An einen, welcher sich nach hof und in fürstliche dienste begeben solte. B. N

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Hofmann von Hofmannswaldau: An einen, welcher sich nach hof und in fürstliche dienste begeben solte. B. N (1709)

1
Geh hin, gepriesner mann! wohin des glückes huld
2
Dich heist aus deinem lager rücken!
3
Bequem dich aber vor zur höflichen gedult,
4
Und lern dich in das güldne joch und in die süssen schmertzen
5
schicken!
6
Der hof ist eine see;
7
Laß deiner hoffnung schiff nicht weit vom ufer schweben!
8
Wer stillen tieffen traut, und auf des meeres höh
9
Sich will mit gantzem wind und vollen segeln heben,
10
Fällt durch verleumdung offt in harte klippen ein,
11
Und stösset an des neiders stein
12
Mit schrecken seinen kahn in stücken.
13
Dann schwimmt der gantze bau zu deiner schande fort,
14
Und jeder lacht dich aus, daß du von deinem port
15
So thöricht abgeschifft: Der mast-baum liegt darnieder,
16
Und kommet selten mehr zu seinem herren wieder.
17
Bleht dich die ruhmsucht auf? so setz ihr maas und ziel!
18
Die ehre pflegt ein feiges hertz zu hassen,
19
Ein stoltzes zu verlassen.
20
Sey keinem andern hart; Dich strafe stets zuviel!
21
Bemüh dich nicht, die stirne zu verstellen,
22
Und laß dein augenlied von keiner hoffarth schwellen!
23
Das glück ist wandelbar, und ändert leicht den schein:
24
Drum sorge bloß dahin, wie du mögst ehrlich seyn.
25
Nicht wünsche, daß es dir stets frölich möge gehen!
26
Der purpur, den du trägst, stirbt und verliehret sich:
27
Der stern, der itzund scheint, kan bald in wolcken stehen:
28
Und wie ist zeit und jahr nicht selbst veränderlich?
29
Der ist der glücklichste, der keinem glücke trauet;
30
Und wer, wenn ihn ein jeder schauet,
31
Sich doch im finstern wünscht, der ist ein weiser mann.
32
Wie? weist du es noch nicht?
33
Des hofes treppen sind von porcellan und glase zugericht:
34
Man steigt, indem man abwerts geht, man fällt, indem man
35
aufwerts steiget,
36
Und wird im augenblick offt biß in staub gebeuget.
37
Verachte dich stets selbst! Jm andern traue GOtt!
38
Vergebne sorge bringt dem hertzen nichts als plagen,
39
Und unsre jammer-klagen
40
Vermehren nur die noth.
41
Zeigt dir der himmel blitz? So leide seine schläge!
42
Lockt dich die wollust an? So weich ihr aus dem wege!
43
Liebkoset dir das glück? So setze dich zur ruh!
44
Dräut dir ein schwacher feind? So lache nur darzu!
45
Bist du beliebt? So halt die gunst mit händ und füssen!
46
Liegst du? So kanst du ja den müßiggang genießen:
47
Steigst du? So laß niemahls so grosse freude sehn!
48
Wirst du erniedriget? Wohl! laß es auch geschehn!
49
Trotzt dein verfolger dich? So zwinge dein gesicht!
50
Thut es dir weh? Ey so beschwer dich nicht!
51
Mehr weiß ich dir nicht zu befehlen;
52
Durch tugend wirst du stehn:
53
Die tugend kan allein erhöhn:
54
Die tugend wird dich auch zu den beglückten zehlen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.