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Weiß eine perle nicht den kiesel auszuhalten?
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Und muß ein kluger kopff viel eher noch erkalten,
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Als ein verwehnter thor, der nichts gelernet hat,
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Als was ihm Rhenius und irgend der Donat
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Mit ruthen eingepauckt? Es ist wohl schwer zu fassen;
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Allein wir müssen doch den himmel walten lassen,
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Der weiser ist, als wir. Sonst ist es freylich wahr,
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Daß mein erblaster freund was ungemeines war.
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Wie wuste Gryphius nicht seinen witz zn loben?
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Fridrieiana kennt und rühmt noch seine proben:
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Wie uns Cartesius die augen aufgethan:
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Und wie Thomasens muth den alten Schlendrian,
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Den viele stümper uns so kräfftig angepriesen,
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Nun vollends ausgefegt, und uns die bahn gewiesen,
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So uns das innerste der sitten-lehr entdeckt,
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So sehr die heucheley auch diesen schatz versteckt;
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Was Galiläus schreibt und Tschirnhaus ausgesonnen:
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Was schön und artiges aus Bayles kiel geronnen
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Wie Coehorn und Vauban die vestungen gebaut:
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Ein Hevel durch ein glas mehr stern im himmel schaut,
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Als keiner vorgesehn: Was Weigels kopff erfunden:
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Hambergers tieffer sinn in den gelehrten stunden
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Von der natur erklärt, und die Philosophie
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In ihre zirckel faßt; Diß hat die kluge müh
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Des nunmehr seeligen in kurtzer zeit begriffen.
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Wann andre voller brunst nach einem dorffe lieffen,
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Wo man verstand und ehr, und geld und zeit verpraßt;
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So hattest du, mein freund! ein buch zur hand gefaßt,
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Das nach der weißheit schmeckt, und eine strasse zeiget,
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Auf der man in die burg der wahren ehre steiget,
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In die kein fauler kommt. Dein ruhm ist noch nicht gantz:
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Die Themis windet dir auch einen ehren-krantz.
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Als einer, der mit recht den doctor-titul führet.
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Und will vor manchem nichts als eine bürde seyn;
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Dir war es eine lust, nachdem du Stryckens glossen,
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Aus dessen munde nur, was wichtig, kommt geflossen,
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Und des Wildvogels witz dir alles klar gemacht;
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Denn solcher lichter glantz zerstreuet alle nacht.
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Erweg’ ich noch darzu, was du auf deinen reisen
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Vor fleiß und witz gebraucht; was find ich nicht zu preisen?
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Doch sag’ ich weiter nichts, als daß du das gethan,
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Was einen in der welt vollkommen machen kan.
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Wie solte nun dein tod nicht die verwandten schmertzen?
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Hoch-edle! dieser schlag dringt auch durch andre hertzen,
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Dieweil er auf einmahl so viel zu grabe trägt.
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Was vor ein herber schmertz hier meine feder regt,
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Erweiset diese schrifft, wo nichts in ordnung stehet,
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Und mancher reim und vers mit schlechten füssen gehet;
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Ja, lieff er auch schon gut; so ist mein freund doch hin!
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Ach! auserwehlter freund! ich weiß nicht, wo ich bin;
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Und dennoch soll ich mich zu einem tröster schicken.
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Zwar, hätt ich deinen witz? es solte schon gelücken;
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So aber fallen mir nur diese wörter ein:
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Das, was der Höchste will, muß gut und heilsam seyn.
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Er dencket nicht, wie wir: Wir schauen auf die jugend,
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Und das, was uns gefällt; allein die reiffe tugend
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Macht auch, was jung ist, alt. Ach augen! weinet nicht,
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Daß unser seeliger hier keine dornen bricht:
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Laßt doch die thränen uns wie seinen leib begraben!
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Denn was vollkommen ist, das muß der himmel haben.