Der zum drittenmahl höchst-glücklich gefeyerte erönungs-tag Seiner Königlichen Majestät in Preussen. B. N

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Der zum drittenmahl höchst-glücklich gefeyerte erönungs-tag Seiner Königlichen Majestät in Preussen. B. N (1709)

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Ein höher mag dein reich, o grosser König! singen,
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Den dein befehl erwehlt, und weißheit ausersehn:
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Ich steige nicht so hoch, und bleibe nur bey dingen,
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Die zwar unsterblich sind, doch einen tag geschehn.
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Man sucht umsonst, dein lob auf einmahl auszutragen:
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Wer einen tag besingt, hat schon genug zu sagen.

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Rom war mit jahren groß, Augustus mit der zeit,
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Und beyde sind durch geitz und vieles blut gestiegen.
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Dich führt die tugend auf, und führt dich schon so weit,
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Daß keiner dir getraut, mit ehren nachzufliegen.
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Dort strich man jeden held mit höhern farben an;
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Hier ist es kunst genung, wenn man dich treffen kan.

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Wie weit ist doch der ruhm der Griechen nicht erschollen,
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Der mit Persepolis auch seinen witz verbrannt?
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Ach! hätt er so, wie du, der tugend folgen sollen,
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So wär uns wohl vielleicht sein nahme wohl bekannt.
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Was ihn berühmt gemacht, war andern abgedrungen;
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Die grösse deines reichs ist aus dir selbst entsprungen.

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Kein saurer bürger-schweiß hat deinen thron benetzt.
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Was wir darbey gethan, war wünschen, flehn und beten:
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Wir hatten dich darauf im hertzen zwar gesetzt;
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Doch eh’ es möglich schien, hattst du ihn schon betreten.
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Du thätst es ohne zwang, und doch aus eigner macht:
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Ein tag hat uns zur ruh, dich auf den thron gebracht.

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O segens-voller tag! der nun zum drittenmahle
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Kommt, und so offt er kommt, auch neue wunder zeigt.
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Dein könig, Brandenburg! blitzt mit des himmels strahle,
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Und hat dennoch ein hertz, das sich zur erden beugt.
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Er schreckt, er schlägt, er tritt Europens feinde nieder:
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Gott giebt er heute sich, macht, ehr und crone wieder.

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Das werck ist ungemein, daß er sich selbst gecrönt;
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Doch, was er damahls that, wünscht mancher noch zu können.
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Das ist viel herrlicher, daß er sein thun verhöhnt:
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Den könig niederlegt: Den sieger weiß zu nennen:
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Dort nahm er, was ihm GOtt aus milder huld verhengt;
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Hier ist er schon so reich, daß er zurücke schenckt.

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Jhr, die ihr helden nicht von räubern unterscheidet,
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Aus menschen götter macht, an GOtt zu tadeln findt,
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Mit lobe des Trajan offt einen Nero kleidet,
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Das, was der erste war, an andern nur ersinnt,
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Und meint: Es gelte gleich, ein fürst sey, wie er wolle;
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Lernt hier, was tugend sey! Lernt, wie man loben solle!

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Jhr setzt umsonst der welt vergüldte götzen vor.
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Wer weiß, warum ihr schreibt, der weiß auch, daß ihr trüget.
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Singt itzund, wenn ihr könnt, nach eures helden ohr,
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Da seine macht erbebt, sein trotz im staube lieget.
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Der einen tag durch euch offt mehr, als Cäsar that,
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Weiß heute weder sich, noch euch, noch andern rath.

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Wie glücklich ist ein land, wo man die wahrheit schreibet;
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Darff dencken, was man will, und sagen, was man denckt:
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Wo GOtt der höchste rath, sein wort die staats-kunst bleibet:
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Der Fürst den krieges-stab nach den gesetzen lenckt,
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Und so, wie unser held, so offt er trifft und schläget,
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In einer hand das schwerd und auch die rechte träget.

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Wir wissen, was es ist, und nehmen durch ihn mehr,
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Als wir gedencken, zu. Wenn andre sich vergehen,
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Für hochmuth truncken seyn, und doch sich nicht so sehr
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Durch wege der vernunfft, als falsche list, erhöhen;
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So bleibet ihm der ruhm, daß Preussen sagen kan:
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Das hat mein Friderich und auch sein GOtt gethan.

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Die zeugen sind nicht weit. Reich, erbschafft, siege, bauen,
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Hof, kirchen, ritter, staat, pracht, künste, städte, land,
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Die alle sagen mehr, als wir mit augen schauen,
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Und machen ihn und uns der gantzen welt bekannt.
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Kaufft andre euer lob von rasenden poeten;
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Hier treten thaten auf: Was ist die kunst vonnöthen?

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Je mehr man schreibt; je mehr hat unser held verricht:
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Eh man zu felde folgt, hört man ihn schon gewinnen.
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So hoch steigt der gesang der schwachen musen nicht:
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Wir brauchen zeit und jahr, was gutes auszusinnen.
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Die tugend zeiget wohl, daß sie, ich rede frey,
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Bey andern gästin nur, bey ihm zu hause sey.

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Wie wird mir? Seh ich recht, so seh ich, grosser König!
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Dich in der sterblichkeit mit sternen schon bedeckt;
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Was du gethan, ist groß; Doch scheints für dich zu wenig,
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Gott hat noch deiner macht ein höher ziel gesteckt:
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Du hast bißher den krieg, wie fürsten will gebühren,
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Für land und reich geführt; Jtzt solst du seinen führen.

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Schau! wie der himmel winckt, da die bedrängte schaar
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Von deiner mutter-stadt in neuen ängsten stehet:
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Da das, was einmahl schon dem tod entrissen war,
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Zwar dir zu theile wird, doch auch zu grunde gehet.
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Held! dein verdruß ist groß, der dir hierbey geschieht,
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Doch dieses ist weit mehr, was man hier GOtt entzieht.

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Brich auf und räche GOtt! Du bist darzu erwehlet,
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Daß du vollenden solst, was er beschlossen hat.
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Der irret, der den sieg nach volck und trouppen zehlet;
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Wem GOtt zur seiten steht, dem fehlet nicht die that.
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Dein feind sey, wer er will, so hat er doch erfahren,
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Daß wir schon offt gesiegt, auch wenn wir schwächer waren.

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Jedoch du gehst bereits, und öffnest eine bahn,
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Die dich zum wunder macht, uns ungeschickt zum loben.
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Die staats-list siehet dich als ihren meister an,
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Der spielend niedertritt, was sie mit müh erhoben:
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Sie hatt’ Europens reich für einen nur bestimmt;
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Du machst, daß jeglicher ihm nur das seine nimmt.

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Das seh ich, grosser Held! Ach denck einmahl zurücke,
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Was, da man dich gecrönt, mein reim dir prophezeyt.
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Ich sprach, und glaube noch, es habe das gelücke
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Dir, oder deinem sohn, ein neues reich bereit.
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Du erbst ein fürstenthum der herrlichsten auf erden,
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Wie leichtlich kan es nicht zum königreiche werden.

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Es werde! rufft die Marck und dein verdienst zugleich.
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Der himmel setze dich zum beyspiel aller helden!
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Die sonne Galliens steh, wie der monde, bleich,
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Wenn Fama deinen sieg wird den Antillen melden!
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Wer aber, König! denckt bey dieser zelt an mich?
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Du hast, was ich gesagt; Ich lebe kümmerlich.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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