1
Großmächtigster Monarch! verzeih, wenn tausend schmertzen
2
Die scufftzer mit gewalt mir pressen aus dem hertzen:
3
Wenn bleiche dürfftigkeit die hand mit zittern regt,
4
Und nichts als lauter noth zu deinen füssen legt!
5
Vergieb, wenn mein gesang vielleicht zu traurig klinget,
6
Jtzund da jedermann die sieges-lieder singet!
7
Man siehet offtermahls, daß da cypressen stehn,
8
Allwo die lorbeer-bäum ihr grünes haupt erhöhn:
9
Daß auf den hellen klang der schallenden trompeten
10
Bisweilen uns gefällt der thon der sanfften flöten.
11
Beglückter Leopold! wer dein verhängniß kennt,
12
Muß sagen, daß dich GOtt zum muster hat ernennt,
13
Der lasterhafften welt in deinem glück zu zeigen:
14
Daß nur die tugend kan das unglück übersteigen.
15
Durch diesen wunder-glantz, der deine seele ziert,
16
Wird jedes hertz entzündt, wird jeder geist gerührt,
17
Und dein beruffnes lob so weit und hoch getrieben,
18
Daß man gezwungen ist, o Kayser! dich zu lieben.
19
Wo wär am Donau-strom ein Protestanten-heer,
20
Wenn diese liebe nicht sein nord-gestirne wär?
21
Will ein verblendter fürst der crone dich berauben,
22
So gilt kein unterschied, kein zancken mehr im glauben.
23
Hier stirbt der unterthan, dort der getreue freund
24
Mit solcher lust vor dich, daß der und jener meint:
25
Er könne löblicher sein leben nicht beschliessen.
26
Ein jeder sucht den tod; so daß man nicht kan wissen,
27
Was auf dem sieges-platz mehr zu bedauren sey:
28
Ob deiner freunde lieb? ob deiner knechte treu?
29
Was kan ich weiter mehr von dir, o Kayser! sagen?
30
Als daß mein fremdes volck, durch tapfferkeit getragen,
31
Von hundert meilen kommt, zu stützen deinen thron,
32
Und nichts als deine huld vor sich begehrt zum lohn.
33
Dort schreibt ein weiser mann: Daß es nicht einen giebet,
34
Der sonder eigen-nutz allein die tugend liebet;
35
Und der im gegentheil den lastern widersteht,
36
Wenn ihr vergiffter lohn uns in der welt erhöht.
37
Ach! soltest du itzund, o kluger Römer! leben!
38
Ich weiß, du würdest selbst diß schöne zeugniß geben:
39
Daß, wenn ein Leopold das kayserthum regiert,
40
Die tugend nur allein uns zu der tugend führt.
41
Wer aber ist einmahl zu deinem thron getreten,
42
Und hat vergebens dich, o Kayser! was gebeten?
43
Was man begehrt von dir, das wird uns gleich gewährt,
44
Und offt noch mehr gewährt, als man von dir begehrt.
45
Du zeigest dich betrübt, wenn eine stund verflossen,
46
In der dein unterthan nichts gutes hat genossen.
47
Dein gros-gesinnter geist richt sich nach keiner zahl:
48
Er schencket ohne maas: Er giebet auf einmahl;
49
Drum muß man billich ihn der sonnen ähnlich preisen,
50
Die allzeit unzertheilt der welt sich pflegt zu weisen,
51
Und etwan ihren glantz nicht einem nur gewährt,
52
Nein, sondern ihre gunst auf alle menschen kehrt.
53
Auf alle? Doch was angst hat mir den sinn benommen!
54
Ich will, und kan doch nicht, ich kan nicht weiter kommen.
55
Auf alle? Zürne nicht, wenn die erinnrung mir
56
Bey diesen worten itzt stellt meinen jammer für.
57
Wenn ich vor deinem thron erblasset niederfalle,
58
Und kläglich seufftzen muß: Auf uns nicht; sonst auf alle.
59
Gerechter Leopold! ach! bist du allgemein:
60
Wie kommt es denn, daß wir von dir vergessen seyn?
61
Doch schwartzer wolcken-dunst kan sonnen-klarheit schwärtzen;
62
Ich fürchte gleiche noth bey deinem vater-hertzen:
63
Ich fürchte, daß der sturm des neides uns berührt,
64
Und unsre seufftzer weit von deinen ohren führt.
65
Drum, blasse schmertzen! kommt verhungert und zerrissen!
66
Begleitet mich itzund zu meines kaysers füssen!
67
Schau, grosser Potentat! diß ist die krieges-schaar,
68
Die vor so gros, so schön, und so gefürchtet war.
69
Betrachte, was wir seynd, und was wir seynd gewesen!
70
Ein volck, das Cäsar selbst zum heer hätt’ auserlesen;
71
Jtzund ein schatten-bild, das um die gräber schwebt,
72
Und nur aus liebe noch zu dir ein wenig lebt.
73
Diß sind wir, wenn wir nichts als unser elend schauen:
74
Wann, näher uns zu sehn, die feinde sich nicht trauen;
75
Doch wenn man lermen schlägt, und zu den waffen schreyt:
76
So sieht man durch die krafft der wahren tapfferkeit
77
Diß matte todten-bild zum wunderwerck der erden,
78
Ein unbesiegtes heer von lauter helden werden.
79
Ach! könte diß dein aug, o Kayser! schauen an,
80
Was in derselben zeit die liebe vor dich kan!
81
Der kaum den schwachen leib vor hunger konnt’ ertragen,
82
Der laufft, der freuet sich, vor dich sein blut zu wagen;
83
Doch kommen wir zurück, als sieger aus dem streit,
84
So müssen wir an statt der süssen frölichkeit,
85
Die allezeit der lohn der überwinder blieben,
86
Beweinen, daß uns nicht der tod hat aufgerieben.
87
Hier lieget der soldat, durch hunger abgematt,
88
Und stirbt, dieweil er nichts, den leib zu stärcken, hat.
89
Dort sitzt der officier, und träncket sich mit zähren,
90
Dieweil er nicht mehr weiß, wie er sich soll ernähren.
91
Barmhertzger Leopold! beweget dich dann nicht
92
Mein jammer, welcher itzt in diesen zeilen spricht?
93
Kanst du wohl sehen zu, daß die aus noth verderben,
94
Die tausendmahl vor dich aus liebe wolten sterben?
95
Ich bitt, o Kayser! dich, um das getreue blut,
96
So deine fiege crönt, um diese thränen-fluth,
97
So meine wangen netzt; Ach! laß uns einmahl schauen,
98
Daß wir vergebens nicht auf deine güte bauen:
99
Damit der schluß hinfort ein helles lust-geschrey,
100
Und nicht so, wie itzund, ein bittres seufftzen sey!