Als der Herr Profess. J. F. Ludovici in Halle sein eintziges töchterlein zur erden bestattete. Jm nahmen seiner tisch-compagnie. G. S

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Als der Herr Profess. J. F. Ludovici in Halle sein eintziges töchterlein zur erden bestattete. Jm nahmen seiner tisch-compagnie. G. S (1709)

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So must du, zartes kind! schon auf die rauhe bahn,
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Die auch das alter kaum ohn zittern schauen kan!
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O allzuherber tritt vor noch so weiche füsse!
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Es hat dein linder mund der eltern treue küsse
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Nur kurtze zeit geschmeckt, so schenckt des todes hand
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Dir bittre myrrhen ein. Zu schneller unbestand!
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Ach allzuschwerer schluß! Rinnt, rinnt betrübte thränen!
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Welch vater soll sich nicht nach einem kinde sehnen,
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Das er so früh vermißt? Ja welche mutter sinckt,
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Wenn man ihr ebenbild ihr aus den armen ringt,
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Wenn es der tod umfast, nicht in ein meer der zähren?
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Die knospe, die noch erst die blume will gewähren,
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Ist der bedaurung werth, wenn sie vom stocke bricht.
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Wiewohl ein rosen-knopff gleicht Leonoren nicht,
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Ob sie der unfall schon allhier zusammen paaret.
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Ein kind ist doch weit mehr, als was ein krug verwahret,
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Ob es schen Indien uns theuer zugeschickt,
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Weil GOtt sein ebenbild in seine seele drückt.
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Drum, hoch-betrübte! laßt, laßt eure thränen rollen,
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Die hier den perlen-schmuck zum krantze geben sollen,
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Der eure todte crönt! Ein kind von guter art,
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An dem der himmel nichts von seiner gunst gespart,
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Ist würdig, solchen schatz mit sich ins grab zu schliessen.
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Wie sollt auch nicht der brunn der augen sich ergiessen,
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Wenn uns der tod ein stück aus unsern hertzen reißt?
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Das chor der Gratien, so seinen holden geist
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Bald mit der ersten milch Lenoren eingeflösset,
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Macht selbst die wangen naß. Die eltern-liebe stöffet
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Dann billich seufftzer aus. Der anverwandten mund
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Giebt bey der kleinen leich ihr grosses beyleyd kund.
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Sie pflantzen um den sarg die traurigen cypressen.
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Wir können selbst hierbey die blumen nicht vergessen,
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Die unsre tieffe pflicht um diese bahre streut.
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Doch ist kein balsam da, der die durch traurigkeit
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Geschlagne wunden heilt? Wir können nicht verneinen,
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Daß statt der sternen hier nur finstre wolcken scheinen,
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Und daß gar wenig trost in unser hertze steigt,
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Wenn man der augen licht hin zu dem grabe neigt.
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Allein, wie offtermahls aus aufgeritzten bäumen
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Ein heilsam wasser quillt, und meere perlen schäumen,
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Wenn der erhitzte sturm die höchsten wellen schmeist;
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So wird, wenn der von harm zu tieff gebogne geist
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Sich von dem schwartzen sarg auf jenes Eden lencket,
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Wo tausend sonnen sind, das, was es vor gekräncket,
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Ein schatten, der so schnell, als wie ein blitz, vergeht.
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Hier ist es, wo der brunn des wahren trostes steht,
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Dahin kein Seneca betrübte seelen führet,
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So hoch er immer steigt. Ein Christ, der viel verliehret,
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Verliehret dennoch nichts, wenn nur sein geist erwacht,
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Und durch des hertzens krafft dem hertzen flügel macht,
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Um aus der finsterniß sich dahin aufzuschwingen,
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Allwo sein alles wohnt, das alles wiederbringen,
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Und nichts verwerffen kan, was seinen sohn umfast.
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Diß, hoch-betrübtes haus! wältzt hoffentlich die last
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Von der beklemmten brust. Denn der die kinder liebet,
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Hat das beliebte kind, das ferner nichts betrübet,
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Als eine theure blum, ins paradieß versetzt,
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Wo ihm kein winter dräut. Darum, hoch-edle! netzt
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Die wangen nur nicht mehr. Das, was der tod begräbet,
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Ist nicht, was ihr beweint; denn Leonora lebet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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