Die thränen der Musen bey dem grabe des freyherrn und grossen königlichen staats-ministers herrn Pauls von Fuchs. B. N

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Die thränen der Musen bey dem grabe des freyherrn und grossen königlichen staats-ministers herrn Pauls von Fuchs. B. N (1709)

1
Weinet! weint! ihr Pierinnen!
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Und du gantzes Musen-heer!
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Kluge lieder auszusinnen,
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Ist wohl diesesmahl zu schwer.
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Wir sind viel zu sehr betrübet:
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Pindus auen leiden noth;
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Denn der sie so hoch geliebet,
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Der erlauchte Fuchs ist todt.

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Helden rühmen seine thaten:
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Fürsten sagen, was sein geist
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Zu Europens heil gerathen:
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Andre, was die kirche preist.
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Seine treu, (ist es zu wenig?)
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Seiner weisheit tieffen grund,
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Klagt ein noch viel weiser könig:
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Wir beklagen seinen mund.

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Seinen mund, der deinen feinden,
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Preussen! wie ein donner war:
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Seinen mund, der deinen freunden,
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Teutschland! hertz und muth gebahr:
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Seinen mund, der, was die Griechen,
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Was die Römer vorgebracht,
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Zwar offt hoch heraus gestrichen,
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Doch viel schöner noch gemacht.

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Grosser mann! du wirst versencket:
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Ach! versenckte man doch nicht,
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Was dir GOtt voraus geschencket,
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Auch zugleich dein hohes licht!
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Wer wird künfftig uns vorstehen?
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Wer stimmt unser saiten-spiel,
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Wenn die kunst zu grabe gehen,
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Und der meister sterben will?

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Was Apollo vor gewesen,
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Warst du würcklich in Berlin.
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Tausend sind durch dich genesen,
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Die der hülffe sich verziehn.
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Allem zorne fiel der wille,
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Wo dein süsses wort erklang:
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Gantze heere stunden stille,
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Wenn dein mund vom frieden sang.

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So herrscht nicht ein warmer regen,
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Wenn er schnee und eiß durchdringt:
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So kan Orpheus nicht bewegen,
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Wenn er vor der höllen singt;
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Als ein satz aus deinem munde
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Jeden einwurff überwog;
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Als dein mund zur rechten stunde
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Aller hertzen an sich zog.

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Weint! verlaßne Musen! weinet!
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Diß geschah für hof und land.
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Ach! was hat er, wie es scheinet,
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Nicht für mich an euch gewandt!
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Phöbus muste sich offt kräncken,
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Wenig klang von uns ihm wohl;
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Aber Fuchs wieß, wie man dencken,
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Wie man artig sprechen soll.

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Er vermied die stoltzen grillen,
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Die so manchen Jcarus
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Seinen kopff mit winde füllen,
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Und viel ohren mit verdruß;
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Was er sagte, war natürlich,
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Und dennoch dabey so schön,
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Daß es, Plato! kaum so zierlich
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Könt aus deinem munde gehn.

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Darff ich mich von kleinen dingen,
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Die doch mehr, als menschlich seyn,
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Gar zu unserm helden schwingen,
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So trifft herr und diener ein.
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Friedrich muste Teutschland lehren,
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Wie man Gallien bekriegt;
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Fuchs hat zu der Teutschen ehren
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Franckreichs witz und kunst besiegt.

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Arme redner und poeten!
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Kanitz sanck ins grabes nacht:
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Kanitz, der die Teutschen flöten
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Auf den höchsten thon gebracht:
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Heute muß auch Fuchs verbleichen,
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Fuchs, der redner preiß und eron:
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Und so zieht in zweyen leichen
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Unser gantzer ruhm davon.

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Ach daß ich doch könte schreiben!
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Doch die feder scheut das licht.
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Vers und reim so hoch zu treiben,
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Ist für meines gleichen nicht.
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Fuchs ist viel zu groß gewesen;
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Wer es etwa nicht gemeint,
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Der mag seine wercke lesen:
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Hier ist nur der mund beweint.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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