ins register ein,
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So kan er, wie er will, bey euch in diensten seyn.

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Wen der Hippocrates soll zum collegen wehlen,
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Der muß zu unsrer zeit aus andern augen sehn:
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Er darff die krancken nicht mit langen fiebern quälen.
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Und wenn der herbst gesund, auf böse zeiten schmähn.
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Die krancken werden ihn schon von sich selbsten suchen:
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Drum darff er nicht die pest auf städt und länder fluchen;
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Und also fällt auch hier die bittre schmähung hin,
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Daß ärtzte selbst das weh auf ihre krancken ziehn.

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Jhr tollen sterblichen! was wolt ihr eure flecken,
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Die geist und leib zugleich ins lazareth gebracht,
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Doch so vergebens hier mit feigen-blättern decken?
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Der zorn, der euren kopff zum patienten macht:
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Der geitz, der mit verdruß nur halbe bissen zehlet:
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Die sinds, durch die ihr euch selbst die gesundheit stehlet;
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Und wenn der lüste brand vernunfft nicht löschen kan,
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So macht ihr euch ja selbst den ärtzten unterthau.

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So ändert dann den schluß, und last die regeln gelten,
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Die ihre kunst mit fleiß zu eurem nutzen setzt:
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Hört auf, die gold-tinctur und süß essentz zu schelten:
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Und was man sonsten noch von panaceen schätzt.
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Ja! wenn die beutel selbst einmahl purgiren müssen,
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So last euch nimmermehr das zinse-geld verdriessen:
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Denn euer schimpff bewegt doch nicht des Sirachs schluß,
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Daß man die medicin als göttlich ehren muß.

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Verzeih, geehrter freund! bey deiner ehren-stunde,
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Wenn uns das gegentheil auf dein exempel führt:
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Denn, wenn die wissenschafft aus unsers Wedels munde,
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Nebst dem, was Seevogt lehrt, und eignes wissen ziert:
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Wem Stahl und Hoffmanns hand die doctor-würde gönnen,
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Der wird die schmähungen recht widerlegen können.
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Indessen wünschen wir als freunde noch darbey:
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Daß deine medicin stets ohne tadel sey!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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