Als Jhrer Käyserlichen Majestät Leopoldi glorwürd. andenckens solenne funeralien von denen Herren land-ständen der für- stenthümer Schweidnitz und Jauer allerunterthänigst celebriret wurden, d. 9. Jun. 1705.

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Als Jhrer Käyserlichen Majestät Leopoldi glorwürd. andenckens solenne funeralien von denen Herren land-ständen der für- stenthümer Schweidnitz und Jauer allerunterthänigst celebriret wurden, d. 9. Jun. 1705. (1709)

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Broßmächtigster monarch! auf dessen todten-baare
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Europa, welches du, bey schwerer krieges-last,
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Durch deinen rath und fleiß so offt erhalten hast,
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Den reichen königs-schmuck von dem beperlten haare
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Wehmüthig niederlegt, schau aus der ewigkeit,
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Wo dein erquickter geist die wahre ruh gefunden,
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Das unaussprechliche, das ungemeine leid,
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Zu welchem uns die pflicht, die schuldigkeit verbunden,
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Und das man dir allein noch überreichen kan,
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Mit der gewöhnlichen genad’ und sansftmuth an!

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Wir liefern dir nicht gold, noch balsam, nard’ und myrrhen,
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Auch nicht ein traur-gewand von köstlichem asbest,
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Das die verwesung trotzt, und nichts vermodern läst:
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Wir bringen keinen safft in göldenen geschirren,
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Den Socotora zeugt, und Indien gewährt;
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Doch stellen wir davor die ungefärbten hertzen,
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Die ein ergrimmter schmertz in heisser angst verzehrt.
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Sie brennen kräfftiger, als ampeln und als kertzen,
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Und wünschen allerseits, auf deinem leichen-stein
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Ein opffer reiner treu und redlichkeit zu seyn.

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Wiewohl! was mögen wir in solchem kummer zagen?
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Da du in steter lust und steter wonne schwebst,
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Und dir ein ehren-kleid von seid und purpur webst,
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Ein kleid, dergleichen nur die überwinder tragen.
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Unsterblicher monarch! du bist uns nicht entrückt;
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Du bist vielmehr dahin zu unserm trost gelanget,
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Wo dein verklärtes aug auf so viel länder blickt,
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Und das gecrönte haupt mit tausend sternen pranget.
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Da stehst du, trotz der nacht! trotz dem gehäufften weh!
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Als ein Palladium und schutz-bild in der höh.

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Glorwürdigster monarch! von dessen helden-thaten
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So Stambol, als Pariß, mit zittern hören muß,
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Auf was vor feinde trat dein unerschrockner fuß!
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Und was ist deiner faust nicht wunderbar gerathen!
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Dein donner, dessen krafft selbst von dem himmel stammt:
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Dein donner, den der HErr mit pfeilen ausgerüstet,
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Hat, als man ihm zur rach und eyfer angeflammt,
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Nebucadnezars bild, das greuel-bild, verwüstet:
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Es fiel so hahn als hund, zu beyder schimpf und hohn,
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Wie dort Sennacherib von dem verbannten thron.

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Was Carl der fünffte that, ist gegen deinen siegen
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Ein blosses kinder-spiel. Er ließ den Solyman
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Vor Wien zurücke gehn; Diß war genug gethan!
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Doch wolte sich zu dir ein höher glück verfügen:
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Als Mechmets toller schwarm den kayser-sitz besprang,
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Und Kara Mustapha mit hundert tausend horden
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Die länder überschwemmt, ist des tyrannen zwang
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Durch deiner waffen blitz zu staub und asche worden:
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Der palm- und lorbeer-krantz war von der schönsten art,
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Als gantz Pannonien durch dich erlöset ward.

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Und wie verdientest du den grossen ehren-nahmen
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Des Mehrers deines reichs, und auch der christenheit,
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Als du den Ister-strom von seinem joch befreyt:
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Als segen, glück und sieg stets auf einander kamen!
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So lernt ein Jsmael, der nach dem ersten fall,
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Da sein geschlagnes heer fast in der Raab ersoffen,
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Mit gutem recht beklagt, durch der carthaunen-knall,
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Was von dem friedens-bruch, den Franckreich rieth, zu hoffen:
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So wird des Amalecks verfluchte macht erschreckt,
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Wenn Moses seine hand zum heiligthum ausstreckt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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